Facebook ist nicht kostenlos

„Facebook ist und bleibt kostenlos.“
Facebook über sich

„Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen“, so wirbt das Unternehmen auf seiner Startseite. Klar, der Wert von Facebook erhöht sich für mich, wenn meine Freunde das Netzwerk ebenfalls nutzen. Je mehr meiner Freunde, Bekannten oder Kollegen bereits Mitglied bei Facebook sind, umso interessanter ist es, auch diesem Netzwerk beizutreten. Vorname, Nachname, Email-Adresse. Manfred Mustermann ist Mitglied.

Datenkrake

Für Facebook haben Manfreds hinterlegten Daten ab sofort einen Wert (36 Cent). Der Social-Media-Konzern fragt gleich weiter: Durch die Angabe des Geschlechts (Manfred ist jetzt 35 Cent wert) und des Geburtsdatums (Manfred ist 28 Jahre alt und damit 49 Cent wert) wurden seinem Profil weitere Details hinzugefügt, die seine Freunde nicht überraschen, für Facebook aber wichtig sein werden. Denn so ist es überhaupt erst möglich ihn bestimmten Zielgruppen zuzuordnen.

Apropos Freunde, Suchen muss er sie natürlich nicht. Facebook präsentiert ihm Mitglieder, die mit ihm in Kontakt stehen könnten. Und Bilder dieser Personen noch dazu. 15 der 20 Personen erkennt er sofort.

Wie kommt Facebook an Daten von Nichtmitgliedern? Von Mitgliedern, die bedenkenlos den sogenannten Freunde-Finder nutzen, ihre Email-Konten öffnen und Facebook darin nach Adressen suchen lassen. Dafür geben sie sogar ihre Email-Passwörter preis. „Viele deiner Freunde sind schon hier“, wirbt Facebook bei Einrichtung meiner Mitgliedschaft. „Das Durchsuchen deines Email-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden.“ Facebook greift dabei alle verfügbaren Email-Adressen ab, auch solche von Nichtmitgliedern. Weder darauf noch auf Missbrauchsmöglichkeiten wird Manfred als Neumitglied an dieser Stelle hingewiesen. Und die unbeteiligten Dritten, deren Daten gerade gespeichert werden, können sich dagegen nicht wehren. Sie wissen nichts davon. Der Social-Media-Konzern ist ein Datenkrake.

Geschäftsmodell

Facebook kostet keinen Euro. Facebook bezieht seine Einnahmen zu 100 % aus Werbung. Grundlage des „kostenlosen“ Geschäftsmodells sind die von den Nutzern angegebenen Daten. Diese Daten dienen insbesondere als Grundlage für die Definition von Zielgruppen für Werbetreibende. Facebook erachtet es somit als Vorteil, so viele Daten wie möglich über seine Nutzer zu sammeln. Nutzer geben ihre Daten preis – und bekommen dafür attraktive Internetangebote. Das ist der Deal, den Facebook-Nutzer eingehen. Der Wert des Internetunternehmens steht und fällt mit den Daten, die es von seinen Nutzern hat.

Personalisierte Werbung

Die wichtigste Erlösquelle für Facebook ist der Verkauf von Werbeflächen, die meistbietend versteigert werden. Die Preise pro Anzeige in bestimmten Marktsegmenten variieren und hängen stark von der zu bestimmenden Zielgruppe ab. Die werbenden Unternehmen zahlen entweder in Abhängigkeit der Anzahl der Klicks oder je nachdem, wie vielen Nutzern ihre Werbung angezeigt wird.

Manfred richtet das Profil weiter ein, lädt ein Profilfoto hoch. Facebook will aber mehr von ihm wissen. Als Single würde sein Wert auf 52 Cent steigen, da er in einer Beziehung lebt sinkt er auf 47 Cent. Hat Manfred Kinder? Sein Wert steigt nicht auf 56 Cent, da er keine hat. Sein Wert steigt auf 54 Cent an, da er an Männern interessiert ist und steigt durch sein Studium weiter auf 76 Cent. Manfred betreibt Outdoor-Sport (97 Cent), ist an Nachrichten (88 Cent) interessiert, nutzt Apple-(89 Cent, bei Android-Geräten 87 Cent) und Schönheitsprodukte (92 Cent).

92 Cent ist der potentielle Werbewert von Manfred Mustermann. Konkret bedeutet das, dass ein Unternehmen diesen Betrag an Facebook für einen Klick von Manfred auf die Werbeanzeige zahlt, wenn es auf die oben erwähnten Merkmale festlegt.

Ein anderes Beispiel, das auch den Werbewert von Manfred betrifft. Die Partei XYZ möchte ihre Wahlkampfseite www.xyz.de ganz gezielt bei Jungwählern (18 bis 29 Jahre) aus dem Rhein-Main-Gebiet (Frankfurt + 40 Kilometer Umland) auf Facebook mit einer Werbeanzeige bewerben. Ergebnis: Die errechte Zielgruppe beträgt 206.720 Personen, ein Klick auf die Anzeige kostet 39 Cent.

Da die Werbeflächen meistbietend versteigert werden, die Preise folglich varieren, wurde in allen Beispielen der von Facebook errechnete Mindestpreis benutzt.

Eine weitere Einnahmquelle sind Apps, die auf Facebook angeboten werden. Die Aufteilung der Einnahmen zwischen App-Anbietern und Facebook liegt zurzeit – ebenso wie beim Appstore von Apple – bei 70 : 30. Manfreds Facebook-Profil ist deshalb so eingestellt, dass Apps alle Informationen über seine Freunde erfassen können. Das bedeutet, dass eine App, Manfreds explizit als „privat“ deklarierten Daten, seine Mailadresse, sein Geburtsdatum, seinen Standort und die Status-Meldungen erfassen kann, wenn einer seiner Freunde eine App zulässt.

Apps sind große, weit offenstehende Tore, die ihre Entwickler mit dem kostbarsten Rohstoff der digitalen Wirtschaft beliefern: mit persönlichen Daten.

Gesetz zum Schutz der Privatsphäre im Internet

Ich fordere ein Gesetz, das einen umfassenden Schutz der Privatsphäre garantiert und dafür sorgt, dass Bürgerinnen und Bürger besser darüber informiert werden, welche Daten über sie gesammelt werden. Ebenso muss den Nutzern sozialer Netzwerke mehr Kontrolle darüber eingeräumt werden, wie die Informationen verwendet werden.

Für Facebook bedeutet das, dass von den Nutzern jede Datenkategorie für Werbung oder App-Zugriff explizit freigegeben werden muss. Zudem muss Facebook die Zustimmung der Freunde eines Nutzers einholen, bevor einer App der Zugang zu deren Daten gewährt wird.

Nur eine verständliche Datenschutzerklärung kann Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lage versetzen, souverän entscheiden zu können. Persönliche Daten dürfen nur nach ausdrücklicher Zustimmung im Einzelfall gespeichert, verwendet oder weiter gegeben werden.

Weiterlesen?

Hier geht’s zum Konzept DIGITALES HESSEN – Netzpolitik ist Zukunftspolitik!

Kommentieren