Bundesliga-Stadien sind keine „No-Go-Areas“

„Ich hätte nicht geglaubt, dass wir in Mainz mal Probleme mit so einem Vollidioten bekommen. Ich hoffe, dass der Täter gefunden wird, und dann muss man ein Exempel statuieren.“, sagte Christian Heidel nach der Bundesligabegegnung des FSV Mainz 05 gegen den 1. FC Köln am 09. April 2012.

Eine vollkommen richtige Reaktion des Mainz-05-Managers, nachdem Nationalspieler Lukas Podolski in der 28. Minute vor der Ausführung einer Ecke von einem Ein-Cent-Stück unterhalb des Auges getroffen worden. Die Münze wurde aus dem Mainzer Fanblock geworfen. Nach einer kurzen Spielunterbrechung wurde die Partie fortgesetzt. Der Mainzer Manager entschuldigte und bedankte sich noch auf dem Platz bei Podolski. Hätte sich der Nationalspieler verletzt auswechseln lassen, hätte ein möglicher Protest der Kölner gegen die Spielwertung Aussichten auf Erfolg gehabt. „Riesenkompliment an Lukas, dass er nicht liegengeblieben ist. Ich entschuldige mich bei ihm und dem FC“, so Heidel.

Gegen solche Attacken helfen weder personalisierte Tickets noch Gesichtsscanner und auch keine Stehplatz-Verbote. Was helfen könnte, ist eine bessere Selbstkontrolle der Fans und eine positivere Betrachtung der Ultra-Szene, schließlich sind sie die Hauptträger der Fanszene, sorgen für die entsprechende Stimmung im Stadion und binden mit der Planung und Durchführung von Choreografien junge Menschen ein. Der falsche Kreislauf, öffentliche Aufmerksamkeit gibt es nur, wenn es Ausschreitungen gibt und nicht wenn etwas Positives organisiert wird, muss durchbrochen werden. Dass Ultras auch Gelder für Kinderkliniken sammeln oder Plätzchen für einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt backen passt scheinbar nicht ins öffentliche Bild.

Stattdessen wird auf gewaltige Worte gesetzt. Der Deutsche Fußball würde immer brutaler werden. Über 800 Verletzte bei 612 Spielen und 17 Millionen Besuchern. Damit wir uns nicht falsch verstehen, jeder Verletzte ist einer zu viel. Aber fordert irgendwer die „Gewalttäterdatei Oktoberfest“, weil es beim weltgrößten Volksfest (sieben Millionen Besucher in zwei Wochen) fast 400 leichte und über 150 schwere Körperverletzungen gab? Eine reine Diskussion um Alkoholverbote in Stadien, Ausweitung von Stadionverboten und Pyrotechnik vergibt die Chance die zivilgesellschaftlichen Potenziale zu nutzen, die in der organisierten Fankultur des Fußballs liegen. Die meisten, auch der organisierten Fans, sind – nicht anders als die meisten Oktoberfestbesucher – friedliche Fußballanhänger.

Fakt ist: Bundesliga-Stadien sind keine „No-Go-Areas“. Bei aller berechtigten Sorge um die Sicherheit, ist Panikmache völlig fehl am Platz. Sowohl die Clubs – wie der FSV Mainz 05 in dieser Woche, als auch die organisierten Fans und die Politik müssen die positiven Kräfte der organisierten Fans ernst nehmen, stärken und deutlich klar machen: Gewalttäter haben auf dem Sportplatz und im Stadion nichts zu suchen.

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