Fingerprint im Freibad: Big Brother Bad – Orb?
von Daniel Mack | 22 Kommentare
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Zum Beitrag „Ich glaub, ich schwimm im Pentagon“ (22.05.2011) hier klicken.
Die technikfaszinierte Bürgermeisterin Helga Uhl will mit Bad Orb und dem neuen Kassenautomaten des Freibades an der Spitze der Modernisierungsbewegung stehen (Hessenschau, hr-iNFO, hr-online, Sat.1, FFH, FR, FAZ & Co berichten in Folge meines Blog-Beitrages „Ich glaub, ich schwimm im Pentagon“). Klar, es könnte alles so einfach sein: kein lästiges Anstehen in der Schlange vor dem Kassenhäuschen, weniger Personal, Kosten sparen und endlich modern sein. Dem Badespaß im Naturerlebnisbad würde nichts entgegen stehen, müsste man nicht vorher seine Fingerabdrücke abgeben.
Genau darin sieht der hessische Datenschutzbeauftragte, Prof. Michael Ronellenfitsch, das Problem. Die Ausgestaltung des Zugangssystems zum Schwimmbad mit Fingerabdrücken hält er datenschutzrechtlich nicht für zulässig.
„Zwar werden die Fingerabdrücke lediglich auf dem Chip gespeichert und befinden sich im Verfügungsbereich des Kunden. Die Erhebung derart sensibler Daten ohne eine bereichsspezifische Rechtsgrundlage hält er nicht für zulässig. So ist die Erhebung von Fingerabdrücken für Ausweisdokumente (Pass oder Personalausweis) normenklar im Pass- bzw. Personalausweisgesetz geregelt und die Nutzung dieser Daten dient hoheitlichen Zwecken.
„Die Zurverfügungstellung der Infrastruktureinrichtung Schwimmbad ist Teil der durch die Stadt zu betreibenden Daseinsvorsorge und steht daher allen Bürgern offen.“, sagt Prof. Ronellenfitsch. Im Rahmen dieser Aufgabenerfüllung ist die Stadt nicht berechtigt, Daten von Bürgern zu verarbeiten, deren Verarbeitung gesetzlich nur für eng begrenzte Bereiche vorgesehen ist.
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Da kann der Herr Prof. Ronellenfitsch sagen was er will, muss sich die Bürgermeisterin gedacht haben. „Ist doch alles freiwillig“ sagt sie und versteht die ganze Aufregung nicht. Stimmt, die treuen Kunden sind ja selbst Schuld, dass sie so oft ins Freibad möchten und deswegen eine Saisonkarte beantragen. Und wer wirklich eine Karte ohne Fingerabdruck haben möchte, „hat einen schwierigeren Zugang“ (Zitat Uhl), muss erstmal klingeln und darf eine Weile warten bis der „Schwimmmeister nach vorne kommt und die Tür aufmacht“.
Die Tatsache, dass dieses Verfahren so umständlich ist, dass die Schwimmbadbenutzer erstmal eine Weile warten müssen, bis sie reinglassen werden, scheint der Bürgermeisterin egal zu sein. Und ganz so freiwillig ist diese Methode dann auch nicht. Denn „Freiwilligkeit ist nur dann gegeben, wenn eine gleichwertige Alternative zur Verfügung steht.“, sagt Prof. Ronellenfitsch und erteilt der Uhlschen Auslegung von „Freiwilligkeit“ eine klare Absage. Obwohl Ronellenfitsch mit Schreiben vom 27.04.2011 Bürgermeisterin Uhl mitteilte, dass er ihr geplantes Zugangssystem zum Schwimmbad für datenschutzrechtlich unzulässig hält, da für die Abnahme der Fingerabdrücke keine Rechtsgrundlage besteht und sie deshalb aufgeforderte, von dem Projekt Abstand zu nehmen, hält Uhl gegenüber hr-online an ihrem Fingerabdrucksystem fest: „Wir geben den Gästen ein Infoblatt und bitten sie um eine schriftliche Einverständniserklärung.“
In der Gelnhäuser Neuen Zeitung (GNZ) vom 27. Mai 2011 philosophiert Bürgermeisterin Uhl schon über ihre nächsten Pläne: „In 5 Jahren verschafft man sich zu öffentlichen Einrichtungen mit dem Personalausweis Zugang. Bad Orb ist da eben ein bisschen schneller“. Die Konsequenz wäre ein rießiger Bestand personenbeziehbarer Daten. Wer war, wann, wo und hat was gemacht? Auch die Risiken, die sich aus der Verbindung einer umfassenden staatlichen Datensammlung mit dem Einsatz eines solchen Multifunktionsausweises im täglichen Leben ergeben, werden von der Bürgermeisterin brutal verharmlost. Gerade als Stadtoberhaupt sollte sie sich für den Einsatz einer elektronische Bürgerkarte anstatt des unsicheren elektronischen Personalausweises für Internetgeschäfte einsetzen. Eine solche Karte wäre praktikabler, könnte getrennt vom Personalausweis aufbewahrt und eben auch zu Hause gelassen werden.
Helga Uhl versucht sich als Schönfärberin. Über ihre Argumentation der Kostenersparnis und der geringeren Personalkosten versucht sie das neue Fingerabdruck-Einlasssystem des Freibades zu rechtfertigen und zu verteidigen, ohne eine gleichwerte Alternativlösung anzubieten. Konsequenterweise müsste ich sie, gerade nach ihren erschreckenden Äußerungen zur zukünftigen Benutzung des Personalausweises, für den Big Brother Award vorschlagen.
Ich setze auf die, durch Landrat Erich Pipa angekündigte Überprüfung des Rechtsamts und der Kommunalaufsicht des Main-Kinzig-Kreises. Erich Pipa (Fingerabdruck-Automat ist eine „unglückliche Lösung“) und ich sind einer Meinung, dass die Handreichung des hessischen Datenschutzbeauftragten an die Bad Orber Bürgermeisterin ernstzunehmen ist. Sollte der Main-Kinzig-Kreis zu dem Schluss kommen, dass die Entscheidung der Stadt Bad Orb rechtswidrig ist, kann er sie aufheben und fordern, dass sie rückgängig gemacht wird.
PS: Baden ohne Fingerabdruck ist in der Bad Orber Toskana Therme (mit schönem Außenbecken) möglich. „Wir empfangen und bedienen unsere Badegäste wie bisher an der Kasse vom Servicepersonal. Diese bewährte, kundenorientierte Praxis wird auch weiterhin beibehalten.“, erklärt Musia Heike Bus, Managerin der Toskana Therme.
PPS: Droht den Bad Orber „Regierungsparteien“ CDU und SPD ein Kooperationestreit? Während der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Kertel das Zugangssystem als „totalen Quatsch“ bezeichnet und sich dafür ausspricht, das Fingerprint-Gerät nach einer Prüfung wieder abzubauen, sieht seine SPD-Kollegin Annemarie Meinhardt die Sache grundlegend anders: „Wir sind doch sowieso komplett gläsern. Es geht ja auch jeder mit der EC-Karte einkaufen und tanken. Für mich ist es wichtiger, dass das System einwandfrei arbeitet.“ Quelle: GNZ

Herr Mack!
Sie sagen sie vertrauen auf Landrat Pipa. Schön & gut.
Pipa (SPD) spricht von einer unglücklichen Lösung. Nancy Faeser von der SPD Hessen ist total gegen Fingerscan und die SPD in Bad Orb (Meinhard) sieht das ganz locker und findet die Sache auch noch gut.
Wie beurteilen Sie die unterschiedliche Positionierung der SPD? Nur auf höheren Ebenen sind die Sozialdemokraten dagegen, vor Ort sind sie dafür. Bei den Grünen ist auch nur die Kreis- und Landesebene dagegen. Vor Ort gibt es die Grünen ja gar nicht.
Ist es nicht vielleicht so, dass die Orber ganz gut damit leben können?
MFG
D. Landschreiber
die einzelnen positionierungen der spd möchte ich nicht bewerten. nur so viel: der meinung von frau faeser (hess. landtag) und herrn landrat pipa (mkk) kann ich mich anschließen.
Aha. Und warum äußern Sie sich dann als Kreispolitiker dazu?
Meinhardt: „Wir sind doch sowieso komplett gläsern. Es geht ja auch jeder mit der EC-Karte einkaufen und tanken. Für mich ist es wichtiger, dass das System einwandfrei arbeitet.“
Wer zieht die Frau aus dem Verkehr?
Sie müssten Frau Uhl nicht für den Big Brother Award vorschlagen. Sie müssen!! Dringend!! Die Ansichten der Frau sind erschreckend!
Herr Mack,
sie haben vollkommen recht. Herr Baumgarten stimmt Ihnen ja auch zu. Hier passiert etwas total unverhältnismäßiges. In Bad Orb drehen die Uhren anders oder vielleicht sogar rückwärts. Wie geht es denn jetzt weiter? Wird der Automat abgebaut oder müssen wir damit leben? Es gibt ja einen Vertrag dafür oder habe ich das falsch verstanden?
die kommunalaufsicht des main-kinzig-kreises wird den sachverhalt nun prüfen. landrat erich pipa hat das rechtsamt des mkk damit beauftragt.
krasse action die der mack da macht. die bürgermeisterin ist doch crazy. die merkt wohl gar net mehr was abgeht. wie krass die einfach ist. auf der messe in wächtersbach isses das thema überhaupt. versteht keiner warum man fingerabdrücke braucht.
daniel mack istn korrekter typ!
Sowei ich weiss, wird der Fingerabdruck nicht gespeichert. Frau Uhl sagt es geht auch ohne den Abdruck. Warum macht Herr Mack aus einer Mücke einen Elefanten und warum kocht er das Thema so hoch? Alle möglichen Medienvertreter waren jetzt hier und haben schlecht berichtet. Sie sollten Bad Orb verlassen!!!
Guten Tag Herr Mack,
ich kann Ihnen nur den Rücken stärken. Geben sie nichts auf das was hier im Ort geschwätzt wird. Sie haben eine große Mehrheit hinter sich. Einige Leute haben wohl nicht verstanden, dass man sich auch in Bad Orb an Vorschriften halten muss und die Behörden achten muss. Ihr Engagement ist sehr unterstützenswert. Sie zeigen ja mit ihrer Werbung für die Therme und ihren Tourismusideen wie wichtig Ihnen Bad Orb ist. Das merkt man auch.
Machen sie weiter so.
Gruß
Linda Schweizer und Familie
Frau Uhl sagt es ist freiwillig und Herr Mack kritisiert das. Ich muss sagen, es ist mir ein wenig zu pingelich, wenn Herr Mack ein paar Minuten Wartezeit nicht akzeptieren will. Ihm scheint es hier auch ums Prinzip zu gehe. Okay, es ist rechtlich schwierig, aber so ein Theater um das Schwimmbad?
Sie sind nicht mal im Bad Orber Stadtparlament. Haben Sie sich etwa als großer grüner Kreispolitiker von oben in Bad Orber Angelegenheiten eingemischt? Soweit ich weiss finden die Orber Politiker das System gut. Nur sie stiften Unruhe!
Hallo Herr Mack,
ich stimme Ihnen und auch Herrn Baumgarten komplett zu. Das ist alles zu viel in Bad Orb. Frau Uhl sollte sich schämen.
Gruß
F. Schweizer
Herr Mack hat absolut recht.
Ich bin kein Freund der Grünen. Herrn Macks Forderungen nach Abschaltung der Kernkraftwerke verurteilen mein Mann und ich sehr stark.
Ich will Herrn Mack aber in der Sache mit dem Freibad recht geben. Wenn selbst das Land gegen das System ist, kann Frau Uhl doch nicht daran festhalten. Fingerabdrücke sind etwas für Grenzen oder Flughäfen.
Gruß
Irmgard Mühl
Das Thema haben sie schön gepusht. Betrifft gerade mal 1000 Leute und sie machen eine gigantische Nummer daraus. Respekt!
ich schäme mich für bad orb. wie daniel mack schon sagt, die wirklich erschreckenden aussagen über die benutzung des persos sind ja fast noch schlimmer als alles andere.
liest frau uhl das hier eigentlich?
Hallo Daniel, ich finde deinen Blog echt spannend. Ich verstehe aber nicht so ganz, warum Du nun mit dem Datenschutzbeauftragten kommst. Ich dachte es geht Dir um die Abgabe von Fingerabdrücken bei Minderjährigen. Willst Du das System in Bad Orb komplett abschaffen? Das würde doch wieder extrem viel Geld kosten? Überleg Dir das echt gut.
die stellungnahme von herrn prof. ronellenfitsch ist eindeutig. landrat erich pipa, als chef der kommunalaufsicht, hat das rechtsamt des main-kinzig-kreises mit der prüfung der angelegenheit beauftragt. sollte die auffassung von herrn ronellenfitsch bestätigt werden, kommt der fingerabdruck-kassenautomat weg.
beste grüße
Oh weh, wie peinlich für unseren Ort. Kann der Bürgermeisterin mal sagen, was sie anstellt??
@Daniel: Wo ist die auflistung der Medien hin?
die medienschau findest du unter dem artikel “ich glaub, ich schwimm im pentagon”: http://danielmack.de/ich-glaub-ich-schwimm-im-pentagon/
Hallo Daniel,
guter Kommentar. Sehr merkwürdig was bei euch in Bad Orb passiert und wie ignorant eure Bürgermeisterin ist. Und das nach dem Medienauflauf!?