iA


Fingerprint Bad Orb: Bürgermeisterin hätte schneller handeln müssen

von Daniel Mack | Ein Kommentar
Durchschnittliche Lesezeit: fast 2 Minuten.


Meine Kritik an der Vorgehensweise von Bad Orbs Bürgermeisterin Helga Uhl im Hinblick auf die Fingerprint-Einlasskontrolle im Orber Freibad haben die jüngsten Entwicklungen noch einmal bestätigt. Ich schlägt eine Lösungsmöglichkeit vor, die keine komplette Demontage, sondern eine Umrüstung der Anlage bedeuten würde.

Nach der ersten Reaktion des Hessischen Datenschutzbeauftragen hätte die Stadt Bad Orb damit rechnen können, dass sie das ‘Fingerabdruck-System‘ aufgrund mangelnder gesetzlicher Vorschriften nicht weiter betreiben kann. Die TV-Berichterstattung im Juni hat deutlich gezeigt, dass den meisten Bürgern unwohl ist bei dem Gedanken, biometrische Daten abzugeben, nur damit sie ein Freibad betreten können.

Es ist spätestens an diesem Punkt unverständlich gewesen, dass Bürgermeisterin Uhl keine sofortige Umrüstung des Systems veranlasst hat. Auch auf das Drängen der Kommunalaufsicht in den vergangenen Wochen, dass angesichts der mangelnden Rechtsgrundlage das Fingerprintsystem als Einlasskontrolle für das Naturbad außer Betrieb zu nehmen sei, hätte die Rathauschefin reagieren müssen.

Nicht mehr hinnehmbar ist aber die Reaktion der Rathauschefin auf die Anweisung der Kommunalaufsicht des Kreises. Diese habe gefordert, „mit sofortiger Wirkung der datenschutzrechtlichen Beanstandung des Hessischen Datenschutzbeauftragten Folge zu leisten und das neue Kassensystem, soweit es die Abnahme von Fingerabdrücken erfordert, außer Betrieb zu nehmen“,worauf Helga Uhl erklärt haben soll, die Stadt Bad Orb könne dies nicht umsetzen. Schließlich ist die Stadt bereits vor mehreren Wochen auf die mangelnde Rechtsgrundlage aufmerksam gemacht worden und hätte Zeit genug gehabt, zu handeln.

Eine Umrüstung des bestehenden Systems ist laut Betreiberfirma Gantner Electronics zudem äußerst einfach. So ist der multifunktionelle Einsatz und das Variieren von verschiedenen Einlassmethoden eine Stärke des Systems. Es wäre also technisch kein Problem, das vorhandene System so umzurüsten, dass der Einlass ausschließlich über die bereits vorhandenen Smart-Cards und nicht mehr in Kombination mit einem Fingerabdruck erfolgen könne. Auch das Aufdrucken von Porträtfotos auf die Smart-Cards, um einem möglichen Missbrauch entgegenzuwirken, sei weder ein großer technischer Aufwand noch stelle es ein finanzielles Problem dar.

Quelle: Gelnhäuser Tageblatt, 22. Juli 2011

Weitere Artikel zum Thema Fingerprint im Bad Orber Freibad:

Ich glaub, ich schwimm im Pentagon (22.05.2011)

Fingerprint im Freibad: Hessenschau & Sat.1 17.30 (23.05.2011)

Fingerprint im Freibad: Big Brother Bad – Orb? (28.05.2011)

Fingerprint im Freibad: Stadtpolitik muss handeln (31.05.2011)

Bad Orber Freibad: Dauerkarte mit Foto statt Fingerprint (09.06.2011)

Ein Kommentar zu ‘Fingerprint Bad Orb: Bürgermeisterin hätte schneller handeln müssen’

  1. Sebastian Schwiebert sagt:

    Ich finde die Disskussion vom Grundsatz her falsch. Zwar bekenne ich mich als entschiedener Anti-Biometriker, aber die Praxis sieht doch ganz anders aus. Wenn ich das trojanische Pferd bereits in die Stadt gelassen habe, macht es meiner Meinung nach wenig Sinn, sich wegen eines nicht verschlossenen Portals auf die Barrikaden zu gehen.

    Meine Fingerabdrücke sind bereits seit Dez 2008 biometrisch erfasst, das nämlich war der Moment in dem mein vorheriger Reisepass ablief.

    Ich bin der festen Überzeugung dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis klammheimlich in einer Sommerpause beschlossen wird, den Kreis der Datenzugriffsberechtigten von BGS und BKA auch auf andere staatliche Stellen erweitert wird, so dass es spätestens zu diesem Zeitpunkt völlig egal wäre, wenn meine Daten plötzlich auch noch für ein Schwimmbad genutzt werden würden.

    Solange der Staat kontinuierlich an der Vollüberwachung seiner Bürger (z.B. Erstellung von Bewegungsprofilen via Handy, Gesichtserkennung an öffentlichen Plätzen) bastelt, ändert auch der kommunale Streit um einen Freibadzugang wenig.

    Als viel wesentlicher empfinde ich die finanzseitige Disskussion um die technische Umsetzung solcher Projekte. Was im Anfang noch mit Kostenersparnis durch Personaleinsparung gerechtfertigt wird, entpuppt sich nicht selten als Milchmädchen Rechnung.

    Vor dreißig Jahren hätte man ein paar Rentnern saisonweise einen Rentenzuschuss für das Abreissen der Eintrittskarten gezahlt, heute bezahlt man porschefahrende Berater für die Planung und Einführung von technischen Systemen, so daß man allein mit den Kosten während der Planungsphase die Rentner bis zum Grabstein dauerfinanzieren könnte.

    Letztendlich enden viele solcher Systeme damit, dass sie gestört abgeschaltet, mit einem “Außer Betriebsschild” versehen werden und nicht repariert werden, weil dem Freibad hierfür die Etatmittel fehlen.
    Erst dann wird der Hartz4-Empfänger zwangsverpflichtet, während sich die verantwortlichen Planungsausschuss-Mitglieder ihren nächsten Urlaub vom Systemhersteller bezahlen lassen.

    Ausgerechnet ich, der ich 10 Jahre lang als IT-Berater tätig war, bin der Meinung das es sinnvoll wäre, die Welt mal für einen kurzen Moment anzuhalten.

    Machen wir den Kassensturz und schau’n mal um wieviel besser unsere Umgebung durch die technische Vollautomatisierung geworden ist.

    Stattdessen schaffen wir weiterhin die letzten Jobs für Hilfsarbeiter und Rentenaufbesserer ab, nur um diese dann anschließend als Sozialschmarotzer zu beschimpfen, weil diese nun mangels Alternative auf staatliche Hilfszahlungen durch das Sozial- oder Arbeitsamt angewiesen sind. Wann endlich wird Lobbyismus mit Haftstrafen belegt?

Kommentieren

Bitte die Kommentarregeln beachten, um sicher zu gehen, dass der Kommentar freigeschaltet wird.