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Deutschlands Olympiamannschaft auf Twitter in Sochi

Olympiasiege, verpasste Medaillen oder Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung? Die olympischen Winterspiele im russischen Sochi sorgten in den vergangenen Wochen für Diskussionen. Ganz klassisch beim gemeinsamen fernsehen, beim Gespräch in der Mittagspause, aber eben auch immer mehr im Internet.

Beim Slalom eingefädelt, Gold im Schlussspurt, die richtige Haltung im Eiskanal? Auf Twitter fiebern Fans mit den Sportlern, freuen sich über Erfolge und tauschen sich über verpasste Medaillen und Taktiken aus.

Deutsche Athleten tun sich schwer mit Twitter

Der Deutsche Olympische Sportbund hat dazu (mit einigen Anlaufschwierigkeiten) eine App programmiert. Die Olympia-Fans sollen sich das Programm auf ihre iPhones und Android-Geräte laden, um „immer und überall“ dabei zu sein und „hinter die Kulissen“ zu blicken, „wenn es um mehr geht als Gold, Silber und Bronze“. Athleten sind deshalb sogar angehalten unter dem Hashtag #WirfuerD zu twittern.

Wirklich ausgeprägt ist das Interesse der deutschen Wintersportler an der 140-Zeichen-Kommunikation nicht. Nur 33 der 153, also gerade 21% der deutschen Winterolympioniken twitterten  in Sochi. Vor den Spielen kamen sie auf zusammen auf 68.399 Follower, am Tag der Schlussfeier kommen die 33 Athleten immerhin auf fast 100.000 Follower.

Deutschlands  Twitter-Star: @Maria

Mehr als die Hälfte davon entfallen allerdings auf Triple-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch (54.768), die während der Spiele neben Gold in der Super-Kombination und Silber im Super-G auch noch 9.000 neue Anhänger gewinnen konnte. Hinter dem Ski-Superstar folgen mit überdeutlichem Abstand Skisprung-Olympiasieger Severin Freund mit 8.524 Follower (+2.213) und Silber-Biathlet Simon Schempp mit 5.502 Follower (+2.427). Rodel-Olympiasieger Felix Loch und Gold-Kombinierer Eric Frentzel, immerhin beide aktive Twitterer, kommen nicht auf über 4.000 Follower.

Twitter für Self Marketing nutzen

Dabei bietet Twitter gerade in Zeiten, in denen der Kampf um Unterstützung und Sponsoren immer härter wird, für Athleten von weniger bekannteren Sportarten die Chance sich mit Fans zu vernetzen und so potentiellen Geldgebern gute Argumente für eine Unterstützung zu liefern.

Sportler aus anderen Ländern haben das längst erkannt. Mit ihrer Kommunikation im Netz machen sie sich unabhängiger von klassischen Sportmedien. Ein schönes Beispiel dafür ist der niederländische Eisschnellläufer Sven Kramer, der seine Follower nicht nur regelmäßig informiert sondern auch in den Dialog mit ihnen einsteigt.

1 Mal Silber, 4 goldige Welpen und 100.000 Follower

Hätte es eine Twitter-Wettbewerb in Sochi gegeben, US-Bobfahrer Johnny Quinn wäre ein heißer Medaillen-Kandidat. Weil die Tür des Badezimmers klemmte rammte mit voller Wucht gegen sie.

Ergebnis: ein großes Loch, fast 3.000 Retweets und 10.000 Follower mehr. Im Bob lief es mit Platz 11 und 12 leider nicht besser.

Gold hätte Gus Kenworthy für seine Welpen gewonnen. Der Slopestyler entdeckte vier streunende Welpen und ihre Mama in der Nähe des Medienzentrums, verpasste für sie seinen Rückflug, weil er noch Papiere für die Hunde benötigte, um sie mit in die USA zu nehmen.

Ergebnis: ein Mal Olympia-Silber, vier goldige Welpen, tausende Retweets und 100.000 Follower mehr.

Anstatt mit positiven Beispielen zu werben, die Chancen der Netz-Kommunikation herauszustellen und durch Beratung die Twitter-Performance zu verbessern, warnt der DOSB die Athleten in einem merkwürdigen Leitfaden. Sportler sollen den Sport nicht vergessen, die Bildzeitung im Hinterkopf behalten und private Dinge von Twitter fern halten.

Deutsche Twitter-Medallien

Gut, dass Maria Höfl-Riesch, Eric Frentzel, Felix Loch und Severin Freund und Co zeigen, dass sich Netz-Kommunikation und olympisches Edelmetall nicht ausschließen:


17 Kommentare

  1. Ich sehe nicht, dass der DOSB hier grundlegende Fehler macht. Social Media ist ja nunmal nicht der Hauptzweck eines Sportlers. Da finde ich Guidelines, Tipps & Tricks für die Nutzung etc. genau richtig. Das machen seriös arbeitende Unternehmen mit ihren Mitarbeitern schließlich auch.

    Und: warum sollten deutsche Sportler zur Twitternutzung „verdonnert“ werden. Die Nutzung in der deutschen Gesamtbevölkerung ist doch nun mal auch im Vergleich zu anderen Ländern deutlich unterrepräsentiert. Da würde ich sagen, dass 21% sogar ein eher hoher Wert sind.

    Für mich gesprochen wäre Maria Höfl-Riesch auch nicht unbedingt Vorbild – mir ist das ein bisschen zu viel professionelle Selbstvermarktung, natürlich Sympathie kann da auch mal schnell verloren gehen.

    • Daniel Mack says:

      Hier geht’s nicht ums verdonnern. Chancen und Potentiale werden verschenkt.

      Ohne Vermarktung keine Sponsoren. Ohne Sponsoren keine besseren Bedingungen.

      Das Netz ist der einfachste Weg…

  2. Flo says:

    Man muss sich nur Herrn Behles eigenes Twitter-Profil anschauen. Dann versteht man alles………

  3. Mira says:

    Ich finds sau nervig, dass der DOSB jetzt auch noch in Daniels Blog schlechte Stimmung macht.

    Der Blogtext ist doch geil geschrieben. Es gibt Möglichkeiten der Verbesserung aber die Beispiele hier sind doch toll. Mach mal einen Leitfaden über Maria Riesch und was sie so twittert.

    Wie sich der DOSB an Daniel als Twitter-Experte abarbeitet ist affig!!

  4. Martin P says:

    Wieder mal ein cooler Text über Sport und Netz!!

  5. Jens Behler says:

    Tja Daniel, dieser Text zeigt mal wieder, dass du es mit deiner „Recherche“ nicht so genau nimmst und Unwahrheiten verbreitest.

    Ich selbst habe u.a. den Eisschnellläufern und Snowboardern Seminare zum Thema Social Media gegeben. Und klar ist es unsere Aufgabe als DOSB vor den Gefahren zu warnen, das hat uns die Vergabgebheit gelehrt, genauso wie wir die Athleten aber auch ermutigen diese Kanäle zu nutzen. Daher haben wir einen Social Hub gebaut für Webseite und App, wo die sozialen Kanäle der Sportler reinlaufen. Daher pflegen wir auch einen regen Austausch mit den Plattformen selber, so dass wir unsere Sportler auch in dieser Richtung bestmöglich vertreten.

    Und wir nehmen die Beratung der Athleten auch so weit ernst, dass wir ihnen Twitter natürlich vorstellen und die Möglichkeiten aufzeigen, ihnen aber auch eher Facebook empfehlen, da dort einfach in Deutschland viel mehr Fans zu finden sind. Das ist in anderen Ländern wie USA und GB anders, daher ist auch die Nutzung der Netzwerke anders. Das sollte man, wenn man wie du von Selbstvermarktung spricht, auch erwähnen, finde ich.

    Aber gut, schreib du nur weiter einfach drauf los.

    Grüße
    Jens Behler (Referent Online-Kommunikation)

    • Thomas says:

      Hallo Herr Behler,

      habe die Zahlen gerade gecheckt und muss sagen, dass das schon alles stimmt. Wäre aber schön, wenn Herr Mack hier mal eine Tabelle aufführen würde und alle Zahlen der Sportler gegenüber stellen würde. Wirbt der DOSB denn nicht selbst in zahlreichen Lektüren, die auch bei Bahn und Lufthansa ausliegen mit dem Twitter-Tag #WirfuerD oder habe ich mich da vorhin in der Hamburger Bahn-Lounge getäuscht?

      Sie machen doch selbst so ein rießen Bohai um ihre Tweets. Dann dürfen Sie sich auch nicht beschweren, wenn da mal jemand genauer hinschaut und analysiert und bewertet. Vielleicht sollte sich der DOSB mal mit Herrn Höfel, dem Mann von Frau Höfel-Riesch zusammensetzen und nachfragen wieso sie über 50.000 Follower hat und was er genau macht.

      Ich bin selbst Marketing-Manager und berate seit Jahren kleinere Unternehmen und kann gut verstehen, wie sehr sie sich von Herrn Mack genervt fühlen, weil er Ihnen zeigt wie schwach das ist. Sie könnten sich das aber auch mal durchlesen und schauen, ob Sie was verbessern können.

      Ich rufe Sie kommende Woche mal in ihrem Frankfurter Büro an.

      Besten Gruß

    • Flo says:

      Ach warnt ihr auch vor Fernseh-Interivews?

      Spaß beiseite. Ihr versucht das Pferd von hinten aufzuzäumen und vergesst dabei einen neutraleren Blick einzunehmen. Euer Leitfaden wirkt wirklich wie „lass besser sein“.

      • Jens Behler says:

        Neben dem Leitfaden, gibt es aber auf unserer Webseite auch einen Leitfaden rund um die digitale Kommunikation sowie ein Twitter How to und ein Facebook How To. Das sind also 3 Dokumente, wo wir Hilfe anbieten und die Chancen herausstellen zu einem Dokument mit den Risiken. Ich finde, dass ist auch ein Statement in Sachen digitale Kommunikation.

        • Martin P says:

          Hier gehts doch um die Werte und die Entwicklung…

          Was nutzen die Dateien, wenn sie offenbar keiner liest? Ohje, DOSB!

        • Flo says:

          Und was sagen Sie hierzu, Herr Behler?
          http://www.welt.de/sport/article124518093/So-streng-ist-die-Social-Media-Zensur-in-Sotschi.html
          Sie verlinken diese Regularien des IOC zu Social Media ja auch. Also sind es nun 4 Dokumente. Ich verstehe, dass die Sportler es dann lieber lassen, anstatt sich auf Glatteis zu begeben. Die Debatte hier zeigt aber auch, wie sehr es den Verbänden an Experten in diesem Bereich mangelt.

          • Jens Behler says:

            Dazu sage ich, dass die aktiven Twitterati aus der deutschen Mannschaft, genau so wie die internationalen Sportstars, aber auch die Journalisten, in Sotschi gezeigt haben, dass es trotz der notwendigen Regularien wunderbar funktioniert. Das schreibt ja Daniel auch.

          • Daniel Mack says:

            Naja. Habe schon 2012 geschrieben, dass die Guidelines des DOSB und des IOC nicht praktikabel und umsetzbar sind.

    • Daniel Mack says:

      Lieber Jens,
      ich habe die Twitter-Daten am Tag vor der Eröffnungsfeier und heute Mittag um 14.00 Uhr erhoben. Felix Lochs Sieger-Tweet (https://twitter.com/FelixLoch/status/432647412776468480) ist ein schönes Beispiel für die Selbstvermarktung. Nicht nur, dass er mit seinen 66 Retweets eine wesentlich höhere Reichweite erzielt hat als mit seiner Facebook-Page, der Tweet wurde auch von zahlreichen Online-Medien direkt eingebunden. Facebook-Postings werden hingegen nicht eingebunden. Trotzdem kann auch Facebook für Sportler Sinn machen.

      Gut, dass Du Vorträge dazu hälst. Viel Erfolg dabei!

      Daniel

      • Jens Behler says:

        Hey Daniel,

        ich habe ja auch nie deine erhobenen Zahlen kritisiert. Mir ging es nur darum, dass du schreibst:

        „Anstatt mit positiven Beispielen zu werben, die Chancen der Netz-Kommunikation herauszustellen und durch Beratung die Twitter-Performance zu verbessern, warnt der DOSB die Athleten in einem merkwürdigen Leitfaden.“

        Und das stimmt einfach nicht. Es ist frei erfunden und nicht die Wahrheit. Du behauptest das einfach ohne bei uns nachzufragen. So geht das einfach nicht.

        Wir beraten, wir geben Tipps, wir binden die Tweets der Sportler ein, heben sie hervor und wir freuen uns über jeden aktiven Sportler auf Twitter. Wir zwingen aber auch niemanden Twitter zu nutzen. Das ist ja zum Glück jedem selbst überlassen. Und wir müssen eben auch über die Risiken aufklären. Das wird von uns seitens der Verbände auch verlangt.

        So einfach ist das, oder eben auch nicht ;-)

  6. Nicolai says:

    Beim Thema Netzpolitik und Sport versteh ich Dich echt nicht. Dein Beispiel mit der App hat doch schon gezeigt, dass die es vom DOSB nicht können oder wollen. Wobei sie es ja schon versuchen. Irgendwie klappt es aber nicht. Mir tut es halt Leid um die Sportler, denen da echt Chancen verloren gehen.

    Bau Du doch mal einen Leitfaden auf und mach die Sportler fit. Wäre ja doof, wenn es weiter solche Beschränkungen gibt und die Sportler dann eher gar nichts machen, als es vielleicht mal auf Twitter versuchen.

    So long,

    Nico

  7. Dennis says:

    Schöne Geschichte. Sag mal, mach Du doch die Beratung für die Sportler. Ich mein, wenn die Verbände es nicht hin bekommen…

    Ist aber typisch für deutsche Organisationen, dass man erstmal alle Gefahren auflistet, bis die Leute schon nach der Hälfte vom Text keine Lust mehr haben und neue Sachen erst gar nicht probieren.

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