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Leichtathletik-WM: Bolt-Show und deutsche Erfolge ein Jahr vor Olympia

von Daniel Mack | 7 Kommentare
Durchschnittliche Lesezeit: etwa 5 Minuten.


Gastbeitrag

Die 13. IAAF Leichtathletik-Weltmeisterschaften im südkoreanischen Daegu, bei denen seit dem 27. August Athleten aus 199 Ländern am Start waren, endeten mit einem Knalleffekt. Die Staffel um den Sprint-Star Usain Bolt rundete eine gelungene WM in Südkorea ab. In 37,04 Sekunden sicherte sich das Quartett um Nesta Carter, Michael Frater, Yohan Blake und eben diesem einen Usain Bolt einen neuen Weltrekord, der Lust auf mehr macht. Vermisst wird der Weltjahresbeste Asafa Powell dabei scheinbar nicht, dennoch wäre mit Powell vielleicht auch eine Zeit unter 37 Sekunden möglich gewesen. Nach wie vor sprengt das jamaikanische Sprintteam eindrucksvoll alle Dimensionen. Die als Mit-Favoriten eingestuften US-Amerikaner scheiterten wiederholt an sich selbst. Wie schon 2009 in Berlin war es Darvis Patton, der den Staffelstab nicht übergeben konnte und mit einer Bauchlandung beim letzten Wechsel in Erinnerung bleiben wird.

Nicht nur die Amerikaner mussten die ein oder andere Niederlage hinnehmen. Usain Bolt selbst „verzichtete“ durch einen brachialen Fehlstart auf seine sichere Goldmedaille über 100 Meter, die ihm nach seinen Vorstellungen in Vorlauf und Halbfinale ein jeder der Offiziellen ohne Wenn und Aber überreicht hätte. Es war klar: Nur ein Bolt, kann einen Bolt schlagen. Genau so ist es dann auch gekommen. Immerhin zählt der Jamaikaner nun auch noch zu den schnellsten „Trikot-Ausziehern“ der Welt und wirkt wieder etwas menschlicher. Aber wie konnte das passieren? Von einem Start, bei dem man „auf’s Ganze geht“, kann man keineswegs sprechen. Hat Yohan Blake wirklich gezuckt oder war der Fehlstart gar inszeniert? Auf diese Frage gibt es keine Antwort. Warum sollte ein Athlet, der es schon im Vorlauf allen zeigen wollte und bereits in den letzten Jahren allen gezeigt hat, mit voller Absicht einen Fehlstart provozieren?

Dass es auch noch im „hohen Sprintalter“ von 35 Jahren gut läuft, hat der Weltmeister von 2003, Kim Collins gezeigt. Er, der älteste Finalist und lag nach 50 Metern vorne. Lediglich Yohan Blake, der neue Weltmeister und Walter Dix (USA) konnten ihn noch abfangen. Bronze für den Oldie.

Über die doppelte Distanz folgte die „Bolt-Show“. Wer seine Leistung so klar und deutlich bringt, darf auch eine solche Show veranstalten, da sind sich die Fans einig. In 19,40 Sekunden siegte Bolt deutlich vor Walter Dix (19,70 s) und Christophe Lemaître (FRA), der mit seiner Zeit von 19,80 Sekunden einen neuen Landesrekord aufstellte.

Ein Blick auf den Medaillenspiegel zeigt ein auf Rang fünf gut platziertes Deutsches Team. 7 Medaillen, davon jeweils drei goldene und drei silberne sollten es am Ende der Welttitelkämpfe im südkoreanischen Daegu sein.

Freuen konnten sich dabei auch die deutschen Zehnkämpfer um Pascal Behrenburch (7.) und Jan Felix Knobel (8.), die mit 8211 bzw. mit 8200 Punkten zu überzeugen wussten. Sieger wurde – wie es anders kaum zu erwarten war – der US-Amerikaner und Titelverteidiger Trey Hardee mit 8607 Punkten.

Von der – nach der Glanzleistung von Speerwerfer Matthias de Zordo, der mit 86,27 Metern Weltmeister wurde – versprochen Schlussoffensive, war bis auf die Silber-Medaille von Betty Heidler im Hammerwurf nicht viel zu sehen. Die Weltrekordlerin musste sich mit 76,06 Metern mit Rang zwei hinter Russin Tatjana Lyssenko (77,13m) zufrieden geben und war „zu 99 Prozent enttäuscht.“ Das lässt auf London 2012 hoffen.

Was die Hoffnungen in die beiden 4×100-Meter-Staffeln der Bundesrepublik angeht, sprachen die Kommentatoren von Eurosport ganz richtig von „Kontinuität auf hohem Niveau“, denn beide Staffel verpatzten einen Wechsel. Bei den Damen waren es Yasmin Kwadwo (TV Wattenscheid 01) und Anne Möllinger (MTG Mannheim), die aufgrund einer Behinderung durch eine Schweizer Nebenläuferin um die Endlaufteilnahme gebracht wurden. Bei den Männern waren die DLV-Jungs selbst schuld. Der Wechsel war nicht gut koordiniert und die Konzentration war scheinbar nicht ausreichend. Immerhin konnten sich beide Staffeln so den neuen Weltrekord der Jamaikaner in aller Ruhe aus nächster Nähe anschauen, auch wenn ein Finale mit deutscher Beteiligung schöner gewesen wäre.

Ohne diese „Flops“, wäre eine Leichtathletik-WM keine Leichtathletik-WM. Zwei Medaillen weniger als in Berlin sind es für Deutschland geworden, dafür eine Gold-Medaille mehr. Ein zufriedenstellendes Resultat, da auch Athleten um Verena Sailer (MTG Mannheim), Ariane Friedrich (LG Eintracht Frankfurt) und Carolin Nytra (MTG Mannheim) aufgrund von Verletzungen nicht an den Start gehen konnten. Ob sich die deutsche Leichtathletik für die Olympischen Spiele in London mehr erhoffen kann, ist fraglich. Die Normen des DLV liegen teilweise höher als jene, die die IAAF festlegt.

Mehr als positiv zu bewerten sind die Leistungen von David Storl, der im Kugelstoßen die Elite dieser Welt beeindruckte. Mit seinen 21 Jahren und einer fantastischen Leistung von 21,78 Metern, ist er der jüngste und erste deutsche Weltmeister in dieser Disziplin. Respekt! Diesen Respekt hat auch „Der Harting“, der im Diskuswerfen trotz Knieproblemen überzeugte und seinen Titel von Berlin verteidigen konnte, verdient.

Ebenso wird man sich mit Sicherheit auch an den Blade-Runner Oscar Pistorius  erinnern, für den erst im 400-Meter-Halbfinale Schluss war. Am Schlusstag gewann der Südafrikaner allerdings mit seiner Staffel eine Silber-Medaille über die 4×400 Meter. Wahnsinn! Allerdings wird sich der schnellste Mann ohne Beine wohl entscheiden müssen: Olympia und Paralympics im kommenden Jahr nacheinander zu bestreiten, geht wohl nicht. In der Vergangenheit hat man ihn wegen „Techno-Dopings“ nicht starten lassen. Diese Diskussion um die  Chancengleichheit scheint sich nun beruhigt zu haben. Die Zuschauer erfreuen sich an dem sympathischen Athleten und dürfen gespannt sein, ob sie ihn nun bei den Olympischen Spielen oder ein paar Wochen später bei den Paralympics bestaunen dürfen.

Eher enttäuschend waren dagegen die Leistungen der Athleten auf den Langstrecken. Von Tempo war zumeist zu Beginn der Läufe nicht viel zu sehen. Viel eher konnte man von „Bummelzügen“ sprechen, teilweise fiel bei den Kommentatoren sogar das Wort „lächerlich“. Dass es aber auch schnell geht, zeigte über die 10.000-Meter-Strecke Mohamed Farah (GBR), der die letzte Runde in fantastischen 53,36 Sekunden absolvierte, sich aber nach 25 Runden mit Rang zwei zufrieden geben musste. Dennoch sicherte sich der Brite seine verdiente Gold-Medaille später im Rennen über die 5000 Meter in 13:23,36 min knapp vor Bernard Lagat (USA, 13:23,64 min).

Leistungen, Bilder, Emotionen – das ist es, was nach dieser WM in Daegu in Erinnerung bleiben wird. Besonders aber auch, dass sich ARD und ZDF dazu entschlossen haben, dieses Event komplett live zu übertragen. Vielleicht sehen wir in den nächsten Jahren ja noch den ein oder anderen erfolgreichen jungen deutschen Athleten mehr, für den es sich allemal lohnen wird, wieder einzuschalten. Es gibt eben doch mehr, als „nur“ Fußball.

Über den Autor:

Daniel Schüler sprintet 100 Meter nur eine knappe Sekunde langsamer (Bestzeit 11,02 Sek.) als Usain Bolt, ist ausgebildeter Stadionsprecher und verfolgte die 13. IAAF Leichtathletik Weltmeisterschaft in Daegu vor dem Fernseher sowie auf Twitter.

7 Kommentare zu ‘Leichtathletik-WM: Bolt-Show und deutsche Erfolge ein Jahr vor Olympia’

  1. Sven Weidner sagt:

    Und das Thema Doping?

    • Hallo Sven,

      zum Thema Doping folgendes:
      Trotz der Rekordzahl von mindestens 2.348 Kontrollen gab es bis zum Schlusstag der WM in Daegu noch keinen Dopingfall (Erstmals wurde JEDER Athlet kontrolliert). Jetzt muss ein jeder selbst überlegen, ob einfach niemand gedopt hat, oder die Methoden der Betrüger besser sind, als diejenigen, die den Kontrolleuren zur Verfügung stehen.

      Liebe Grüße

  2. Reinhard Wicker sagt:

    Erstmal Gratulation zur Zeit, Herr Schüler! Ich bin selbst mal 10,5 Sek gelaufen.

    Mich würde interessieren, ob ARD & ZDF auch weiterhin Leichtathletik übertragen. Oder liegt es daran, dass die WM in den Nachmittagsstunden stattfanden. Politiker wie Herr Mack sollten sich dringlich dafür einsetzen!

    Gruß

  3. Leser sagt:

    3 Gold Medaillen klingt gut. Fragt sich aber auch, ob man das in London halten kann oder ob die Stammkräfte dann wieder versagen. Ich bin skeptisch. Die deutschen Sprintleistungen sind ja zum vergessen. Langstrecke ebenfalls…

    Cooler Gastbeitrag!

    • Danke!
      Deine Skepsis ist nachvollziehbar. Ich hoffe, dass sich hinsichtlich dessen bald noch etwas in der deutschen Leichtathletik tut und wir wieder ein wenig aufschließen können. Carsten Schlagen hätte über die 1500m sicherlich eine ordentliche Leistung zeigen können… Mit Spannung geht’s also nach London!

  4. Benny1675 sagt:

    Guter Überblick. Es sind dann aber doch weniger Medaillen als in Berlin 2009. Man hätte doch noch etwas mehr erwarten dürfen. Trotzdem schön zu sehen, wie sich die Leichtathletik weiterentwickelt und junge Gesichter den “alten Laden” etwas beleben.

    10.90 Sekunden? Respektable Leistung. Ist das nicht fast deutsche Spitze?

    Gruß

    Benny

    • Hallo Benny,

      danke dir! :)
      Nein, 10,90 respektive 11,02 Sekunden sind noch lange deine Deutsche Spitze, aber es ist okay.
      Ich muss gestehen, dass ich selbst nicht mehr erwartet habe als in Berlin. Die Ergebnisse entsprechen schon ungefähr meiner Vorstellung… :)

      Liebe Grüße

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