Dragoslav Stepanović: „Ich würde gerne Nationaltrainer werden“

Er ist eine interessante Persönlichkeit der Bundesliga-Geschichte. Dragoslav Stepanović (65) war einer der weltbesten Außenverteidiger und spielte im Abschiedsspiel von Pelé, ist den meisten Fans aber durch seinen Spruch „Lebbe geht weider“ und die verlorene Meisterschaft von Eintracht Frankfurt 1991/92 bekannt. 

Dragoslav Stepanović spricht im Interview mit mir über seinen Wunsch Nationaltrainer zu werden, die Bundesliga im internationalen Vergleich, Berater ohne Connections und Veränderungen im Fußball in den letzten 20 Jahren.

Den zweiten Teil des Interviews mit Dragoslav Stepanović über Veränderungen der Fansszene, gestiegene Kosten für Polizeieinsätze und schwule Fußballer gibt es hier.

Hallo Stepi, wie geht’s Dir? Was hast Du heute gemacht?

Sehr gut. Mein Tagesplan sieht so aus, dass ich morgens trainiere, dann Mails am Computer lese und dann halt das, was man immer so zu Hause macht.

Du warst einer der besten Außenverteidiger der Welt, danach Trainer in Frankfurt, Leverkusen, Athen, Bilbao. Wie stark vermisst Du heute den professionellen Fußball?

stepnaovic_autogrammkarteSehr, sehr. Aber langsam neigt sich meine Trainerkarriere dem Ende zu. Es gibt aber eine Sache, die ich gerne mal machen möchte. Ich würde gerne Nationaltrainer werden.

Welchen Reiz hat die Bundesliga im Vergleich zu anderen Spielklassen? Ist sie wirklich die stärkste Liga in Europa?

Es ist die beste Liga in Europa. Und wenn man die Zuschauerzahlen, die Tore und auch das allgemeine Spiel vergleicht, dann bin ich der Meinung, dass sie die beste Liga der Welt ist.

Einem Verein bist Du immer verbunden geblieben: Eintracht Frankfurt. Warum, was ist das besondere an der Eintracht?

Die Eintracht war mein erster Verein als Spieler. Ich bin 1976 hier her gekommen und später war ich ja Trainer. Unvergesslich ist natürlich die Saison 1991/92, in der ich fast Meister geworden wäre.

Fühlst Du Dich ausreichend gewürdigt für Deine Verdienste mit der Eintracht?

Ich habe es nie anders empfunden. Überall, wo ich Menschen treffe wird meine Arbeit in der Saison 1991/92, aber auch meine Arbeit insgesamt angesprochen. Die Leute sind schon sehr zufrieden.

Du hast den „Fußball 2000“ bei Eintracht Frankfurt geprägt. Heute steht dafür Jürgen Klopp mit Borussia Dortmund. Was hat er sich von Dir abgeschaut?

Jürgen Klopp war ja mein Spieler und wir haben schon damals das Pressing geübt. Mit dieser Art des Spiels sind wir mit Rot-Weiß Frankfurt Meister geworden. Was er aber im Moment zeigt und spielt, das ist ja noch besser als das, was wir gespielt haben. Er ist auf jeden Fall einer der Top-Trainer in der Liga.

Pep Guardiola beim FC Bayern, aber sicher auch.

Ich hatte erst Zweifel. Er hatte ja beim FC Bayern während der letzten Saison unterschrieben und wusste nicht, dass sie dann drei Titel holen. Ich sehe aber schon, dass er Bayern noch weiter nach vorne gebracht hat, vor allem mit seinen spielentscheidenden Einwechslungen. So hat der FC Bayern insgesamt mehr Sicherheit. Die Entwicklung ist aber auf keinen Fall vorbei. Da wird in den nächsten vier bis fünf Jahren keiner mithalten können.

Eintracht Frankfurt hätte also heute keine Chance?

Als Außenseiter hast Du immer eine Chance. Irgendwann, irgendwo, kommt jemand, der da unten in München einen Punkt holt. Wer dahin fährt und glaubt, dass er nicht gewinnt, der soll nicht hin fahren. Man hat immer eine Chance.

Welche bedeutenden Veränderungen hat es aus Deiner Sicht in den letzten 20 Jahren im Fußball gegeben?

Natürlich die Schnelligkeit, technische Fähigkeiten, die Mannschaften schießen mehr Tore und dann haben wir auch mehr teurere Spieler. Die sind das i-Tüpfelchen.

Was hat sich taktisch verändert?

Nicht viel. Ich habe schon damals als Spieler mit Viererkette und Libero gespielt, mit Pressing und ohne Pressing. Es zeigt sich, wenn ein Trainer mit einem System Meister geworden ist, dann spielen das alle.

Falsche 9 oder 4-1-4-1 wie der FC Bayern? Mit welchem System würdest Du heute spielen? 

stepnaovic_rednerIch bin ein Mann, der immer wieder Tore schießen will. Für mich ist das Offensivspiel das beste System, das es gibt. Aber ich weiss auch, dass man nur mit einer guten Abwehr- und Defensivarbeit Meisterschaften gewinnt. Mit einer guten Offensivarbeit gewinnt man aber nur ein Spiel.

Du bist jetzt 65. Jupp Heynckes hat in dem Alter in der vergangenen Saison das Triple gewonnen. Kannst Du Dir eine Rückkehr auf die Trainerbank vorstellen?

Ich bin noch immer daran interessiert. Ich will auf jeden Fall noch Nationaltrainer werden. Danach möchte ich mich dann der Jugendarbeit widmen.

Ist Peter Neururers Comeback beim VfL Bochum dabei ein Ansporn für Dich es zu schaffen?

Ich habe gedacht, dass der Peter nach dem Klassenerhalt von Bochum in der vergangenen Saison irgendwo in die Koordination oder in die Beratung geht. Ich glaube aber, dass man mit 65 eher als Nationaltrainer geeignet ist, wo man nur alle drei Monate etwas zu tun hat, oder eben für die Jugendarbeit.

Wie hältst Du Dich auf dem aktuellen Stand?

Das ist ja heutzutage mit dem Internet und dem Fernsehen ganz leicht. Da kann man ja viele Spiele schauen. Und die Zeitung lese ich sowieso jeden Tag.

Wie bringst Du Dich bei Vereinen ins Gespräch?

Es gibt Leute und auch Präsidenten, die mich kennen. Ich hoffe, dass einer an mich denkt und sagt: „Ach, in der Situation in der wir jetzt sind, da kann uns nur der Stepi helfen“. Das wäre toll.

Wie viele Anfragen gab es in den letzten Jahren?

Es gab sehr viele Anfragen. Ich weiss aber nicht, ob die ehrlich waren. Es gibt viele Leute, die in der Zeitung lesen, dass eine Mannschaft einen Trainer sucht und mich dann anrufen. Ich weiss aber nicht, ob das richtige Berater mit Connections sind. Bis jetzt ist aber noch keiner gekommen, der mich zu Verhandlungen eingeladen hat.

Du hast früher mit Anzug und Zigarillo an der Seitenlinie gestanden. Das gibt es in der Bundesliga heute nicht mehr. Ist dein Typ noch gefragt?

Was den Zigarillo betrifft, den kann man auch nach einem gewonnen Spiel rauchen. Aber was ich als Trainer gemacht habe und wie ich gespielt habe, da glaub ich schon, dass so ein Typ gefragt ist.

Lebbe geht weider. Ein Satz der Bundesligageschichte geschrieben hat. Wer gab Dir diese Weisheit mit auf den Weg?

Meine Mutter. Sie hat zur mir damals gesagt, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Du musst sie nur so schnell wie möglich suchen, weil das Leben nicht auf Dich wartet. Lebbe geht weider.

Den zweiten Teil des Interviews mit Dragoslav Stepanović (65) über Veränderungen der Fansszene, gestiegene Kosten für Polizeieinsätze und schwule Fußballer gibt es hier.

9 Kommentare

  1. Albert says:

    Das waren noch Zeiten. Man stelle sich vor, Steppi wäre nie nach Leverkusen gegangen und Heynckes nie nach Frankfurt gekommen!!

  2. Bernd says:

    Schön mal wieder was von Dir zu lesen, Stepi. Aber tu mir (und uns) den Gefallen und lass es sein mit dem Trainergeschäft. Du warst ein toller Trainer, bist jetzt aber echt draußen aus dem Fußball.

    Wäre doch besser Du engagierst Dich ehrenamtlich. Verspiel Deinen Ruf nicht ganz!

    Grüße
    Bernd

  3. Arno H says:

    Herr Mack, wie ist dieses Interview zustande gekommen? Warum gibt Herr Stepanovic einem Politiker ein Interview?

  4. Dirk says:

    Schonungslos ehrlich. Interview gefällt mir. Ich weiss nur nicht, ob man lachen oder weinen soll, weil ich mit für Stepanovic eigentlich besseres wünsche!

  5. Christopher says:

    Spitzen Interview. Stepi sollte unbedingt Nationalcoach werden.

  6. Marc says:

    Herr Mack, warum machen Sie das?

  7. Leo says:

    Hallo Herr Stepanovic, glauben Sie wirklich, dass sie mit Internet und Fernsehen auf dem aktuellen Stand bleiben?

    Warum hospitieren Sie nicht bei anderen Vereinen oder besuchen Lehrgänge.

    Es tut mir Leid, aber Sie wirken auf mich wie jemand, der vollkommen in den 90ern stehen geblieben ist. Dort hatten Sie tolle Erfolge, aber auf junge Fußballer würde ich Sie nicht loslassen…

Kommentieren