Höher, schneller, weiter! Sport, ganz besonders Olympia, lebt von seinen Fans. Egal ob im Leichtathletik-Stadion, in der Schwimm-Arena, auf den Tennisplätzen, beim Beachvolleyball, zu Hause im Wohnzimmer mit Freunden oder im Internet. Sportbegeisterte leben ihre Leidenschaft auf allen erdenklichen Wegen aus. Sport verbindet Menschen.

Social-Media, allen voran Twitter, Facebook und Blogs haben im Profisport eine Dimension erreicht, mit denen klassische Medien nicht mithalten können. Sportstars erzeugen mit ihren Meldungen eine so noch nie dagewesene Nähe zu ihren Fans, auch wenn es oftmals nur 140 Zeichen sind.

Sportmannschaften brauchen Kommunikationsrichtlinien

Selbstverständlich braucht auch die Deutsche Olympia-Mannschaft klare Kommunikationsrichtlinien, wie es sie auch in Unternehmen gibt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat es jedoch versäumt, einen Leitfaden zu erarbeiten, in dem Sportlern der Umgang mit den neuen Dialog-Möglichkeiten näher gebracht wird, sondern untersagt den Mitgliedern des DOSB-Teams jegliche journalistische Betätigung und schränkt das Social-Media-Verhalten der Athleten über die Maße ein.

Regelung des DOSB schränkt wirtschaftliche Freiheit ein

Diese umfassende Einschränkung trifft gerade Teilnehmer von Nischensportarten mit geringer Breitenwirkung und bisher unbekannte Sportler besonders hart. Viele von ihnen sind keine Ganztagssportler, sie sind auf individuelle Sponsoren angewiesen, die es ihnen überhaupt erst ermöglichen ihre Sportartart auf professionellem Niveau auszuüben. Es ist begrüßenswert, dass viele Unternehmen in Deutschland Partner des Sports sind und Athleten unterstützten und Höchstleistung mit ermöglichen. Dementsprechend ist es unverständlich, dass der DOSB eine solche Förderung während der Olympischen Spiele unmöglich macht. So dürfen Unternehmen, welche nicht Partner der Olympischen Spiele sind, nicht einmal Gratulationsanzeigen für Sportler schalten. Auch bei Einträgen auf dem ahtleteneigenen Blog über Olympia dürfen auf dem kompletten Internetangebot keinerlei Sponsoren zu erkennen sein.

Die Internetseite von Tennis-Star Sabine Lisicki kann, sollte sie von Olympia bloggen, so nicht im Netz stehen. Sie wirbt offen für ihren Ausrüster Nike (DOSB-Ausrüster ist Adidas) und würde einen Olympia-Rauswurf riskieren. „Es ist strikt verboten, bei Internet-Aktivitäten oder öffentlichen Tagebucheinträgen in irgendeiner Art für eine Marke, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu werben“, schreibt der DOSB in seinem PR-Leitfaden.

Eine solche weitgehende Reglementierung ist nicht nur inakzeptabel, sie schränkt die wirtschaftliche Freiheit der Sportler massiv ein. Das ist nicht nur unverständlich und unzeitgemäß, sondern erinnert auch an staatliche Sportorganisation sozialistischer Ordnung.

Eigene Berichterstattung wird behindert

Bis auf Tagebuchartige Blogbeiträge und Tweets in der Ich-Form sind jeglichen anderen Schilderungen von Eindrücken untersagt. So sind beispielsweise Gastkommentare in Zeitungen verboten und eigene Audiokommentare im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen sind ebenso untersagt wie Videostatements. Den Sportlern wird eine eigene Berichterstattung weitgehend unmöglich gemacht. Dabei muss es jedem mündigen Bürger, auch das sind Athleten, möglich sein, nicht nur die eigenen sportlichen Höchstleistungen, sondern auch seine Meinung kund zu tun. Jede Athletin und jeder Athlet, der ein Problem mit Raketenwerfern auf den Londoner Dächern hat oder einfach nur die hellblau-pinke Mannschaftskleidung kritisieren möchte, weil sie für ein antiquiertes Rollenbild steht, muss das in der von ihm selbst gewählten Form in Gastbeiträgen, im Blog und auf Twitter sowie Facebook sagen dürfen.

Schwimmer Steffen Deibler kann nicht, wie von den Schwimm-Weltmeisterschaften 2011 oder der Olympiavorbereitung, in London Videos drehen und sie auf YouTube hochladen. Er würde einen Olympia-Rauswurf riskieren.

Chancen von Socia-Media bleiben ungenutzt

Der DOSB setzt auf eine nicht zeitgemäße Monopolisierung der Berichterstattung. Gerade Social-Media hat den Reiz persönliche Verbindungen zu den Athleten zu schaffen und jedem Fan zu ermöglichen, sich selbst seine Informationsquellen auszusuchen und bestimmte Blickwinkel zu erfahren. Durch harte Reglementierungen wird diese Chance vergeben, Athletinnen und Athleten werden eingeschüchtert, die wirklichen Vorteile der Social-Media-Nutzung bleiben ungenutzt.

Selbstverständlich müssen auch Sportler sich in geschützten Räumen entfalten können und nicht alles darf an die Öffentlichkeit gelangen. Ausgewogene und differenzierte Social Media Guidelines könnten solch negative Folgen verhindern, ohne übermäßig in die Rechte der Sportler einzugreifen. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat es vorgemacht: Statt grundsätzlich die Nutzung sozialer Netzwerke einzuschränken, wurde den Mitgliedern der Mannschaft genau dargelegt, welche Verhaltensweisen sinnvoll sind und welche nicht. Im Rahmen dieser weiten Spielregeln blieb Raum für eigenverantwortliche Entscheidungen.

Im schlimmsten Fall droht der Ausschluss

Widersetzt sich allerdings ein Sportler diesen restriktiven, rechteverletzenden Regelungen des DOSB, muss er mit einem Entzug seiner Akkreditierung für die Spiele und Schadensersatzforderungen rechnen. Es ist stark zu bezweifeln, dass ein solches Vorgehen mit der Olympischen Bewegung vereinbar ist. Erschreckend ist ebenfalls, dass das IOC versucht Links auf die offizielle Internetseite der Olympischen Spiele im Zusammenhang mit Kritik zu unterbinden. Das zeigt eine Grundeinstellung zu Öffentlichkeit, die alles andere als freiheitlich ist.

Bei den Olympischen Spielen sollte nicht nur die sportlichen Höchstleitungen der Athleten, sondern auch ihre persönliche Situation im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen. Die einmalige Stellung Olympias in der Sportwelt darf nicht dazu gebraucht werden, den Teilnehmern einseitig ihre Rechte zu versagen und sie nahezu zwangsweise in ein Wirtschaftssystem einzuordnen.

PS: Der Kontrollwahn des DOSB beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Internet. Selbst bei Freizeitaktivitäten der Sportler machen die Funktionäre klare Vorgaben. So muss selbst bei privaten Anlässen oder Freizeitaktivitäten, wie einer Sightseeing-Tour durch London, die Kleiderordnung des DOSB eingehalten werden. Ein Ausflug in einem Italien-Shirt (eines Fremdherstellers), wie ihn der damalige DFB-Kapitän Michael Ballack während der WM 2006 gemacht hat, würde einem Athleten der Deutschen Olympiamannschaft erst eine Verwarnung, danach den totalen Rauswurf bescheren. Absurd!

Immerhin ist der DOSB zu großzügig und verpflichtet die Sportler in seinen Regelwerken nicht, während der Olympischen Spiele ausschließlich auf die 150.000 offiziellen Olympia-Kondome des IOC zurückzugreifen.

Quellen: Athletenvereinbarung für die Deutsche OlympiamannschaftDOSB Leitfaden für den Umgang mit Werbung und PRKleiderordnung des DOSB

Update 22. Juli 2012, 21.00 Uhr: 

Imke Duplitzer fechtet für Deutschland bei den Olympischen Spielen in London. Auf BILD.de bestätigt sie einen Tag nach meinem Blogpost meine Haltung und rechnet mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ab.

Über den Deutschen Olympischen Sportbund sagt Duplizer: „Bin ich mir gar nicht mehr so sicher. Wenn ich mich mit Doktor Michael Vesper (Generaldirektor des DOSB) unterhalte oder wenn ich von weitem mal Präsident Thomas Bach sehe – ich glaube, die raffen das gar nicht mehr. Das, was die erzählen, zählt für 0,5 Prozent der 392 deutschen Olympia-Sportler. Ich will eine ehrliche Debatte über den deutschen Sport. Denn: Die Funktionäre wissen gar nicht mehr, was in der Sporthalle los ist. Liegt auch daran, dass sie in ihrem Pixiewolkenkuckucksheim leben. Wenn die irgendwo auftauchen, wird ihnen der Rote Teppich ausgerollt. Das ist wie früher in der DDR: Wenn Margot Honecker kam, wurde noch kurz die kaputte Birne im ansonsten dunklen Gang ausgewechselt. Das passiert hier auch so ein bisschen: Es ist der schöne Schein, der ihnen irgendwann mal im Hals stecken bleiben wird.

Über das Werbeverbot des IOC (das auch der DOSB in seiner Athletenvereinbarung festgeschrieben hat) sagt Duplizer: „Ich finde das eine Unverschämtheit. Dem Athleten gegenüber ist das extrem unfair. Aber um den Athleten geht es schon lange nicht mehr. Olympische Spiele sind eine Verkaufsshow mit angeschlossener Rummelbude. Das IOC macht sich die Welt, wie es ihm gefällt.

Über Olympia allgemein sagt Duplizer: „Olympia ist wie Sissi auf Sport gefönt: Wer schaut sich nicht gerne an, wie die Flamme entzündet wird, wie ein kleines Kind eine Taube durchs Stadion trägt, alles noch mit dramatischer Musik unterlegt und auf die Tränendrüse gedrückt? Der Sport läuft nebenher. Das IOC behauptet von sich, edel, hilfreich und gut zu sein – dann sollen sie sich bitte auch so aufführen. Leider ist das Gegenteil der Fall. Jede Bank wird mittlerweile verklagt, weil sie in Prospekten gelogen haben. Das IOC verkauft einen schönen Schein und lügt, dass sich die Balken biegen – aber es interessiert keinen. Die Welt will beschissen werden.“

Update 23. Juli 2012, 10.00 Uhr: Aufgrund zahlreicher Nachfragen, wie die Regularien des DOSB in Bezug auf Werbung auf der persönlichen Internetpräsenz und dem Verbot von Videostatements aussehen, habe ich zur Verdeutlichung zwei Screenshots (Beispiel Lisicki, Beispiel Deibler) sowie einen Screenshot einer Pressemitteilung des Spielzeugherstellers Mattel eingefügt, der mit der „Olympia Barbie“ wirbt. Zusätzlich habe ich auf Michael Ballack verwiesen, der 2006 während der Fußball-Weltmeisterschaft ein Italien-Shirt eines Fremdherstellers getragen hat.

Update 02. August 2012, 15.00 Uhr: „Übrigens: Eigentlich wollte Jan-Philip Glania ein Tagebuch für unsere Zeitung schreiben. Doch die Regelungen des DOSB, bzw. des IOC machen das nahezu unmöglich.“ schrieb die Fuldaer Zeitung gestern um 10.56 Uhr in ihrem Olympia Live-Ticker.

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  • Dennis

    Wo doch so viele Athleten auch auf Twitter sind… So schade was der DOSB macht :-(

    Juli 27th, 2012 23:14
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  • Thorsten

    Hast Du im Rahmen Deiner Recherche zu diesem Artikel auch mal beim DOSB jemanden gefragt, wie es zu den Richtlinien gekommen ist (in den Kommentaren stehen ja schon einige Vermutungen bzw Querverweise zu Abhängigkeiten)? Oder ist das reiner „Desk-Research“ ohne Vertiefung?

    Juli 27th, 2012 17:17
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    • Daniel Mack
      http://danielmack.de/about

      Ja, ich stehe im Austausch mit Dr. Michal Vesper, dem Generaldirektor des DOSB und begrüße es auch ausdrücklich, dass sich der DOSB mit dem Thema Social-Media beschäftigt. Absolut richtig, dass sich Vesper sehr schnell von dem Fake-Account der Fahnenträgerin Natascha Keller distanziert und den Vorgang als „erbärmliche Aktion“ bezeichnet hat.

      Die Richtlinen selbst halte ich für eine Einschränkung der Freiheit der Sportler und demnach für absolut inakzeptabel. Der Versuch mir eine Abhängigkeit zu unterstellen scheitert daran, dass ich keinerlei Abhängigkeiten nötig habe und seit dem 15. März 2012 neben meinem Mandat keine weiteren Einkünfte erzielt habe. Man muss nicht auf der Paywall eines Unternehmens stehen, um für die Freiheit von anderen einzutreten.

      Juli 27th, 2012 17:30
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  • David

    Frau Duplitzer sagt nichts anderes als Herr Mack. Eine bessere Kronzeugin, als eine Athletin, könnte sie für ihre Argumentation nicht geben. 

    Wie sieht nun ihr politisches Handeln aus? Wie werden sie diesen Blogtext in konkrete Politik umsetzen?

    Juli 23rd, 2012 14:17
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  • C0M

    „Die Chancen von Social Media bleiben ungenutzt“ – dieser Satz fällt mir leider jetzt erst richtig auf.
    „#WirFuerD“ ist so simpel wie genial und bringt alles mit wofür Social Media steht. Entwickelt von und für den DOSB. Für die Athletinnen und Athleten, für die Verbände, für die Fans und vor allem auch die Berichterstattung.
    Antiquiert? Ich glaube kaum…
    Ich hätte tatsächlich große Lust auf ein Diskussionspanel dazu mit Jens Weinreich, Daniel Mack, einem Vertreter des DOSB, einem Athleten, einer Athletin. Oder aber einige Personen wechseln einfach mal in Grautöne statt nur Schwarz Weiß zu sehen. Nicht alles ist Super, aber auch nicht alles ist richtig.

    Juli 23rd, 2012 2:43
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    • Daniel Mack
      http://danielmack.de/about

      Was bringen „Social-Hubs“ und ein festgelegter Hashtag (Social-Media ist bottom up und nicht top down), wenn über die Maßen in die Freiheit der Athleten eingegriffen wird?

      Bei allem Verständnis für Sponsoren und deren exklusive Vermarktung des Verbandes, der Spaß hört dort auf, wo die Regularien an sozialistische Organisation erinnern.

      Selbstverständlich habe ich kein Problem mit einem Streitgespräch mit dem DOSB über die Frage, wie viel Freiheit Athleten in der Sponsoren- und Medienwelt des Sports noch haben.

      Juli 23rd, 2012 8:16
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  • Holger

    Frau Duplitzer ist frustriert. Seit Jahren steht sie im Schatten von Britta Heidemann. Ist doch kein Wunder!

    „Vor 10 Jahren wollte ich zu OlympJA 2012 in Frankfurt. Wurde nix. Dafür für startet meinen Kumpel @YannickLebherz in London. Du rockst das!“

    https://twitter.com/danielmack/status/225979465296146432

    Weil er selbst nicht bei Olympia ist schreibt Mack die ganze Bewegung in den Keller. So viel zur Motivation!

    Juli 22nd, 2012 21:46
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    07
  • Fred

    Die Aussagen der Fechterin sind doch der beste Beweis für deinen Artikel. Ich finds cool, dass Du so offen schreibst!

    Juli 22nd, 2012 21:18
    Reply
    08
  • Nico

    Ist doch echt egal wer diese Regeln festlegt. Es sollten sich alle einig sein wie schlecht diese Lösung ist!

    Juli 22nd, 2012 18:05
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  • Michael

    Natürlich beschreibt Herr Mack das Problem richtig. Okay, dann hat Herr Weinreich recht das IOC ist das Problem. Stellvertretender Chef des IOC ist Herr Bach. Der ist DOSB Präsident. Das ist also alles sehr nah beieinander.

    Wenn ich jetzt auf meiner Gartenparty die Meinnungsfreiheit beschneide, dann soll das okay sein, weil ich ja der Veranstalter sei? Ich finde nicht. Zum Glück ist das Recht nicht privatisiert worden.

    Was sagt der DOSB zu Schweigeminute für die Attentatopfer von München? Nichts.

    Ich glaube der Verband ist vollkommen auf der falschen Spur und es ist doch gut wenn so viele Leute darauf hinweisen und Analysen veröffentlichen.

    Juli 22nd, 2012 14:26
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  • Jens Weinreich
    http://www.jensweinreich.de

    @ Daniel Mack: Sie antworten auf meine Frage nicht!

    Haben Sie einen Kommentar, der sich auf meinen Kommentar von 17.57 Uhr bezog, gelöscht?

    Sie haben. Ich weiß es ja. Sie sind allerdings zu feige, es zuzugeben. Oh Gott.

    Und Sie wollen mir was von Social Media erzählen und schlagen lautstark mit teilweise irreführenden Fakten auf den DOSB ein? Was ist das denn?

    Juli 21st, 2012 22:16
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  • Jens Weinreich
    http://www.jensweinreich.de

    Ich bin hoffentlich unverdächtig, den DOSB zu verteidigen. Aber die entscheidenden Richtlinien setzt wie immer das IOC in den Social-Media-Guidelines. Das sollte man schon wissen. Ich halte den Beitrag für ziemlich undifferenziert.
    So sehr unterscheiden sich die DFB-Richtlinien gar nicht von IOC/DOSB, weder was die Kleiderordnung angeht (!) noch sonstwo.
    Es gibt, erstmals seit der EM, allerdings einen interessanten, vielleicht sogar doch fundamentalen Unterschied: Den Mitgliedern der Fußball-Nationalmannschaft war es erlaubt, ihre Meinung zur politischen Situation in der Ukraine zu sagen. Olympia-Sportlern droht bei politischen Stellungnahmen jedweder Art der Ausschluss aus dem Team bzw der Entzug der Akkreditierung.

    Juli 21st, 2012 17:38
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    • Daniel Mack
      http://danielmack.de/about

      Der DOSB ist ein einflussreicher Sportverband und DOSB-Präsidebt Dr. Bach ist IOC-Vizepräsident. Das Problem einfach eine Stufe weiter schieben funktioniert nicht!

      Abgesehen davon schließen die Athleten eine Vereinbarung mit dem DOSB, nicht mit dem IOC ab. Vertragspartner sind also DOSB und die Olympia-Teilnehmer!

      Das Verbot der journalistischer Betätigung ist unhaltbar. Immerhin ist die Pressefreiheit grundgesetzlich geschützt und es sit nicht nachvollziehen, weshalb ein junger Mensch der das Privileg genießt am Fest der Jugend der Welt zu partizipieren, von dieser Erfahrung nicht auch eigenständig berichten soll. Die gilt dann natürlich ganz besonders, falls einer der Teilnehmer Journalist oder auch nur in journalistischer Ausbildung wäre, etwa einem vorbereitenden Studium.

      Auch das (strafbewehrte) Verbot, andere als die offizielle Kleidung zu tragen ist jedenfalls nicht notwendig zur Erreichung des genannten Vertragszweckes, jedenfalls wenn es über offizielle Mannschaftsanlässe (Einmarsch, Abschluss, Wettkampf) hinausgeht.

      Man muss sich schon fragen, ob und wie weitgehend die restriktiven Vorschriften des DOSB (nur denen stimmt der Teilnehmer zu) mit dem olympischen Geist in Einklang stehen. Dass Persönlichkeitsrechte stark eingeschränkt werden und etwa Rechte am eigenen Bild der Athleten in Facebook-Dimension übertragen werden ist jedenfalls zu kritisieren – wenn auch nicht AGB-widrig.

      Juli 21st, 2012 17:44
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      13
  • Lars

    Daniel, wie sieht denn deine Alternative aus?

    Juli 21st, 2012 17:37
    Reply
    14
  • Olympionikin

    Auch ich bin Olympiastarterin! Und ich teile die Meinung meines Teamkollegen nicht! Der DOSB finanziert mit seinen Sponsoren unsere Zeit in London. Dafür müssen wir zurückstecken. Na und, schließlich bekommen wir viele Sachen umsonst und dürfen bei Olympia dabei sein.

    Ich verstehe Daniel Mack nicht!

    Juli 21st, 2012 16:45
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    • freizeitsportler

      Und ich verstehe Sie nicht. Klar Olympische Spiele sind toll und keiner will sie verpassen. Auch toll, dass der DOSB Ihnen das ermöglicht und finanziert. Aber Ihr Start ist kein Gnadenakt. Deswegen sollten Sie nicht so unterwürfig argumentieren. Sie haben sich qualifiziert und haben ein Recht auf die Teilnahme. Es ist doch absurd, wenn Bach in Interviews mehr Respekt vor den Leistungsterägern fordert und diese gleichzeizig zu stummen Statisten degradiert werden sollen, die zwar springen/laufen/werfen können, aber ansonsten gefälligst zu schweigen haben. Welche Stimmung da herrscht zeigt doch auch die Tatsache, dass sowohl hier als auch anderswo Sportler/innen sich bestenfalls anonym trauen diesbezüglich etwas zu kommentieren. Wie Sie selbst übrigens auch. Hier wird Menschen mal eben so für zwei Wochen ganztägig das Recht auf freie Meinungsäußerung entzogen und Sie begrüßen das, weil es dafür „viele Sachen umsonst gibt“. Vorsichtig ausgedrückt: Sie verkaufen ihre Rechte zu billig.
      Klar fahren würde ich auch, aber man könnte von Seiten des DOSB, wenn das doch alles vom bösen IOC kommt, wenigstens mal laut protestieren und erklären, dass das mit unseren Werten nicht in Einklang zu bringen ist.

      Juli 22nd, 2012 11:15
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      16
  • Olympia-Starter

    Hallo Daniel,
    würde ich unter meinem Namen kommentieren, würde ich Probleme von meinem Verband oder der Sportförderung oder vom DOSB bekommen.
    Ich bin Dir sehr dankbar für deinen ausführlichen Text. Wir Athleten (ich weiss auch von einigen anderen, die die Thematik nicht anders als Du sehen) haben aber keine Wahl. Sollen wir dann auf Olympia verzichten? Das können wir uns nicht leisten, es ist unser großer Traum.
    Der DOSB ist in vielen Dingen undurchsichtig. Warum will man uns Athleten so behindern? Warum spielt man mit uns dieses falsche Spiel? Man will doch keine sozialen Netze, es sollen doch ARD und ZDF alles direkt vermarkten! Ich verstehe auch nicht wieso einige Athleten ohne Norm nach London fahren, medial gepuscht und unterstützt werden, andere hingegen auch ihre Leistung bringen und vom DOSB gar nicht erst erwähnt werden.
    Ich gebe alles für Olympia. Mein Training kostet Geld, die Flüge zu Wettkämpfen kosten Geld und letztlich kostet mich auch die Zeit eine Menge Geld. Auf der Suche nach privaten Sponsoren für Olympia aus meiner Heimatregion bin ich nicht fündig geworden. Gerade weil ich nicht mit einem Sponsor in der Zeitung der Region auftauchen darf und auch nicht im Internet mit ihm werben darf. Ich bin aber trotzdem froh in London dabei sein zu dürfen. Es kostet mich trotzdem mehr Geld als ich damit verdienen könnte.
    Hoffentlich bewegst Du was und kannst dafür sorgen dass sich etwas ändert. Du kannst Dir sicher sein, dass dein Text in der Olympiamannschaft gelesen und diskutiert wird!
    Viele Grüße.

    Juli 21st, 2012 16:12
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    17
  • Arian

    Ist der Generalsekretär nicht ein Grüner? Vielleicht mal überlegen wen man da kritisiert?

    Juli 21st, 2012 14:23
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    18
  • Lisa Welsch

    Guter Text. Warum schreibt das ein Politiker und kein Journalist? Der Sportjournalismus ist dermaßen verkommen (ich kenne die Szene), dort sind nur noch Fans unterwegs. Kritische Stimmen gibt es dort nicht mehr!

    Juli 21st, 2012 14:09
    Reply
    19
  • C0M

    Ich bin enttäuscht: du kennst den sport, du kennst die regeln. Die Vorgaben vom IOC erlauben es nicht Sponsoren mit einzubinden.
    Da ist der dosb völlig außen vor. Wenn der dosb gegen die Vorgaben des IOC verstößt gibt es sportpolitische Konsequenzen die keiner haben will.
    Einfach gegen die Dachorganisation des deutschen Sports zu schreiben und ihn als altmodisch darzustellen ist absoluter Humbug!
    Die New media Abteilung und vor allem das ganze Thema Wir für Deutschland ist vom Dosb initiiert und findet im gesamten sport und in den Medien riesigen Anklang.
    Altmodisch?
    Sozialistische?
    Schwachsinn!!!

    Juli 21st, 2012 14:07
    Reply
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    • Daniel Mack
      http://danielmack.de/about

      Welche Sponsoren ein Sportler auf seiner eigenen Internetseite einbindet und was er dafür bekommt oder nicht, ist Sache des Sportlers und nicht des DOSB. Ich beziehe mich übrigens nicht auf Vorgaben des IOC, sondern ausschließlich auf Dokumente des DOSB.

      Gerade von der „Dachorganisation des Deutschen Sports“, die Bundespräsident Joachim Gauck als Schirrmherr hat, erwarte ich, dass sie freiheitliche Positionierungen einnimmt und nicht – wie man sich sozialistische Sportorganisation vorstellt – die Kleiderordnung für private Anlässe oder Freizeitbeschäftigungen festlegt.

      Juli 21st, 2012 15:16
      Reply
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  • Sven

    Tja, Deutschlands Sport… ohne Sponsoren gehts aber auch nicht!!

    Juli 21st, 2012 13:19
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    22
  • Sebi

    Cooler Text. Endlich mal ein Politiker der sich auch um den Sport kümmert. Das tun viel zu wenige. Aber setzen sie sich auch ein dass solche Regeln nicht wieder vorkommen!!

    Juli 21st, 2012 12:57
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  • Frank

    „staatliche Sportorganisation sozialistischer Ordnung.“

    Harte Formulierung, aber richtig. Die Regeln gehören nach China…

    Juli 21st, 2012 12:44
    Reply
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