Fünf grüne Sterne: Die Gewinner 2012

2011 war das erfolgreichste Jahr der Grünen Parteiengeschichte. In Baden-Württemberg stellen die Grünen mit Winfried Kretschmann den Ministerpräsidenten. Bei allen Kommunal- und Landtagswahlen konnten sie große Gewinne erzielen und haben heute mehr Mandatsträger und Mitglieder als je zuvor. Im kommenden Jahr, mit nur einer Landtagswahl, werden die entscheidenen inhaltlichen und personellen Entscheidungen gefasst, die für die Bundestagswahl 2013 entscheidend sein werden. Wer wird diese Zeit prägen? Aus welchen Shootingstars werden Gewinner? Wer wagt das Comeback? Wem gelingt der Durchbruch?

Kerstin Andreae

Die Freiburgerin ist eine der profiliertesten Wirtschaftspolitikerinnen im Bundestag. „Ökologie und Ökonomie gehören zusammen und sind zutiefst soziale Fragen. Soziale Gerechtigkeit braucht den Markt, ökologische Innovationspolitik braucht den Markt. Wir Grünen haben die Soziale Marktwirtschaft zur Grünen Marktwirtschaft weiterentwickelt“, sagt Andreae. Den Spitzenkandidaten und Wahlkampfstrategen muss klar sein, dass die Grünen 2013 nur dann mitregieren werden, wenn sie es schaffen vernünftige wirtschaftspolitische Konzepte entwickeln und grüne Inhalte in breite Schichten der Gesellschaft zu transportieren. Kerstin Andreae wird in der Wahlkampfvorbereitung eine Schlüsselrolle zukommen. Kein Wunder, dass die Leser des Magazins für Politikkultur, CICERO, die Grüne Wirtschaftsexpertin in ihr Schattenkabinett als Bundesministerin für Wirtschaft und Technologie gewählt haben.

Robert Habeck

Der Kapitän der Nord-Grünen hält die Ausschließeritis für falsch. Vor möglichen Farbenspielen möchte der alleinige Spitzenkandidat im kommenden Landtagswahlkampf in Schleswig-Holstein inhaltiche Fragen zur Zukunft des Bundeslandes beantworten und es in eine andere politische Kultur führen. Inhalte sollen Koalitionsfragen beantworten. „Für die Grünen darf es aber keinen Unterschied machen, ob wir den Ministerpräsidenten stellen, mitregieren oder in der Opposition sind. Wir sollten überall die gleichen Antworten geben. Mich nervt, wenn nach der Wahl Versprechen einkassiert werden müssen, weil plötzlich alle überrascht sind, dass die Kassen leer sind. Es ist besser mehr zu halten, als zu versprechen.“ sagt der 41-jährige aus Flensburg.

Steffi Lemke

Schon seit neun Jahren ist sie die Bundesgeschäftsführerin der Grünen – länger und mächtiger als alle anderen vor ihr. 2012 wird sie für zwei weitere Jahre kandidieren und gewählt werden und wohl wieder in den Bundestag einziehen wollen, wo sie schon zwischen 1998 und 2002 in Regierunsverantwortung als Parteilinke mit Christian Ströbele gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr stimmte. Parteistrategin Lemke steht wie Künast und Trittin für eine enge Bindung der Partei an die SPD und wird entsprechend 2012 einen rot-grünen Bundestagswahlkampf vorbereiten. Einen Think-Tank dazu hat sie bereits mit ihrer SPD-Freundin Andrea Nahles gegründet. Ob dieses Lagerdenken erfolgreich ist, wird sich im September 2013 zeigen.

Reinhard Bütikhofer

Der Stratege ist erfahren, kompetent, hat eine eine hohe Glaubwürdigkeit und weiss wie die Partei tickt. Der langjährige Vorsitzende und Vordenker wird gebraucht, um den erlahmten Reformer-Flügel wieder mit Leben, Ideen und Konzepten zu füllen. Die einstige Ideenwerkstatt muss vermehrt jüngere Mitglieder ansprechen. Reinhard Bütikhofer mischt sich ein und äußert seine Meinung: auf Twitter in 140 Zeichen, in seinem Blog in längeren Analysen. So kritisierte er Künasts Versuch, gemeinsam mit Jürgen Trittin künftig schwarz-grüne Bündnisse auszuschließen. Für solche „Ausschließeritis-Orgien“ seien „zwei Berliner Obergrüne“ zu Recht von Parteifreunden „aus der Provinz zurechtgewiesen worden“ schrieb er auf reinhard-buetikofer.de. „Wir sind ausgebrochen aus einer Welt, in der man als Grüner nur entscheiden konnte, wo man Junior ist“ sagte Bütikofer dem Tagesspiegel nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg.

Toni Hofreiter

Seit der Ernennung von Winfried Hermann zum baden-württembergischen Verkehrsminister, sitzt der Bayer dem Verkehrsausschluss des Bundestages vor. Nach den kritikreichen Verkehrsprojekten Stuttgart 21 und A 100 in Berlin, möchte Toni Hofreiter den Blick vom Widerstand gegen einzelne Projekte stärker auf die Gesamterfordernisse des Verkehrsnetzes richten: „Anstatt auf sinnlose, teure Großprojekte muss sich die Politik auf kleinere und dafür schnell umsetzbare Maßnahmen konzentrieren“. Mit der Übernahme der Koordination des Linken Parteiflügels wird der rot-rot-grün-Befürworter in Zukunft eine wichtige Rolle in Bezug auf personelle und programmatische Entscheidungen spielen.

8 Kommentare

  1. Arne says:

    Lehrreicher Beitrag. Bereichernd, wenn man das Thema auch mal aus einem anderen Blickwinkel beschrieben lesen kann.

  2. Benedikt says:

    Der größte Gewinner wird Jürgen Trittin sein. Künast ist schwach, Özdemir eine Flasche, Claudia Roth finden alle peinlich.

    Oder hast du ihn absichtlich ausgelassen?

  3. Ben says:

    Hallo Daniel,

    wo sind Gerhard Schick, Sven Giegold, Sven-Christian Kindler, Astrid Rothe Beinlich oder andere?

    Bütikofer will doch keiner mehr sehen!

  4. Fundi says:

    Warum genau wird Bütikofer wichtig sein?

  5. Laura says:

    Ein kommender Gewinner: Daniel Mack

    Verlierer des Jahres: Deine Ex-Fraktion mit den Zensoren an der Spitze.

  6. Dennis says:

    Krass, ich dachte erst an Künast und Roth. Aber du hast schon recht.

    Fetter Beitrag!!

  7. Leser says:

    Schade dass Ströbele und Schick keine Erwähnung finden. Ansonsten aber ein ganz netter Beitrag. Gut geschrieben.

  8. Matthias Senger says:

    Hallo Daniel,
    du hast Sven Gigold vergessen. http://www.sven-giegold.de Oder ist er absichtlich kein Gewinner 2012?

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