Nach dem ersten Teil über die Bundesliga im internationalen Vergleich und Berater ohne Connections spricht Dragoslav Stepanović (65) im zweiten Teil des Interviews über Veränderungen der Fansszene, gestiegene Kosten für Polizeieinsätze und schwule Fußballer.

In der Vergangenen Saison besuchten im Schnitt 42.500 Fans ein Bundesligaspiel, 1991/92 waren es im Schnitt keine 25.000 Zuschauer. Was hat sich verändert?

Die Stadien nach der WM 2006. Mit Parkmöglichkeiten, Logen und Sitzen wurde alles gemacht, um ein wunderbares Spiel zu schauen. Das lockt die Zuschauer. Und die Atmosphäre im Stadion ist ja wunderbar.

Was macht die Liga für Fans so attraktiv? 

Jedes Jahr gibt es Verpflichtungen der besten Spieler Europas und der Welt. Das Champions League Finale letzte Saison mit Dortmund und Bayern München hat mir richtig gut gefallen. Da sieht man schon, dass diese Liga immer weiter wächst. Sie ist nicht nur die beste Liga in Europa, sondern die beste der Welt.

Welche Veränderungen hat es in den letzten 20 Jahren in der Fanszene gegeben?

Schlägereien mag ich überhaupt nicht. Das sind Dinge, die nicht zum Spiel gehören. Ich weiss auch nicht warum, es gibt aber immer wieder Leute, die nicht zum Spiel gehen, um es zu schauen, sondern wegen irgendwelche Tumulten. Das gefällt mir überhaupt nicht. Deshalb müssen wir näher an die Fans rücken, dass sie eben keine Dinge machen, die man nicht braucht.

Die Polizeikosten haben sich in den letzten Jahren ja auch sehr stark erhöht.

Ist ja wahnsinnig, dass das über 100 Millionen im Jahr kostet und dass es so viele verrückte Leute gibt. Und ich glaube, dass das auch was mit der Nähe der Spieler zu den Fans zu tun hat. Man sieht die nur am Spielfeld und sonst gar nicht. Dass ein Spieler von einem Fan begrüßt wurde, so wie ich das erlebt habe, das gibts doch heute gar nicht mehr.

Was muss sich denn konkret ändern?

Ja, die Spieler sollen wieder mehr in die Fanclubs gehen und sich mit den Leuten unterhalten. Außerdem müssen die Leute unterstützt werden, die sich professionell mit Fans beschäftigen. Es gibt ja so viele Leute, die zu Spielen gehen, weil es der einzige Platz, wo Du jeden beschimpfen kannst, ohne dass es Konsequenzen gibt.

Wie schätzt Du die von vielen kritisierte Fanszene der Eintracht ein?

Die Fans haben mich schon sehr überrascht. Vor allem 2011 in der Abstiegssaison im Spiel gegen Köln. Ich habe noch nie in 40 Jahren bei der Eintracht erlebt, dass sie aufs Spielfeld stürmen, um dort etwas zu erreichen, was im Spiel nicht erreicht wurde. Außerdem zahlen wir in der letzten Zeit viel zu viel Strafgelder wegen der Fans.

Kannst Du Dir vorstellen, dass Leute in den Fankurven ein Problem mit schwulen Fußballern haben?

Wenn sich Spieler, wie der Thomas Hitzlsperger äußern, dann kann ich mir schon vorstellen, dass Leute im Stadion anfangen ihn zu beleidigen. Ansonsten ist Homosexualität aber schon in anderen Bereichen der Gesellschaft akzeptiert. Im Fußball war es immer schwer, Dinge durchzusetzen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass jemand jahrelang daran erinnert wird.

Du hast Thomas Hitzlsperger angesprochen. Was sagst Du zu seinem Coming-Out?

Mir hat das nicht gefallen. Wenn er mutig wäre, hätte er das damals, als er gespielt hat, als es diese, wie er sagt, „schwulen Pässe“ gegeben habe, gesagt. Stell Dir mal vor, ein Spieler hat einen großen Werbevertrag. Es gibt sehr viele Dinge, die man verlieren kann, wenn man ein Coming-Out begeht.

Warum soll ein Spieler einen Werbevertrag verlieren, wenn er schwul ist?

Wir sind noch nicht so weit, dass das für uns ganz normal ist. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass eine große Firma mit so einem einen Vertrag macht. Wenn es nicht so wäre, hätten sich ja schon alle geoutet.

Wie war es in den 1990er Jahren? Wie wurde damals über schwule Fußballer diskutiert. 

Diskutiert wurde schon. Wir haben aber nicht gemerkt, dass es einen schwulen Spieler gab. Also bei mir, in den 20 Jahren in denen ich gespielt habe, nicht. Das ist aber auch der andere Punkt, über den ich nachdenke. Die anderen Spieler hätten ihn in der Kabine auseinander genommen. Deshalb haben sie auch Angst, zu sagen, dass sie schwul sind.

Du glaubst, die anderen Spieler hätten ein Problem damit?

Mit der Zeit tut man alles, aber der Anfang ist immer wieder schwer.

In der Medienbranche, aber auch in der Politik ist Homosexualität akzeptiert und kein großes Thema mehr. Warum ist das im Fußball anders?

Der Anfang wurde ja jetzt gemacht. Aber ich bin der Meinung, wenn Leute im Stadion einen beleidigen, dann ist es nicht einfach. Das passiert ja, dass die Zuschauer dann auf so einen gehen. Wir haben schon erlebt, dass Spieler, die den Finger gezeigt bekommen haben das ganze Spiel über so nervös waren, dass sie nicht gut gespielt haben. Wenn einer keinen starken Charakter hat, dann ist das sehr schwer.

Stepi, vielen Dank für das Gespräch.

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  • Anonymous

    @Alexander was für ein Schwachsinn…
    Erstens welche Paparazzo verfolgen jemanden wie Hitzlsperger?
    Zweitens hat er doch recht: das ist reine Berechnung, hätte er jetzt nix gesagt hätte es auch niemanden gejuckt, so kann er sich jetzt hinstellen als der große Held, der Märtyrer, der im Endeffekt nur ein Phony ist.

    Guck dir den Ami Rodgers oder wie er heißt an, so jemand verdient Respekt, der steht zu dem was er ist und spielt immernoch Fußball.

    Februar 4th, 2014 18:34
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    01
  • Alexander

    Was für ein erbärmlicher Unfug zu Hitzlsperger!

    „Mir hat das nicht gefallen. Wenn er mutig wäre …“

    Erstens: Warum hat ihm das nicht gefallen? Da will jemand nicht mehr mit einer Lüge leben, und auch den Paparazzi zuvorkommen. Und vielleicht auch anderen Mut machen, zeigen, dass schwul nicht gleich schwach ist.
    Was genau kann daran „nicht gefallen“?

    Zweitens: Mutig? Warum zum Teufel soll Hitzlsperger mutig sein? Was ändert es an seiner Aussage, ob es jetzt mutig war oder nicht?

    Die Aussagen sind doch geprägt von klassischer Homophonie!

    Februar 3rd, 2014 17:58
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    02
    • Daniel Mack
      http://danielmack.de/ueber-mich/

      Eher von Unkenntnis oder falscher Einschätzung der Dinge.

      Februar 3rd, 2014 22:32
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      03

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