Danke Jungs!

Herzlichen Glückwunsch. Die deutsche Fußballnationalmannschaft hat das Spiel gegen Uruguay gewonnen und fährt als WM-Dritter nach Hause.

„Högschdes Niveau“: moderner Fußball, technisch brillant

Das Team von Bundestrainer Joachim Löw spielt einen unbekümmerten und zugleich sehr abgeklärten Fußball auf höchstem Niveau. Der Gegner wird früh gestört, der eigene Spielaufbau wird wie am Reißbrett aufgezogen und die gegnerische Abwehr durch sicheren Kombinationsfußball gekonnt ausgehebelt. Nach dem in der Höhe überraschenden 4:1-Erfolg im Achtelfinale gegen England steigerte sich die deutsche Mannschaft gegen Argentinien noch einmal. Dabei zeigtenalle Spieler beim 4:0 gegen Messi & Co eine herausragende Leistung. Nie zuvor habe ich eine so erfolgreich spielende deutsche Fußballnationalmannschaft erlebt. Durch die Art und Weise ihres Spiels hat diese Mannschaft unzählige Fans aus Deutschland und den Rest der Welt begeistert.

Die DFB-Elf zeigt die neue deutsche Lässigkeit, spielt mannschaftlich geschlossen und ist bunter gemischt als jedes andere Team der Weltmeisterschaft in Südafrika.

Teamgeist: ein neuer Kapitän mit flachen Hierarchien.

Durch den Ausfall von Michael Ballack hat sich das Team verändert. Philipp Lahm führte als Kapitän durch die WM. Er ist ein anderer Kapitän. Lahm schlägt ruhige Töne an.

“Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich besser, wenn die Hierarchie flach ist. Wenn jemand ausfallen sollte, ist das besser zu verkraften. Ich muss auf dem Platz meine Leistung bringen, will sympathisch und kommunikativ sein. Das möchte ich den anderen gegenüber vermitteln.”

Sympathische und bescheidene Worte von Philipp Lahm, der sich durch seine Einstellung von früheren DFB-Kapitänen abhebt. Er ist kein Kapitän vom Typ eines Beckenbauers, Matthäuses, Kahns und eben auch anders als Leitwolf Ballack. Lahm treibt die Mannschaft auf dem Platz nach vorne, sorgt für einen fließenden Übergang von Defensiv- auf Offensivspiel und steht für Teamgeist. Er steht nicht über seinen Kollegen, sondern mit ihnen auf dem Platz.

„Seitdem ich Nationalspieler bin, habe ich noch in keiner DFB-Auswahl gespielt, die über so eine hohe Qualität verfügt wie diese hier. Wir haben mehr Selbstvertrauen als 2006.“

Lahms Statement klang vor der WM nach Mutmacherei. Nach der WM wissen wir, dass Lahm kein Mutmacher ist sondern von der Stärke des DFB-Teams überzeugt ist und Chancen auf einen erfolgreichen Turnierverlauf realistisch eingeschätzt hat.

Jugendförderung: Die Basis des Erfolgs

Der deutsche Siegeszug in Südafrika überrascht nur auf den ersten Blick. Um die neuen Routiniers Lahm und Schweinsteiger (beide sind erst 26 und 25 Jahre alt, haben zusammen aber schon über 140 Mal für Deutschland gespielt) wächst eine Mannschaft heran, die einen modernen Fußball spielt. Der Erfolg ist die Konsequenz aus einem notwendigen Kurswechsel nach dem katastrophalen EM-Aus im Jahr 2000: Tabellenletzter in der Gruppe, kein Spiel gewonnen und von einem portugiesischen Ersatzteam 3:0 vorgeführt. Der Deutsche Fußball-Bund hat sich gewandelt und ein neues Förderungsprogramm ins Leben gerufen. Zahlreiche Eliteschulen, hunderte regionale DFB-Stützpunkte und Leistungszentren in allen Teilen des Landes bilden heute ein engmaschiges Netz. Seit dem Jahr 2005 ist es Lizenzbedingung für Bundesligavereine, eigene Nachwuchszentren zu betreiben.

Das Nationalteam ist so heterogen besetzt wie noch nie – nicht weniger als zwölf der 23 Spieler haben einen Migrationshintergrund. Bei näherer Betrachtung jedoch stellt sich heraus, dass dies keine eine ungleichmäßige Truppe mit verschiedenartigsten Einflüssen ist. Im Gegenteil. Bis auf den gebürtigen Brasilianer Cacau haben alle Spieler die modernen Leistungszentren der Bundesligisten durchlaufen und sind dort so gut ausgebildet worden wie keine Generation vor ihr.

Mit Talent und Klasse spielte sich zum Beispiel Thomas Müller ins internationale Rampenlicht. Mit 5 WM-Tore und 3 Vorlagen hat er aufgrund der Vorlagen den “Goldenen Schuh”, die Auszeichnung für den besten Torjäger, vor den torgleichen David Villa (Spanien) und Wesley Sneijder (Niederlande) erhalten. Sein Auftreten und seine Leistung machen ihn in Zukunft zu einem wichtigen Teil des neuen deutschen Jugendstils: Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil – haben bereits im vergangenen Jahr zusammen mit Marko Marin und Dennis Aogo gemeinsam die U21-Europameisterschaft gewonnen. Der Erfolg bei der WM in Südafrika hat das Team nun weiter zusammengeschweißt. Die Spieler wissen wie man Pokale gewinnt. Sie haben den Traum vom vierten deutschen Stern auf der Brust.

Gute Nachwuchsarbeit alleine ist allerdings keine Garantie für Titel im Seniorenbereich. Hochbegabung die Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg, reicht aber heute alleine nicht mehr aus. Die Nachwuchsförderung und die Seniorenteams müssen Hand in Hand arbeiten. Der DFB hat eine einheitliche Spielphilosophie, von den Jugendauswahlmannschaften bis zur A-Nationalmannschaft installiert. Ballkontrolle, kreatives Spiel, variables Positionsspiel und ein kombinationssicheres Offensivspiel stehen ganz oben auf der Agenda.

Buntes Team: Vorbild für Wirtschaft, Gesellschaft & Politik

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist das Abbild einer modernen weltoffenen Gesellschaft im 21. Jahrhundert. Unsere Spieler haben Wurzeln in Nigeria, Tunesien oder Ghana, sind in Polen, Bosnien oder Brasilien geboren, oder hätten ebenso für die Türkei oder Spanien auflaufen dürfen, haben sich aber für Deutschland entschieden. Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist zu einem Team geworden, wie es sich bei jeder Pause auf einem Schulhof in Deutschland zusammenfindet: eine bunte Mannschaft mit viel Spaß. Was zählt ist auf dem Platz. Es ist nicht verwunderlich, dass in manchen Berliner Bezirken sieben von zehn Käufern des deutschen Nationaltrikots sich den Namen Özil aufdrucken lassen. Auf den anderen steht Khedira, Boateng oder Podolski.

Der Fußball macht vor, was Wirtschaft, Politik und Wissenschaft noch vor sich haben: Sie müssen Blockaden aufbrechen und Türen für Migranten öffnen – auch in den oberen Etagen und Spitzenpositionen. Ob Sprachkenntnisse, Kreativität, soziale Kompetenz oder Risikobereitschaft: Wirtschaft und Gesellschaft ignorieren noch viel zu häufig die Potenziale von Migrantinnen und Migranten.

„Jeder läuft für den anderen“ war wohl der meistgesagte Satz der DFB-Spieler auf den täglichen Pressekonferenzen. Ein guter Satz!

Edit: 12.07.10 Villa (Spanien) und Sneijder (Niederlande) haben im WM-Finale nicht getroffen. Der “Goldene Schuh” geht somit an Thomas Müller mit 5 Toren und 3 Vorlagen.

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