Die Macht von 140 Zeichen und die Grenzen des Netzes

Kaminski, Frank: Die Macht von 140 Zeichen und die Grenzen des Netzes In: Gelnhäuser Tageblatt (GT) Nr. 295 vom 18.12.2010 S. 24

Kommunalpolitik 2.0: Kavai, Mack und Zeller im Streitgespräch über digitale Chancen, banales Gezwitscher und zeitlose Vier-Augengespräche

von Frank Kaminski (Gelnhausen)

Wie nutzen Kommunalpolitiker das Internet und dessen Dienste? Zu welchem Zweck und mit welchem Erfolg? Geht es überhaupt noch ohne? Welchen Einfluss haben Twitter, Facebook oder Blogs auf die Qualität einer Debatte? Und wie könnte eine Kommunalpolitik, die das Internet einbezieht, aussehen? André Kavai (SPD- Kreisvorsitzender), Tom Zeller (CDU-Kreisvorsitzender) und Daniel Mack (Grüne) haben sich in der GT-Redaktion an einen Tisch gesetzt und über diese Fragen debattiert.

GT: Wofür braucht Kommunalpolitik das Netz und seine Dienste?

Mack: “Gegenfrage: Geht es überhaupt noch ohne das Netz und seine Dienste? Es gibt ja jetzt schon mehr Handys in Deutschland, als es Menschen gibt. Ich glaube, dass jemand ohne Internet gar nicht mehr richtig teilhaben kann.”

Zeller: “Sicher geht es noch ohne Netz. Aber die Frage ist doch, was die Zukunft ist. Die junge Generation bewegt sich im Netz, wie ein Fisch im Wasser. Das ist die Zukunft der Kommunikation. Und da Politik nun einmal zum großen Teil Kommunikation ist, wird auch diese im Netz stattfinden.”

Kavai: “Die Digitalität ist für mich ein weiterer Transmitter von Ideen, von Konzepten und von Inhalten. Es ist unstrittig, dass das Internet eine ganz besondere Bedeutung erfahren hat. Aber für mich ist vielmehr die Frage: Wie viel Qualität lässt die Kommunikation zu? Wie viel Tiefgründigkeit? Wir haben das Zeitalter der einfachen Probleme und der einfachen Lösungen schon viele Jahre hinter uns. Komplexen Problemen kann man aber nicht mit einfachen Antworten begegnen. Klar: In unserem beruflichen Alltag hat das Netz einen hohen Stellenwert, weil es eine Vereinfachung ist und auch mit Schnelligkeit zu tun hat. Aber man muss die Instrumente gut wählen.”

Zeller: “Neue Medien ersetzen ja nicht die alten Medien, sondern ergänzen sie. Ich gebe André Kavai recht: In 140 Zeichen, wie auf Twitter, kann man sicherlich kein Grundsatzprogramm der SPD oder der CDU entwickeln. Aber man kann für dieses Thema sensibilisieren. Und man kann Menschen darauf aufmerksam machen: ,Hallo, da gibt es was’. Diese Art der Kommunikation ist eine Chance.”

Mack: “In spätestens zwei Jahren werden wir Handys haben, die permanent im Internet sind. Dann heißt die Frage nicht: Wann bin ich online? Sondern: Wann bin ich offline? Die Art, Menschen im Netz zu begegnen, finde ich eine spannende und einfache Sache. Wenn Parteien im Internet auf verschiedenen Plattformen vertreten sind, kann man das so ein bisschen mit einem 24- Stunden-Wahlkampfstand vergleichen, den ich erreichen kann, wenn ich ihn erreichen möchte. Wir kennen doch alle die Situation, wenn wir Flyer verteilen: die Hälfte der Leute wirft sie doch weg. Abgesehen davon, dass es Papierverschwendung ist: es belästigt die Leute vielleicht auch. Wenn die Leute heute Fragen haben, gehen sie ins Internet.”

Zeller: “Da gibt es Unterschiede. Die allergrößte Erlebbarkeit von Politik ist eben am Wahlkampfstand, bei den Stammtischen, bei den Vereinen. Und dort wird heute noch zum allergrößten Teil Politik gemacht und dort wird auch in Zukunft noch Politik gemacht.”

Mack: “Mir wurde schon anStammtischen erklärt, dass, wenn man einem Menschen gegenübersitzt und mit Mimik und Gestik agiert, das etwas Manipulatives sei. Wir sollten es deshalb lassen und nur noch im Internet kommunizieren, wo Buchstaben auf Buchstaben treffen. Naja, das ist nicht die Art, wie ich mir Politik vorstelle. Ich will wissen: Wie erreiche ich die Wähler oder die Multiplikatoren? Und wie kann ich etwas dazu beitragen, etwas zu verändern? Und das Internet macht die Sache ein Stück transparenter. Man sieht, was der Einzelne macht. Und es gehört eben auch dazu, mal ein Bild von einer Party zu posten und auch mal seiner eigenen Partei zu widersprechen.”

Kavai: “Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde gefragt, wie er das Internet beurteilt. Er sieht die Gefahr, dass die Kommunikation abflacht, verkürzt wird, verroht. Und das kann auch ich an vielen Stellen beobachten. Alleine schon der Medienwechsel zwischen einem Brief und einer E-Mail bedeutet Welten. Das fängt bei der Anrede an und wird im Stil der Formulierung weiter fortgesetzt. Der nächste Medienwechsel, der nun stattfindet, trägt noch mal dazu bei, dass sämtliche Schranken offensichtlich fallen. Weil viele glauben, dass das Internet ein rechtsfreier Raum ist, etwas Anarchisches, wo jeder machen kann, was er möchte. Da werden Grenzen schneller überschritten – diese Beobachtung ist wohl unstrittig. Wenn ich mir diese Twitter-Meldungen ansehe, frage ich mich: Was wurde denn da bewegt? Was wurde denn da konstruktiv, inhaltlich zu einem Problem beigetragen? Die Nachrichten, die ich kenne, sind einfach nur belanglos. Und was hat denn das mit Ernsthaftigkeit oder Problemlösungskompetenz zu tun, wenn Leute sich darüber austauschen, wie kalt es auf dem Weihnachtsmarkt ist, den sie gerade besucht haben, oder dass die S-Bahn, in der sie sitzen, acht Minuten Verspätung hat? Das ist nicht meine Welt, sorry!”

Mack: “Sie bringen Beispiele, die absolut zutreffen. Aber es gibt auch viele Politiker, die sich über andere Dinge austauschen. Da geht es um den Mindestlohn, den Ausbau der erneuerbaren Energien, darum, wie ich die Gesellschaft verändern kann. Und die Beschränkung auf 140 Zeichen macht das Ganze ja auch ein Stück weit interessant. Und wenn ich mir im Kreistag des Main-Kinzig-Kreises die Reden anhöre, dann stelle ich oft fest: So eine 140-Zeichen-Begrenzung würde dem ein oder anderen auch mal ganz gut tun. Außerdem: Auf Twitter kann ich die Leute an- und abschalten. Und da kriegt man auch ein Feedback: Ist das wirklich Müll, was ich schreibe, dann will es keiner lesen. Und wenn es kein Müll ist, dann wollen es mehr lesen. So einfach ist das.”

Zeller: “Wir müssen unterscheiden. Das eine ist die Frage von Kommunikation von Politik, das andere die Frage von Substanz von Politik. Und ich glaube, diese Ebenen sind auch bei Ihnen, Herr Mack, schon sehr durcheinander gelaufen: Sie können nun mal nicht im Kreistag den Fraktionsvorsitzenden der SPD, der CDU, der FDP wegdrücken oder auf gesperrt setzen.”

Mack: “Das will ich auch nicht.”

Zeller: “Dafür ist der Kreistag das gewählte Parlament und die demokratische Institution, die Entscheidungen verbindlich für die Bürger des Kreises zu treffen hat. Und da ist Transparenz das Entscheidende und da ist es gut, dass man nicht auf `Wegdrücken’ klicken kann. Das wichtigere Thema ist aber das Hinhören, das Ernstnehmen von Menschen. Denn ich habe den Eindruck, dass die Menschen das Gefühl haben, von der Politik nicht immer ernst genommen zu werden. Und ich denke, dass das Internet ein Medium ist, um den Menschen dieses Gefühl ein Stück weit zu nehmen. Weil sie direkt adressieren können und weil Transparenz hergestellt wird.”

Kavai: “Und real ist es dann so, dass eine Enttäuschungskultur produziert wird. Es gibt keine Entscheidung, die zurückzuführen ist auf irgendeinen Twitterkram. Man suggeriert dem Bürger Partizipation, Mitbestimmung, Beteiligung. Aber am Ende hat noch keiner eine Antwort, wie man in einer repräsentativen Demokratie weitere Beteiligungsformen für die Menschen konkret umsetzen kann. Denn: Die Fraktionen im Kreistag entscheiden über konkrete Vorlagen. Ob da jetzt einer getwittert hat oder nicht, spielt doch überhaupt keine Rolle, das ist doch vollkommen irrelevant. Man sollte also nicht den Eindruck erwecken, hier wird ein weiteres Beteiligungsinstrument geschaffen.”

Mack: “Sie sprechen gerade über das Internet, wie Sarrazin über die Migranten: Als ob man es abschalten müsste! Natürlich wird man mit einem Tweet wie beim Peter Tauber nicht die Welt verändern. Aber schauen Sie doch mal, was im Iran passiert ist. Die Transparenz, die da hergestellt wurde über dieses Regime.”

Kavai: “So weit ich weiß, ist dieses Regime noch an der Macht.”

Mack: “Das kriegt man auch mit 140 Zeichen nicht weg.”

Kavai: “Aber mich interessiert, was am Ende real dabei herauskommt. Ich habe mir doch mal den ganzen Krempel angeschaut und geprüft, wie essenziell das ist. Wenn da bei Ihnen steht: `So Leute, Stiefel raus, heute kommt der Nikolaus’ – Glückwunsch! Also darauf hat die Welt gewartet. Was ist denn das für ein Niveau? Das bringt doch niemandem etwas, das ist doch Kindergarten.”

Mack: “Man ist ja nicht nur als Politiker auf Twitter. Zum Beispiel Ihr Fraktionsvorsitzender Rainer Krätschmer aus Wächtersbach. Der ist ja nicht nur als Politiker dabei, sondern auch als Privatperson. Ich bin doch nicht immer zu 100 Prozent als Politiker unterwegs.”

Zeller: “Naja, in so einem Medium ist man nicht nur Privatperson. Man steht auch immer ein Stück weit für die politische Person. Und da muss eben jeder selber entscheiden, mit was er in Verbindung gebracht werden will. Aber ich glaube, dass das Internet auch Chancen bietet zur Bürgerbeteiligung.”

Kavai: “Selbstverständlich.”

Zeller: “Sie haben vorhin gesagt, dass noch keine Entscheidung im Main-Kinzig-Kreis durch das Internet beeinflusst wurde. Das stimmt. Aber wir sollten Formen finden, die der neuen Realität auch Rechnung tragen. Ein Beispiel: Mich hat über Facebook eine Bürgerin angeschrieben mit einem Problem, das ich lösen konnte. Diese Frau hätte mich nicht auf der Straße angesprochen oder angerufen oder auch keine Sms geschickt.”

Kavai: “Schauen Sie mal, wie viele Kommunikationskanäle wir jeden Tag bedienen und abfragen müssen. Erstens – und das ist das Allerwichtigste und das wird auch in den nächsten 400 Jahren so bleiben, da kann kommen, was will – ist das persönliche Gespräch. Das wird niemals zu ersetzen sein!”

Zeller: “Gott sei Dank.”

Kavai: “Der zweite Punkte: Du hast Telefon. Du hast ein Handy, da sind wir bei Medium Nummer drei. Die meisten Büros haben immer noch ein Fax – Medium vier. Eine dienstliche E-Mail-Adresse, Medium fünf. Eine private E-Mail-Adresse, Medium sechs. Vielleicht gibt es Leute, die noch ein Zweithandy haben. Dann der gute alte Brief, da sind wir beim achten Medium. Dann sind wir bei dem Thema Facebook und so weiter. Da sind ungefähr zehn oder elf Kommunikationskanäle, die auf uns einprasseln. Und das Internet hat als Beschleuniger von Kommunikation einen ganz großen Stellenwert. Aber je mehr Kanäle man aufmacht, desto mehr kommt rein.”

Zeller: “Sorry, aber dafür sind wir auch ein Stück weit gewählt. Dafür, dass wir auf den Kommunikationskanälen präsent sind.”

Kavai: “Aber meine These ist an dieser Stelle: Wie immer im Leben, ist auch hier weniger mehr. Leute, die den ganzen Tag kommunizieren, die haben doch keine Zeit zu arbeiten. Wenn eine Firma wie Siemens dazu übergeht, am Freitag E-Mails zu verbieten, weil die Leute zugemüllt werden, weil wir zu viele Kanäle aufgemacht haben, weil es zu viel Kommunikation gibt und die Menschen vom Wesentlichen abgelenkt werden, dann ist etwas falsch.”

Mack: “Aber das macht man nicht mit Verboten! So regelt man das nicht. Dass die Kommunikation zunimmt, ist klar, aber ich muss immer selbst sagen, wie weit ich gehen will. Ich kann nicht unten an der Kinzigbrücke stehen und mich 30 Minuten mit jemandem unterhalten. Irgendwann muss ich das Gespräch auch abbrechen, dann kommt der Nächste. Die Frage ist: Wo begegne ich den Leuten und wo wollen die Leute mir begegnen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich im Internet präsent bin, mich die Leute auch suchen.”

Zeller: “Sind Sie sich sicher, dass die Person, die Daniel Mack googelt, nicht Daniel Mackt selbst ist?”

Mack: “Da bin ich mir ganz sicher. Aber ich stelle fest, dass das digitale Angebot bei Teilen der Politik ignoriert wird. Und ich sehe zum Beispiel Leute wie den Bürgermeister von Wächtersbach, der ja deutlich älter ist als Sie, Herr Kavai, der aber in dieser Sache wesentlich weiter ist. Er stellt sich der Diskussion und immerhin hat das dazu geführt, dass ich mich mit ihm zum Essen verabredet habe.”

Zeller: “Und das hätten Sie ohne Internet nicht hinbekommen?”

Kavai: “Und was hat das gebracht? Dass Sie beide satt werden, oder was? Das ist doch keine ernsthafte Kommunikation. Der Kern des eigentlichen Problems ist doch: E-mail suggeriert Schnelligkeit. Jetzt hat der Peter Tauber etwas gesagt, dem ich zu 100 Prozent zustimmen muss. Er sagt, wenn er eine E-Mail bekommt, dann bemüht er sich so rasch wie möglich um eine Antwort. So machen wir das alle. Aber: Wenn ein Fragekomplex weit ausgedehnt ist, kann er gar nicht rasch Antwort geben, weil er recherchieren muss. Und das bedeutet doch: Schnelligkeit ist vielen Problem- und Fragestellungen überhaupt nicht angemessen. Ich sehe die Gefahr, dass man Kommunikationskanäle öffnet, die man am Ende gar nicht adäquat bedienen kann. Man muss auch die Grenzen dieser Kommunikation sehen.”

Mack: “Also ich kenne keinen Politiker, der aufgrund der Kommunikation überfordert wäre. Und Fakt ist, dass die Vernetzung, die ja in der Politik auch wichtig ist, durch diese Kanäle zunimmt.”

Zeller: “Ich glaube, das, was im Internet passiert und was mit der jungen Generation passiert, ist irreversibel. Man muss überlegen, wie man das als politisch Verantwortlicher gestaltet. Aber es nützt nichts, wenn wir über die Symptome diskutieren und uns darüber austauschen, wie schlecht oder wie gut wir die finden. Das Thema ist durch in der jungen Generation. Wir müssen die Gestaltung von dieser Art von Kommunikation besprechen, denn das hat Auswirkungen in der Arbeitswelt und auch auf die Kommunalpolitik.”

Mack: “Ich finde es interessant, dass sie hier die junge Generation so betonen. Dabei ist das doch längst kein Thema mehr, das die Zukunft betrifft. Das ist total da, auch bei den älteren Menschen. Es gibt Dating-Netzwerke für 50plus.”

Zeller: “Da sind Sie auch dabei?”

Mack: “Nein, noch nicht. Aber zurück zum Punkt: Ich muss mir doch vor diesem Hintergrund überlegen, wie transparent die Kreispolitik eigentlich ist. Da gibt es kein Video und kein Audio, die Kreistagsvorlagen gibt es im Internet nur eingescannt. Da kann ich als Bürger nichts entnehmen und dann darf ich mich auch nicht wundern, dass bei den Sitzungen niemand sitzt – es sei denn, es kommen Azubis des MKK oder mal eine Schulklasse. Wenn ich keine Zeitung habe, dann weiß ich ja nicht mal, wie der Landrat heißt. Ich finde, das sollte man schon wissen.”

Kavai: “Das kann man wissen.”

Mack: “Trotzdem: Politik ist viel zu intransparent. Und durch Twitter und Facebook wird es eben offener.”

Kavai: “Aber wir haben einen Auftrag. Und der lautet, Politik verständlich zu transportieren und Unterschiede klar zu machen und wenn es geht, sogar zu begeistern, zu gewinnen. Und eine Diskussion – und ich rede von einer echten Debatte und keiner Gespensterdebatte – loszutreten, damit diese Unterschiede sichtbar werden. Die Menschen erwarten von uns eine gewisse Ernsthaftigkeit, sie erwarten Problemlösungskompetenz. Klar, mehr Beteiligung ist gut, aber wir brauchen da gute Lösungen.”

Mack: “Was ich bei Twitter erlebe, ist doch auch der Wunsch nach Einfachheit. Wenn du in 140 Zeichen erklärst, warum du für den Mindestlohn bist, was man durchaus kann, ist es meiner Meinung nach mehr wert, als wenn ich eine ganze Pressemitteilung verfasse.”

Kavai: “In einer komplexen Welt reichen 140 Zeichen nicht, um Probleme darzustellen und sie ernsthaft zu diskutieren. Wie will man da ernsthaft ein Thema setzen?”

Mack: “Indem man das auf seiner eigenen Internetseite macht. Wenn der Beitrag gut ist, dann wird er auch gelesen und über das Internet verteilt. Wichtig ist, dass man mit den Leuten in Dialog tritt und da müsste man eben auf der SPD- Seite die Kommentarfunktion freischalten. Interaktivität würde alle Parteien wieder in Schwung bringen.”

Zeller: “Das wird kommen. Ich glaube, dass wir in fünf Jahren Mittel und Wege gefunden haben, der interessierten Bürgerschaft, die sich online an der Kommunalpolitik beteiligen möchte, ein Forum zu geben.”

Mack: “Es wäre möglich, den Kreistag mit einer Bürgerfragestunde beginnen zu lassen und zwar on- und offline. Dafür müsste man übertragen, was stattfindet. In einer digitalen Gesellschaft, die wir jetzt schon haben, sollte auch der Politikstil digital sein. Außerdem ist es doch gut, immer sofort informiert zu sein. Zum Beispiel hier: Ich kann sofort sehen, was mit dem Wikileaks-Menschen, den sie vorhin freigelassen haben, los ist.”

Kavai: “Die Welt dreht sich auch weiter, wenn ich das nicht weiß.”

Mack: “Man hat aber keinen Nachteil, wenn man es weiß. Wenn zum Beispiel der GAU in Biblis ausgebrochen wäre, wäre es ein Vorteil, das zu wissen.”Zeller: “Das kriegt man auch ohne Twitter mit.”

Kavai: “Ich teile die Einschätzung, dass das Thema Digitalität einen viel größeren Stellenwert bekommen wird. Aber bislang gibt es noch keinen richtigen Kanal, um Essenzielles von Nichtessenziellem zu filtern. Es fehlt noch an einem institutionellen Rahmen, an wirklich klaren Strukturen. Aber vielleicht ist es auch die Ureigenheit dieses Mediums, dass es immer ein Stück weit grenzenlos bleibt.”

Mack: “Das mit dem Filtern, was Sie da ansprechen: Ich glaube nicht, dass es jemals dazu kommen wird, dass das Internet reguliert wird. Es wird immer ein freier Fluss sein von Strömen aus unterschiedlichen Richtungen, bei dem man selbst die Kompetenz besitzen muss, zu filtern. Und das ist das Hauptproblem: Medien- und Netzkompetenz ist in Schulen kein Thema. Wenn ich nicht Filtern kann, dann kann das Netz mich überlasten. Und dann kann es sein, dass die Leute sagen: raus da.”

Download: Die Macht von 140 Zeichen und die Grenzen des Netzes (PDF; 0,8MB)

André Kavai ist Kreisbeigeordneter des Main-Kinzig-Kreises, Kreisvorsitzender der SPD Main-Kinzig und Mitglied im Landesvorstand der SPD Hessen.

Tom Zeller Kreisvorsitzender der CDU Main-Kinzig, Mitglied im Landesvorstand der CDU Hessen und Stellvertretender Bundesvorsitzender der Jungen Union

4 Comments

  • optyk poznan

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  • Kavai, Mack und Zeller im Gespräch « rechtsdrehend

    […] Drei Jungpolitiker aus dem Main-Kinzig-Kreis in einem lesenswerten Gespräch. […]

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  • Mag ich nicht angeben

    Ein gutes Gespräch. Dass die Moderation nicht eingegriffen hat, sehe ich unkritisch, da die Dynamik der Sprechenden genau in die richtige Richtung ging. Gut, Herr Zeller disqualifiziert sich recht schnell, weil er zwar irgendwie schon Recht hat, dass der goldene Mittelweg wahrscheinlich der beste wäre, er aber nicht viel konkretes zu sagen hat und schnell dazu übergeht, mit Spitzen und Plattitüden um sich zu werfen. Den Sarazin-Verweis von Daniel Mack hätte es nun wirklich nicht gebraucht und den empfinde ich auch als, sagen wir mal “ziemlich deplatziert”.

    Meiner Meinung nach, sagen hier Herr Kavai und Herr Mack viele berechtigte und aus der jeweiligen Sicht auch völlig korrekte Dinge. Allerdings steht die ganze Diskussion leider von Anfang an unter einem gänzlich falschen Stern: Herr Kavai hat Recht, wenn er sagt, dass man keine substantielle Politik mit 140 Zeichen machen kann. Allerdings sollte es darum auch gar nicht gehen. Ich folge auf Twitter der FR, der FAZ, Telepolis, Spiegel, Zeit, Welt und Co. Und keiner dieser Verlage geht davon aus, dass es sinnvoll wäre, einen kompletten Artikel auf 140 Zeichen zu verkürzen. Es geht doch nur darum, an dieser Stelle Aufmerksamkeit zu schaffen, dass und wo an anderer Stelle im Netz mehr zu dem Thema zu finden ist. Und so, wie die Verlage das betreiben, sollte man es vielleicht auch in der Politik versuchen – nämlich da, wo es hingehört (zum Beispiel der eigenen Website) über Grundsatzthemen, Aktuelles etc. Zu schreiben und sich erkennbar machen, und auf Twitter, Facebook und Konsorten nur darauf verweisen. Verbote, Reglementierungen oder Kontrolle werden im Internet (hoffentlich!) niemals effektiv sein, wenn es um offene Diskussionen geht. Aber der Umgang damit muss noch gelernt werden und die von Herrn Kavai erwähnte Verrohung im Umgang miteinander sollte auf jeden Fall auch gesehen werden. Das liegt an jedem einzelnen und an jedem einzelnen liegt es auch, andere darauf hinzuweisen oder solche Beiträge eben zu ignorieren und sich selbst ins Abseits stellen zu lassen.

    Herr Mack übertreibt es oftmals mit der Präsenz im Netz und mit vielen gewitterten Belanglosigkeiten im Netz. Da ist vermutlich auch Imagebildung, Geltungsbedürfnis etc. im Spiel. Es liegt dann aber bei mir, das zu filtern und mir die Dinge herauszusuchen, mit denen ich mich beschäftigen möchte. Daher ist der allerletzte Absatz des Beitrages ein sehr gutes Fazit: Wir müssen eben noch lernen (und lehren), wie der richtige Umgang mit einem zuviel an Informationen aussehen kann und eine Medienkompetenz entwickeln, die momentan meistens noch hinter der rasanten Entwicklung des Netzes und der wirklich wahnsinnig angestiegenen Flut an Informationen zurückbleibt. Das gilt sowohl für die eigenen Beiträge im Netz und das stärkere Fokussieren auf Relevanz als auch für das Binden der (per se limitierten) eigenen Ressourcen, wenn es darum geht, sich mit den Beiträgen anderer zu befassen.

    Klar, auf der einen Seite kann es Angst machen und Unsicherheit auslösen und es ist sicherlich ein Paradigmenwechsel nötig, um diese neue Art der Transparenz nicht nur herzustellen, sondern auch konstruktiv damit umzugehen. Aber geben wir der Entwicklung doch einfach mal Raum und Zeit, hm? Weder sollten wir jetzt schon so tun, als wären wir Profis und wüssten allein, wie es geht, noch sollten wir uns an überholten und auf die heutige Zeit nicht mehr anwendbaren Mechaniken festkrallen.

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  • Anonymus

    Die Moderation scheint in das Gespräch gar nicht eingegriffen zu haben. Warum?

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