Bad Orber Freibad: Dauerkarte mit Foto statt Fingerprint?
von Daniel Mack | 2 Kommentare
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Für die einen ist das Bad Orber Freibad mit seinem Fingerprint-System das (unsinnigerweise) sicherste Schwimmbad der Welt (Ich glaub, ich schwimm im Pentagon), für die anderen steht der der Tourismusort an der Spitze der Modernisierungsbewegung. “Bad Orb ist da eben ein bisschen schneller” meint Bürgermeisterin Helga Uhl und lässt die “Big Brother Bad – Orb?” Frage aufkommen.
Ich halte den Fingerabdruck-Scanner im Schwimmbad für völlig übertrieben. Der Hessische Datenschutzbeauftragte Prof. Ronellenfitsch hält ihn darüber hinaus für unzulässig. Es freut mich, dass das Gelnhäuser Tageblatt (GT) meinen Alternativvorschlag einer Dauerkarte mit Foto aufgegriffen hat und Ronellenfitsch im GT-Interview äußert, dass er keine Einwände gegen diese Lösung hat.
Interview im Gelnhäuser Tageblatt vom 09. Juni 2011 mit dem Hessischen Datenschutzbeauftragten, Prof. Michael Ronellenfitsch:
Die neue Zugangskontrolle für Dauerkartenbesitzer im Bad Orber Freibad mittels Fingerprint-Erkennung behagt ihnen nicht.
Ronellenfitsch: Ich halte die Erhebung derart sensibler Daten ohne bereichsspezifische Rechtsgrundlage für unzulässig.
Warum?
Ronellenfitsch: Ausweisdokumente wie Pässe müssen, oder, im Fall von Personalausweisen, dürfen Fingerabdrücke enthalten. Die Erhebung ist jedoch normenklar im Pass- beziehungsweise im Personalausweisgesetz geregelt und die Nutzung dieser Daten dient hoheitlichen Zwecken. Für die Zugangskontrolle zu einem Schwimmbad gibt es eine derartige Rechtsgrundlage nicht.
Das ist eine klare Aussage.
Ronellenfitsch: “Zudem ist die Zurverfügungstellung der Infrastruktureinrichtung Schwimmbad Teil der durch die Stadt zu betreibenden Daseinsvorsorge und steht daher allen Bürgern offen. Im Rahmen dieser Aufgabenerfüllung ist die Stadt nicht berechtigt, Daten von Bürgern zu verarbeiten, deren Verarbeitung gesetzlich nur für eng begrenzte Bereiche vorgesehen ist.”
Befürworter argumentieren, dass hier gar nicht ganze Fingerabdrücke genommen werden, sondern nur Teile davon. Zudem würden die Daten nicht zentral in einer Datei gespeichert, sondern nur auf der Karte des Besitzers.
Ronellenfitsch: An meiner Einschätzung ändern sich auch nichts dadurch, dass die Daten auf dem Chip gespeichert werden. Eine Verarbeitung findet gleichwohl statt. Das gilt auch für das Argument, es handele sich ja nur um einen Fingerprint.
Welche Lösung wäre aus Datensicherheitsgründen akzeptabel? Eine Dauerkarte mit Passfoto?
Ronellenfitsch: Gegen eine Dauerkarte mit Foto hätte ich nichts einzuwenden.
Ist Bad Orb der Anfang einer Entwicklung, in der digitale Erkennungstechnik immer mehr an Bedeutung gewinnt?
Ronellenfitsch: Ob es sich um den Anfang einer Entwicklung in die digitale Erkennungstechnik handelt, mag ich nicht zu sagen. Es geht hier in erster Linie wohl darum, Personal zu sparen.

Warum macht man es dann nicht wie Mack und Ronellenfitsch es vorschlagen? Landrat Pipa findet das Gerät ja auch nicht so toll.
Wichtig für sie, mit Herrn Ronnellenfitsch einen Fürsprecher an ihrer Seite zu haben. Ansonsten wären sie in Bad Orb am Ende noch der Schuldige weil das Fernsehen kam.