Deutschland ist schon lange ein Einwanderungsland. Seit den 1950er Jahren ist durch die Einstellung der ersten „Gastarbeiter“ in Industriebetrieben die Zahl der Migrantinnen und Migranten stetig angestiegen. Heute leben bereits über 7 Millionen Ausländer, also Menschen ohne deutschen Pass, in der Bundesrepublik. Der Anteil von Menschen mit „Migrationshintergrund“, die einen deutschen Pass besitzen, aber im Ausland geboren sind oder von zugewanderten Eltern abstammen, ist doppelt so hoch. In Europa sind es über 65 Millionen Menschen, die in einem Land leben, in dem sie nicht geboren wurden.

Die Zuwanderungsdebatte war in Deutschland lange Jahre von Ablehnung geprägt und machte so eine sachliche Diskussion der Einwanderungspolitik unmöglich. Die konstante Entwicklung der Migration in Deutschland stellt die Devise „Wir sind kein Einwanderungsland“, die bis an die Jahrtausendgrenze die Wahrnehmung der bundesdeutschen Politik bestimmt hat, ordentlich auf den Kopf. Bei der Einwanderung nimmt Deutschland einen vorderen Platz ein: Nach den USA leben in Deutschland in absoluten Zahlen gemessen weltweit die meisten Migrantinnen und Migranten. In den vergangenen Jahren war die Migration nach Deutschland allerdings sehr gering. Lässt man Personen mit befristetem Aufenthaltsstatus unberücksichtigt, dann sind innerhalb der OECD bezogen auf die Gesamtbevölkerung nur nach Japan und Portugal weniger Menschen zugewandert.

Anders als die USA, die sich als „melting pot“ begreifen, wo jede Einwanderin und jeder Einwanderer prinzipiell eine Chance erhält, ist die Migrationsbilanz in Deutschland nicht von großem Erfolg gekrönt. Während in den USA Migrantinnen und Migranten mit einer besonderen Dynamik zur Wirtschaftskraft beitragen und die Wissensgesellschaft bereichern, profitiert Deutschland von einem großen Teil seiner Bevölkerung nicht so, wie es möglich wäre. Wir verschwenden ein großes Potenzial menschlicher Fähigkeiten. Ein immer größer werdender Teil der nach Deutschland zugewanderten Menschen lebt in problematischen Verhältnissen. Eine überdurchschnittlich hohe Zahl von ihnen ist auf staatliche Unterstützung angewiesen und kann nicht wie von beiden Seiten gewünscht am gesellschaftlichen leben partizipieren.

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