Fingerprint im Freibad: Stadtpolitik muss handeln

Zu den Beiträgen „Ich glaub, ich schwimm im Pentagon“ (22.05.2011) hier klicken und „Fingerprint im Freibad: Big Brother Bad – Orb?“ (28.05.2011) hier klicken.

Das Bad Orber Freibad ist kein Hochsicherheitstrakt. Ein Fingerabdruck-Scanner für ein Schwimmbad ist völlig übertrieben. Nach der vehementen überparteilichen Kritik und der ablehnenden Haltung des hessischen Datenschutzbeauftragten muss Bürgermeisterin Uhl dringend das Gespräch mit dem Hersteller des Kassensystems suchen, um Alternativen auszuloten.

Es ist nicht weiter hinnehmbar, dass der Bürgermeisterin seit Wochen eine ablehnende Stellungnahme des hessischen Datenschutzbeauftragten, Herrn Prof. Ronellenfitsch, vorliegt und diese von ihr ignoriert wird. Ronellenfitsch hält die Ausgestaltung des Zugangssystems zum Schwimmbad mit Fingerabdrücken datenschutzrechtlich für nicht zulässig. Die Erhebung derart sensibler Daten ohne eine bereichsspezifische Rechtsgrundlage hält er für unzulässig. So sei die Erhebung von Fingerabdrücken für Ausweisdokumente (Pass oder Personalausweis) normenklar im Pass- bzw. Personalausweisgesetz geregelt und die Nutzung dieser Daten diene hoheitlichen Zwecken. Auch der von Bürgermeisterin Uhl ins Spiel gebrachten Freiwilligkeit der Benutzung des Fingerprint-Systems hat der hessischen Datenschutzbeauftragte eine klare Absage erteilt. Von einer Freiwilligkeit kann nicht die Rede sein, wenn durch das Nichtbenutzen des Fingerprint-Automats höhere Wartezeiten entstehen. Helga Uhl muss einsehen, dass das System in dieser Form gescheitert ist.

Es ist technisch kein Problem das vorhandene System so umzurüsten, dass der Einlass ausschließlich über die bereits vorhandenen Smart-Cards und nicht mehr in Kombination mit einem Fingerabdruck erfolgt. Um einem möglichen Missbrauch entgegenzuwirken, könnte ein Porträt der Saisonkartenkunden auf die Karte gedruckt werden. In Kombination mit stichprobenartigen Kontrollen und ein bisschen Vertrauen in die treuen Saisonkartenkunden wäre ein organisiertes Weitergeben der Saisonkarten nahezu ausgeschlossen. Das ist ein sehr kostengünstiger Lösungsvorschlag.

Ich bin aber zufrieden, dass das Bewusstsein für die Sensibilität von persönlichen Daten durch die Diskussion geschärft wurde. Die TV-Berichte in Hessenschau und Sat.1 17:30 haben gezeigt, dass den meisten Bürgern unwohl ist, bei dem Gedanken biometrische Daten abzugeben, nur damit sie ein Freibad betreten können. Auch wenn ich in die, von Landrat Erich Pipa veranlasste, Prüfung der Kommunalaufsicht volles Vertrauen habe, muss sich die Bad Orber Stadtpolitik unabhängig davon mit Prof. Ronellenfitschs Ablehnung befassen und für eine möglichst schnelle und kostengünstige Lösung sorgen. In Zukunft sollte wieder, wie auf der Homepage der Stadt Bad Orb beworben, von „Schwimmen wie im klaren Bergsee“ und nicht vom „Fingerabdruck-Bad“ die Rede sein. Es ist schließlich der gelungene Mix aus frischem Quellwasser, den Erhebungen des Spessarts und des chemiefreien Beckens, der das Bad im Rhein-Main-Gebiet ursprünglich bekannt gemacht hat und für den viele Besucher weite Anreisewege in Kauf nehmen.

3 Kommentare

  1. Arno Sindler says:

    Ich finde ihren Vorschlag sehr nachvollziehbar. Das kostet ja dann auch nicht so viel. Haben sie da Zahlen zur Hand? Was sagt Frau Uhl dazu? Ich hoffe sie wird mal verstehen was sie angerichtet hat…

  2. Herr Landschreiber says:

    Klingt einleuchtend. Vielleicht besser so, sich dem Datenschutzmann zu beugen. Verstehen tu ichs aber nicht…

  3. Datenschützer (SPD) says:

    Cooler Vorschlag. Was sagt Frau Uhl dazu? Du kommunizierst wie ein Profi, sie wie eine blutige Anfängerin.

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