Main-Kinzig Landrat Erich Pipa: „Mache mir Gedanken, wie Inhalte in 140 Zeichen passen“

Er ist für seine neuen Wege bekannt. Erich Pipa (63) ist seit 2005 Landrat des Main-Kinzig-Kreises. Der Sozialdemokrat, der zuletzt 2011 mit 65% in der Stichwahl wiedergewählt wurde, ist bundesweit für seine Politik für Sozialhilfeempfänger und Langzeitarbeitslose bekannt. Gegen den Widerstand innerhalb der eigenen Partei und Teilen der Öffentlichkeit beweist der Gelnhäuser seit 1996 mit seinem Programm „Fördern und Fordern“, dass Kommunen ihren Arbeitslosen besser helfen können als die Arbeitsagentur.

Erich Pipa im Gespräch mit mir über seine neuen Wege unter @ErichPipa auf Twitter, die digitale Kommunikation mit den Bürgern im Main-Kinzig-Kreis, Authentizität und die Chancen von transparenten Verfahren sowie nachvollziehbaren Entscheidungen.

Hallo Herr Pipa, Sie sind seit Mitte März auf Twitter. Geht Politik heute nicht mehr ausschließlich offline, oder warum hat sich der Landrat entschlossen 140-Zeichen Nachrichten zu schreiben?

Politik funktioniert grundsätzlich nur im engen Kontakt zur Öffentlichkeit und somit auch im Austausch mit den Medien. Dazu gehören neben E-Mail und der klassischen Homepage auch kommunikative Plattformen wie zum Beispiel Facebook und Twitter. Ich persönlich schätze beim Dialog über das Netz die Schnelligkeit und die große Transparenz.

Twittert der Landrat ausschließlich selbst oder wird es auch – wie beim Hessischen Innenminister @BorisRhein – auch Nachrichten von Mitarbeiter unter ihrem Namen geben?

Es macht mir großen Spaß, dieses neue Instrument selbst zu nutzen. Die Nachrichten sind also Pipa pur.

Verbessert sich durch Online-Medien die Kommunikation mit den Bürgern?

Schon lange nutzen die Menschen aus dem MKK die elektronische Post auch, um mit dem Landrat zu kommunizieren. Hier hat sich viel verändert.

Verändern die neuen Medien nur die Kommunikation, oder verändern sie die Politik?

Die ganze Gesellschaft hat sich durch die schnelle und vernetzte Art der Kommunikation verändert. Das wirkt auch auf die Politik und sogar auf den Staat insgesamt. Das lässt sich weltweit beobachten, welches Potential in den Netzwerken steckt.

Was macht Twitter so besonders, hat der Dienst eine Zukunft?

Aus meiner Sicht ist es die große Offenheit der Kommunikation, die Twitter auszeichnet. Es ist einfach zu bedienen und setzt auf die Macht der knappen Worte, darin liegt der Erfolg begründet.

Sie haben rund um die Uhr zu tun. Wann ist noch Zeit für Twitter? Wie hoch ist der Aufwand für Ihr Twitter-Engagement?

Für ein paar Zeilen bleibt immer Zeit. Auch das ist ein Erfolgsgeheimnis von Twitter.

Welche Vorteile ziehen Sie für sich als Politiker daraus?

Für mich ist das ein Weg, um neue Eindrücke und Informationen zu erhalten. Außerdem kann ich meine Ansichten bequem kommunizieren.

Telefon, Brief, Fax, Handy, E-Mail, jetzt auch noch Twitter, Facebook und Co. Haben wir einen Information Overkill?

Kommunikation und Information verändern sich ständig. Ein großer Einschnitt war zum Beispiel Mitte der 80er Jahre der Start der privaten Rundfunk- und Fernsehsender. Allerdings sind mit den Veränderungen auch die Nutzer gefordert, denn nicht jede Mitteilung enthält auch eine gesicherte Information. Hier müssen wir für die entsprechende Medienkompetenz sorgen, damit ein Missbrauch der neuen Medien verhindert werden kann.

Auf Twitter können die Bürger ihre Meinung zu Kreisthemen, ihre Aktivitäten als Landrat transparent verfolgen, ihnen aber auch Fragen stellen. Sollte es in Zukunft mehr Bürgerbeteiligung – zum Beispiel bei großen Bauvorhaben wie einer neuen Landebahn – im Netz geben?

Wir brauchen vor allem transparentere Verfahren und einen verbesserten Zugang zu Informationen. Die neuen Medien können helfen, den Bürgerwillen zu organisieren. Aber eine virtuelle Protestkundgebung kann niemals die gleiche Wirkung haben, wie eine leibhaftige Demonstration.

Was hat sich für Sie – in den ersten Tagen am meisten durch Twitter verändert?

Ich mache mir jetzt häufig Gedanken, wie meine Themen und Gedanken in 140 Zeichen passen. Das ist eine gute Schule, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Twitter.

2 Kommentare

  1. Mel says:

    Cooles Interview. @Leo: Daniel Mack ist doch rot-grün!

  2. Leo says:

    Cool dass Du Erich Pipa interviewt hast!! Dachte, Du magst ihn nicht wegen der Therme?

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