Ich bin noch immer ganz beeindruckt von der Anti-Atom-Demo in Berlin. Eine farbenfrohe, endlos scheinende, Menschenmenge zog am Samstag durch das Berliner Regierungsviertel. Friedlich, bunt, kreativ und mit viel Musik ging es stundenlang zu Fuß quer durch die Straßen.

Wir haben die Mehrheit der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger vertreten. Es ist offensichtlich, dass die Alternativen zur Atomkraft von der Bevölkerung verstanden wurden und der Weg weg von der Kernkraft eine breite Zustimmung findet (ZDF-Politbarometer vom 10.09.2010: 61% für Ausstieg, 33% für Laufzeitverlängerung). Das führt zu dieser gigantischen Demo von über 100.000 Menschen gegen die schwarz-gelbe Koalition von Merkel & Westerwelle.

Am 05. September 2010 hatte die schwarz-gelbe Bundesregierung beschlossen, den Atomausstiegsvertrag, wie er im Jahr 2000 gemeinsam mit den Energiekonzernen geschlossen wurde, aufzuheben und AKWs länger am Netz zu lassen. Der schwarz-gelbe Kniefall vor der Energielobby bedeutet 100 Milliarden Euro Extraprofit für die Atomkonzerne, zementiert die Marktdominanz der vier Stromkonzerne, bremst die erneuerbaren Energien aus, erhöht die Restmenge des noch anfallenden Atommülls fast auf das Dreifache, verzögert dringend benötigte Zukunftsinvestitionen und ist verfassungswidrig.

Die Verlängerung der Laufzeiten für längst abgeschriebene Kernkraftwerke zeigt, dass die – berechtigten – Ängste der Bevölkerung negiert werden. Insbesondere die Lagerung des radioaktiven Mülls ist weder geklärt ist noch wird dieses Problem derzeit ernsthaft und sorgfältig gehandhabt. Die Missachtung der elementarsten Sicherheitsvorschriften in Asse sprechen für sich; genau wie die immer noch andauernde „Prüfung auf Geeignetheit“ des „Endlagers Gorleben“.

„Atomkraft? Nein Danke“ ist kein Thema mehr allein für irgendwelche Ewig-Unzufriedene, keines nur einer kleinen Minderheit. Der gigantische Demonstrationszug spricht eine deutliche Sprache. Wie der Generalsekretär der CDU, Hermann Gröhe, daraus ableiten kann, dass „die Mehrheit der Bevölkerung sich für Atomenergie ausspricht“, wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Das Highlight der Demo war die Besetzung der Reichstagstreppe durch die Demonstranten. Ein großartiges Bild mit Symbolcharakter, die Blockade der Treppe. Das Volk stand genau dort vor dem Reichstag, wo vor 20 Jahren schon einmal tausende Menschen gemeinsam am 03. Oktober 1990 den Tag der deutschen Einheit feierten.

PS: Nett, dass einige Kernkraftgegner der FDP eine kleine Nachricht hinterlassen haben!

Polizeibeamte entfernen Aufkleber an den Fensterscheiben der FDP-Zentrale.

Der Anti-Atom-Ticker der TAZ dazu: „Über 1000 Antiatom-Aufkleber hatten die Demonstranten am Mittag an die FDP-Parteizentrale geklebt. Von Wand und Tür und Fensterscheiben war kaum mehr etwas zu sehen. Jetzt stehen hier vier Polizisten, sie murren. Aufkleber für Aufkleber entfernen sie – per Hand. “Zu unseren originären Aufgaben gehört das eigentlich nicht”, sagt einer. Aber es war “Anweisung von oben”.“

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