Artikelupdate 19.02.2012

Warum Joachim Gauck ein guter Bundespräsident wäre wird.

Ein „Unverbesserlicher Antikommunist“ ist Joachim Gauck. Das ist das Urteil der DDR-Staatssicherheit über ihn. Der Bürgerrechtler Joachim Gauck ist war der Bundespräsidentschaftskandidat von Bündnis 90/DIE GRÜNEN und der SPD zur Wahl am 30. Juni 2010 und ist im März 2012 erneut Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Er wird diesmal neben Bündnis 90/DIE GRÜNEN und der SPD auch von der FDP und der CDU/CSU unterstützt (Update: 19.02.2012). Gauck ist evangelischer Theologe und war im Wendeherbst 1989 ein führender Vertreter der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Unter anderem gründete er das „Neue Forum“ mit. Er war in der sogenannten „Gauck-Behörde“ der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Gauck ist ein beeindruckender Mann, ein guter Redner und vor allem ein großer Freund der Freiheit. Gauck ist ein guter Vorschlag!

1. Gauck kommt nicht aus der rot-rot-grünen Fabrik. Das war anders, als Gesine Schwan kandidierte. Wenn sich nun die Linkspartei über Gauck aufregt, ist das eine erfreuliche Offenbarung. Nachdem Sozialdemokraten und GRÜNE 2010 in Düsseldorf erleben mussten, dass Linkspartei-Repräsentanten nicht einmal nach intensiver, stundenlanger Diskussion zu einem eindeutigen Urteil über den Unrechtsstaat DDR finden, ist Gauck ein schönes Zeichen. Als die SED noch nicht Linkspartei hieß, aber schon PDS, sprach Gauck treffend von den „roten Reaktionären“.

2. Gauck kann nicht nur GRÜNE und Sozialdemokraten für sich begeistern, sondern auch Freidemokraten und Konservative. Er setzt sich 1990 entschieden dafür ein, die Dokumente der Schreckensherrschaft der DDR-Staatssicherheit, Abgründe an Unmenschlichkeit und Verrat, für die Betroffenen und als Lehre für die neuentstandene Demokratie im Osten zugänglich zu machen. Er bezeichnet sich selbst als „linken, liberalen Konservativen“ und „aufgeklärten Patrioten“.

3. Gauck ist im zwanzigsten Jahr der Deutschen Einheit ein gesamtdeutscher Kandidat. Er kann die gesamte Gesellschaft repräsentieren, wäre wird ein echter Präsident für Bürgerinnen und Bürger und hat überparteiliches Ansehen. Joachim Gauck ist ein Kandidat, der sehr deutlich zeigt, dass die Zeiten der ideologischen Auseinandersetzungen und des alten Lagerdenkens vorbei sind. Ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger verortet sich selbst nicht in politische Lager, sondern orientiert sich an Programmen und an Personen, die für Glaubwürdigkeit und Gerechtigkeit stehen.

4. Gauck ist der Beweis, dass Politiker bereit sind Fehler zu korrigieren. Die gemeinsame Kür von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, SPD, FDP und CDU/CSU des Präsidentschaftskandidaten Joachim Gauck zeigt, dass die Zukunft des Landes über der (oftmals) kleinteiligen Parteipolitik steht. (Update: 19.02.2012)

Tags:
  • jochen_h54

    Bestürzt bin ich eher über den Machtpoker der neoliberalen Koalition, dient doch die Nominierung von Herrn Wulf einzig und allein der Festigung des maroden schwarz-gelben Bündnisses und der Machterhaltung von Frau Merkel. Zum Glück sehen das auch etliche Mitglieder der Regierungsparteien kritisch und es bleibt zu hoffen, dass sie sich daran erinnern, dass sie als wählende Abgeordnete nur ihrem Gewissen verpflichtet sind und nicht der Parteiraison.

    Den Abgeordneten der Partei DIE LINKE ist zu raten, sich die Überlegungen ihres stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Bartsch zu Herzen zu nehmen, haben sie doch mit der Wahl von Herrn Gauck die beste Gelegenheit, ihre Aussage, sich von der alten Stasi-SED distanzieren zu wollen und aus den Fehlern des reaktionären DDR-Regimes gelernt zu haben, zu untermauern und somit nicht immer wieder (gerade im Westen) mit dieser alten Vergangenheit konfrontiert zu werden. Diejenigen Abgeordneten der Partei DIE LINKE, die gegen eine Wahl Gaucks plädieren, werden sich als alte SED-Anhänger und Verfechter jenes reaktionären DDR-Regimes hoffnungslos outen und somit den Erneuerungswillen ihrer Partei ernsthaft in Frage stellen.

    Juni 7th, 2010 20:24
    Reply
    01
  • Toni

    Ich bin bestürzt über die Strategie-Spielchen von SPD und Grünen. Ja, man erinnert sich nicht einmal mehr daran, dass noch vor 12 Monaten eine Gesine Schwan als Kandidatin von Rot-Grün aufgestellt worden war.

    Der stv. Fraktionsvorsitzende der Partei DIE LINKE im Deutschen Bundestag, Bartsch, stellte nicht ohne Grund fest:
    Damit bleibt der Linken nur die Option, für Joachim Gauck zu stimmen.
    “Es geht darum, dass über diese Personalentscheidung Schwarz-Gelb stürzt”.

    Will hier niemand durchschauen, dass Herr Gauck durch diese „taktischen Spielchen“ von Rot-Grün unter dem Grinsen von Rot missbraucht wird?
    Hat Herr Gauck bei seiner Vita das wirklich nötig?
    Sollte er nicht die Charakter – Notbremse ziehen und die Kandidatur für obsolet erklären?
    Würde dies nicht dem weit verbreiteten Ansehen seiner Person eher entsprechen, als die Etablierung in einem offensichtlichen Machtpoker?
    Ist hier auch in Vergessenheit geraten, dass an der Öffentlichkeit vorbei, während seiner Amtszeit als Chef der BSTU, mindestens 70 ehemalige Stasi-Mitarbeiter in der „Aufklärungsbehörde“ installiert wurden?
    Noch Fragen?

    Juni 7th, 2010 17:01
    Reply
    02
  • Lukas Uhde
    http://lukasuhde.wordpress.com/

    Sehr geehrter Herr Frei,
    leider kann ich ihre Argumentationslinie nicht nachvollziehen. Selbst wenn ich stehen ließe, dass meine Partei "mit Deutschland 2 Mal in den Krieg gezogen [ist]", könnte ich nicht verstehen, warum das für eine bürgerliche CDU ein Problem darstellen sollte. Sie sind es doch, die diese Einsätze verteidigen!
    Darüber hinaus: Ich denke auch jeder CDUler sollte erkennen, dass die Nominierung Wulffs dem Ziele dient, ihn als Merkels ärgsten innerparteilichen Widersacher aus dem Weg zu räumen. Denn wir alle wissen, dass der Posten des Bundespräsidenten das Ende der politischen Fahnenstange ist. Die Abgeordneten der Bundesversammlung müssen also wissen, ob sie einen Überparteilichen haben wollen, der mit seinem politischen Leben das Format für das Amt mit sich bringt, oder ob sie Merkels Machtposition in Staat und Partei festigen wollen. Und vielleicht haben sie bei ihrer Entscheidung ja die Worte Köhlers im Hinterkopf und denken daran, welche Wahl "einen Respekt dem Amt gegenüber" beweisen würde.

    Juni 7th, 2010 13:25
    Reply
    03
  • Achim Frei
    http://www.cdu-main-kinzig.de

    Herr Mack,

    ihr Text in allen Ehren, aber glauben sie wirklich, dass ein von rot-grün vorgeschlagener Kandidat ein bürgerlicher Kandidat sein kann? Kennen Sie denn die Geschichte ihrer Partei?

    Ihr Parteimitglieder haben Autos angezündet, Steine geworfen und sind mit Deutschland 2 Mal in den Krieg gezogen!

    Glauben Sie wirklich, dass auch nur ein Christdemokrat auf die Idee kommen wird Herrn Gauck zu wählen? Herr Wulff war lange Jahre Ministerpräsident in Niedersachsen und hat die Menschen dort sehr gut regiert, sonst wäre er nicht wiedergewählt worden. Ich denke es ist Zeit für einen echten schwarz-gelben Bundespräsidenten. Horst Köhler war doch nur ein Freund von Gerhard Schröder.

    Beste Grüße

    Juni 6th, 2010 17:39
    Reply
    04
  • Florian Chiron
    http://florianchiron.eu

    sehr gut !
    Hoffen wir, dass viele im sog. bürgerlicher Lager es so sehen !

    Juni 6th, 2010 17:21
    Reply
    05
  • Lukas Uhde
    http://lukasuhde.wordpress.com/

    Lieber Daniel,
    wenn jetzt sogar die SPD ihren Hut vor Dir zieht, dann ist ja wohl alles gesagt. Schön auf den Punkt gebracht! Gauck bringt die Grundkompetenz eines Bundespräsidenten mit, und das ist ein gewisses Maß Überparteilichkeit. Christian Wulff fehlt es genau daran. Seine Nominierung offenbart, wie Du richtig feststellst, erneut die Unfähigkeit der schwarz-gelben Bundesregierung. Hoffen wir, dass es auch den Abgeordneten der Regierungsparteien langsam reicht und sie ihre Obersten für diese Machtpossen abstrafen!

    Juni 6th, 2010 2:41
    Reply
    06
  • SPD MKK Mitglied

    Chapeau, Herr Mack! Gut geschrieben. Kann man so unterschreiben.

    Juni 5th, 2010 21:27
    Reply
    07
  • ebook leser
    http://ebook-blog.org/

    Jetzt wird diese Bundespräsidentenwahl wieder zur Polit Posse. Warum zur Hölle können sich die CDU und die SPD nicht auf einen Kandidaten einigen, der von beiden Parteien getragen wird. Gauck wäre ja so einer. Auf der anderen Seite ist der ja auch viel zu alt. Mit 70 hält der den Stress ja nicht durch. Da ist der Hannoveraner schon viel jünger. Mal schauen wer es werden wird und ob er länger duchhält als der Köhler.

    Juni 5th, 2010 20:16
    Reply
    08
  • inoshishi

    Das ist ein Text, der um Zustimmung wirbt. sozusagen um eine Unterschrift. Ich stimme ihm zu und denke, um solche Texte herum könnten sich starke Gruppen bilden, die fähig sind und über die Mittel verfügen, sich wirksam politisch zu artikulieren. In Verbindung mit andern Aktionen muss es darum gehen, rechtzeitig vor der Wahl ein Bürgerbegehren zustandezubringen.

    Die Bürger müssen sich das Recht nehmen, dem Wahlplenum vom 30. Juni eine Petition einzureichen, die anzuhören ist. Kern der Forderung wird sein, dass die Integrität der vielen einzelnen Entscheidungen gewahrt werden müsse.

    Juni 5th, 2010 18:01
    Reply
    09
  • stadtnarr
    http://stadtnarr.blogspot.com/

    ich würde noch einen Punkt 4 ergänzen:
    Er benutzt eine klare und direkte Sprache, die bei den Bürgern ankommt und die ich immer mehr bei Politikern vermisse!
    Er könnte im Amt des Bundespräsident die Bürger wieder mehr für politische Fragen interessieren und einen Gegentrend zur sogenannten „Politikverdrossenheit“ setzen.
    Hoffen wir also auf die FDP… den Gauck ist ein echter Liberaler! liberaler als manch einer aus der Führung der Partei.

    Juni 5th, 2010 17:54
    Reply
    10

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.