Goldklasse: Der Frauenfußball auf dem Weg an die Spitze

von Priska Hinz und Daniel Mack

Die sechs nationalen Großsponsoren der Frauen-WM lesen sich wie ein Auszug aus dem Dax. Der Aufkleberfabrikant Panini hat erstmals ein Frauen-WM-Album herausgebracht, die Deutsche Bahn hat einen ihrer ICEs mit dem Logo der Frauen-WM beklebt und auch die Sportartikelhersteller werben gleichberechtigt mit Frauen neben Özil und Schweinsteiger. Fußball ist in Deutschland zum erfolgreichsten und beliebtesten Mannschaftssport von Frauen geworden.

Kein Wunder! Schließlich haben die Damen bewiesen, wovon die Herren seit 21 Jahren nur träumen können: Sie sind die beste Mannschaft der Welt. Die Frauen-Nationalmannschaft hat mit ihren Erfolgen eine Menge für das Ansehen dieser Sportart getan und genießt hohe Sympathiewerte in der Bevölkerung. Die Zeiten, in denen die besten Fußballerinen gerade mal eine kleine Aufwandsentschädigung und Benzingeld von ihren Clubs erhielten, sind längst vorbei. Trotzdem können gerade mal die besten Frauen im deutschen Fußball von ihren Clubgehältern leben. Während die Innenminister der Bundesländer über eine Kostenbeteiligung der Vereine an den Polizeiansätzen während Bundesligaspielen diskutieren, funktioniert der Frauenfußball fantastisch: keine besoffene Herrengruppen, keine grölende Fans und auch keine Bengalos. Dafür ausverkaufte Stadien, Polizisten mit Volunteerfunktionen und hohe Einschaltquoten. Kein Wunder! Technik, Taktik, Tore, am Ende sogar Spannung. Bei Fehlpässen geht ein Raunen durch die Stadien und bei strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen wird auch mal gepfiffen. Frauenfußball ist mehr als nur La Ola. Eine Runde Sache, der Frauenfußball.

Dabei vertritt Silvia Neid eine moderne Philosophie: Das offensive, direkte Spiel über die Flügel ist das Markenzeichen der Mannschaft und Spielerinnen wie Superstar Lira Bajramaj müssen in Sachen Taktik, Fitness, Athletik und Ästhetik keinen Vergleich scheuen. Kein Wunder, dass die Länderspiele der DFB-Frauen mit bis zu 30.000 Besuchern oft ausverkauft sind und auch zu Top-Spielen der Bundesliga bis zu 3.000 Zuschauer kommen. Das ist moderner, dynamischer Fußball von hoher Qualität.

Die steigende Akzeptanz und zunehmende Beliebtheit des Frauenfußballs in Deutschland schlägt sich auch statistisch nieder. Über eine Million Frauen und Mädchen sind Mitglied im Deutschen Fußball Bund (DFB). Der Frauenfußball hat durch die WM in Deutschland eine große Chance, sich rund um den Erdball weiter zu entwickeln. Die Entwicklung des Frauenfußballs wird sicher schneller vorankommen als sie es ohne die WM getan hätte.

Spitzenfußball bei den Frauen hängt immer auch mit Nachwuchsförderung zusammen. Für immer mehr Mädchen wird Fußball eine interessante Sportart. Erfolgreiche Sportlerinnen bieten Identifikationsmöglichkeiten und haben eine Vorbildfunktion für Mädchen. Wie der Sport insgesamt kann Frauenfußball eine wichtige integrationspolitische Rolle spielen. Durch seinen verbindenden Charakter unterstützt er die Integration von Migrantinnen und Migranten sowie den Austausch zwischen sozialen Gruppen und Generationen auf eine spielerische und ungezwungene Weise. Die Mitgliedschaft in Vereinen und die Teilnahme an Turnieren bietet die Gelegenheit, verstärkt am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Jetzt gilt es den Frauen- und Mädchenfußball verstärkt zu fördern und sich für eine stärkere Präsenz von Frauenfußball in der öffentlichen Wahrnehmung und im öffentlich-rechtlichen Rundfunk neben der Männer-Bundesliga einzusetzen.

Schon bei vergangenen großen Turnieren der Männer war ein Trend zu beobachten. Die überwältigende Mehrheit unserer Gesellschaft hat das vermeintliche Kräftemessen der Nationen in das umgedeutet, was es längst ist: ein globales Fest der Kulturen mit einer geballten Vielfalt. Die 73.000 Zuschauer(Europarekord im Frauenfußball!) des Eröffnungsspiels im Berliner Olympiastadion waren ein Partypublikum der Extraklasse. Männer in Bajramaj-Shirts, Frauen in Lahm-Trikots vom letzjährigen WM-Sommer und viele Kinder sorgten für eine einzigartige familiäre Atmosphäre. Die WM 2011 ist ein großes Fest.

 

25 Kommentare

  1. Füller says:

    Der Fehler bei den Machern dieser Frauen Fussball WM war, dass sie dachten, Frauen würden sich mehr für das Spiel Fussball interessieren, wenn es Frauen spielen. Sicher haben jetzt mehr Frauen Fussball geguckt, aber im Alltag wird doch jetzt keine Frau, die sich vor der WM nicht für Fussball begeistert hat, plötzlich zu Spielen der Frauen-Bundesliga gehen.

  2. Hallo Ihr beiden,
    schöner Artikel, aber ich bitte auch nach dem Aus für die deutsche Frauenfußballnationalelf um weiterhin Objektivität für die Trainerin. Beispiel: „Dabei vertritt Silvia Neid eine moderne Philosophie: Das offensive, direkte Spiel über die Flügel ist das Markenzeichen der Mannschaft“ steht im Text und das gilt auch weiterhin, oder etwa nicht? Siege oder Niederlagen werden immer gemeinsam errungen und es ist eine Männerbotschaft, dass Misserfolge immer nur noch einen Schuldigen kennen.

    • daniel mack says:

      Grundsätzlich gilt das noch. Gegen Nigeria und Japan war von der bekannten Leichtigkeit nichts mehr zu sehen.
      Ich finde es nicht falsch, wenn man sich kritisch mit Neids Vorbereitung auseinandersetzt. Im Gegenteil: Die vielen Analyseversuche zeigen wie ernst der Frauenfußball genommen wird. Das zeigt: Er ist angekommen. In der Mitte der Gesellschaft.

      Jetzt feiern wir das Turnier zu Ende :-)

  3. Benno says:

    Wenn es nur um Fußball der Frauen ginge, die gegen andere Frauen spielen, wäre alles wunderbar. Aber da werden in den Medien Vergleiche angestellt („3. Plätze sind was für Männer“ oder „Prinz ist gegenüber Pele der bessere Fußballspieler“). Alle Spiele der Weltmeisterschaft der Frauen laufen im Fernsehen. Der Werbung im Fernsehen, auf Plakatwänden, in Zeitschriften etc. kann sich niemand entziehen. Viele bekommen aber nicht einmal mit, dass gleichzeitig die Europameisterschaft der Gehörlosen im Fußball in Dänemark, Meisterschaften in Südamerika und von Jugendlichen ausgetragen werden.

  4. Matti Merker says:

    Hallo Daniel,
    hallo alle zusammen,

    ein schöner pro/contra Artikel zur Frauen-WM auf SPON:
    „Zwischenbilanz der Frauen-WM: Doping, Handspiel und die Welle“
    http://www.spiegel.de/sport/0,1518,772992,00.html

    Trotz des großen Erfolgs (Zuschauerrekorde, Medieninteresse, Einschaltquoten) der diesjährigen Frauen-WM ist nicht alles Gold was glänzt (Leistung der Mannschaften & Schiedsrichterinnen, Atmosphäre außerhalb der Hochburgen, Doping). Der Frauenfußball hat bisher einen großen Schritt gemacht, jedoch auch noch einen langen Weg vor sich.

    Viele Grüße Matti

    • daniel mack says:

      zu den leistungen der mannschaften: du hättest das spiel deutschland vs. frankfreich und schweden vs. usa sehen müssen. extrem große unterschiede zwischen den teams sind nicht festzustellen (ein 8:0 wie 2007 gegen argentinen gab es nicht mehr…). das spricht für eine höhere leistungsdichte und qualitativen fußball.

      der frauenfußball ist auf dem weg. warum? weil die entwicklung erst ab der spielerlaubnis in den 70ern beginnen konnte. schau dir mal bilder von damals an und vergleiche mit heute. welten!

      gerade das spiel schweden vs. usa hat das hohe technische niveau des frauenfußballs gezeigt.

      ps: warum der frauenfußball mit dem der herren verglichen wird, kann ich nur schwer nachvollziehen. hat jemand becker und graf verglichen? nein. also!

    • Matti Merker says:

      Lieber Daniel,

      mit Sicherheit hat sich die Leistungsdichte im Frauenfußball seit den 70ern deutlich verbessert und das Spiel zwischen den USA und Schweden zeigt dies sehr deutlich. Bei diesem Spiel handelte es sich allerdings auch um ein Topspiel und im Vergleich zum Spiel zwischen Kolumbien und Nordkorea liegen hier Welten.

      Natürlich vergleichst auch du den Frauen- mit dem Herrenfußball, sonst würdest du z.B. nicht die Verbesserung der Technik ansprechen. Außerdem ziehst du unterbewusst immer wieder Parallelen z.B. bei den Zuschauerzahlen oder der Begeisterung um die WM.

      Viele Grüße Matti

  5. Ulli says:

    Keinen Alkoholmißbrauch……bei ihnen ist wahrscheinlich jeder mit nem Bier in der Hand schon Alkoholiker.

  6. Florian says:

    Das das Leistungsniveau bei dieser WM nicht so hoch ist, wie bei der WM der Männer ist doch nur logisch. Fußball war bisher immer ein Männersport und die Auswahl an Spielern ist bei den Männdern um soviel höher. Wer anderes erwartet hat, sollte lieber vorher nachdenken, bevor er die Medien für einen denken lässt.
    Und trotzdem schaue ich mir spiele, wie gegen Nigeria, sehr gerne an. Wer da von zu wenig Körperkontakt schreibt, sollte Wrestling schauen.
    Warum gibt es hier so viele, die sich gegen die WM aussprechen, sie aber trotzdem schön brav verfolgen, nur um sich dann zu beschweren?
    Wenn ihr es nicht mögt und lieber anderes schauen wollt, hindert euch doch keiner daran.
    Oder werdet ihr von irgendwem gezwungen?!

    mfg, Florian N.

  7. Pluto says:

    Wenn Sie ernsthaft der Meinung sind, Sie hätten guten Fußball gesehen, sorry, dann haben Sie von dieser Sportart wirklich keinerlei Ahnung. Was Sie allerdings richtig erkannt haben, dass Wetter ist beschissen! Schönen Gruß zurück…

  8. Matti Merker says:

    Hallo Daniel,

    es ist zu hoffen, dass die Frauen-WM eine nachhaltige Auswirkung auf den Frauenfußball hat und um noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt. Hierbei tritt der Frauenfußball nicht nur mit den Männern, sondern auch mit vielen anderen Sportarten (z.B. Leichtathletik, Handball, Wintersport, Formel 1 oder Basketball) in Konkurrenz. Natürlich haben auch diese Sportarten ihre Daseinsberechtigung (bei Frauen und Männern) und müssen unterstützt werden, da sie ohne Unterstützung kaum überleben können. Dass dies funktioniert zeigen weitere Beispiele von anderen Sportveranstaltungen z.B. die Handball-WM, Eishockey-WM oder die Leichtathletik-WM in Berlin. Überall waren die Plätze gefüllt und die Einschaltquoten gut :) .

    Der Startschuss der Massenbegeisterung war allerdings mit Sicherheit die Fußball-WM 2006 der Herren, welche sich jetzt noch nachhaltig auf die Sportwelt wirkt.

    Es regiert halt immer noch König-Fußball (und nicht Königin) in Deutschland.

    Viele Grüße Matti

  9. meintFlow says:

    Das sie nicht mit Männern vergleichbar sind ist doch biologisch von der Physis klar, aber da hat ja nicht mal die Ballannahme geklappt! Und das bei dem Trainingspensum!
    Ein bisschen mehr müssen sie schon bieten meine Damen!!

  10. André Mayer says:

    Ich habe bei der Herren WM gute und schlechte Spiele gesehen. Bei den Damen ist dies nicht anders . Da ich sehr viel Fussball Bundesliga schaue und viele Spiele furchtbar langweilig sind kann ich das gemosere einiger Leute nicht verstehen. Wer will schaut die Damen WM und freut sich auf eine schöne Veranstaltung in Deutschland. Wer nicht will, drückt auf die Fernbedienung und schaut etwas anderes.

  11. Hochseekapitän says:

    Jede viertklassige ostfriesische Frauen Boßelmannschaft hat mehr Qualität und Attraktivität, wie dieser Hühnerhaufen von deutschen Frauen Fußballerinnen…

  12. Benedikt says:

    Ob man den Frauenfußball nun mag oder nicht… So einen Schwachsinn unter den Kommentaren habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Gefrustete Wichtigtuerei! Wer sich hier wundert, dass der Frauenfußball anders aussieht als der Männerfußball hat es noch nicht kapiert.

  13. Roter Bub says:

    Langweiliges Gekicke, hektisches Ballwegschlagen, wenn eine Gegnerin nur im Anmarsch ist, kein Direktspiel, keine Aufsehen erregenden Dribblings, planloses Gebolze… Viel Spaß!

  14. harald w. says:

    Ihr Text liest sich gut. Aber unterstützen sie auch den Fußball im Kreis?

  15. barbarafuchs says:

    ich bin begeistete Männerfußball-Anhängerin und mag eigentlich kein Frauenfußball. Meine Meinung habe ich gestern Abend revidiert. Super Fußball – super Tore! Hoffentlich kann ich noch drei Spiele unserer deutschen Mädels anschauen.

  16. Fußballexperte says:

    Sprinten Frauen in der Leichtathletik gegen Männer? Nein. Der Frauenfußball hat, das haben Hinz und Mack richtig erkannt, eine extreme Entwicklung hinter sich.

    Eine La Ola für den Text.

  17. Altintopfan says:

    Nichts als als ein künstlicher ARD und ZDF-Hype!

  18. kritiker says:

    schon mal ein kreisligaspiel geschaut? dort ist nicht nur die passquote höher… der fußball ist auch ansehnlicher!

  19. Rampensau says:

    Und Alice Schwarzer hat Korrektur gelesen?

  20. Lisa Weimann says:

    Ich finde den Artikel sehr gut. Die Frauen WM hat doch alle Erwartungen übertroffen. Hat denn wirklich jemand mit vollen Kneipen und Public Viewing in den Städten gerechnet? Viele Orte sind ja jetzt erst auf die Idee gekommen Veranstaltungen dazu zu organisieren.
    Anstatt Texte zu schreiben und mit dem Thema auf Stimmenfang zu gehen, sollten Politiker auch an die Zeit nach der WM denken. Wie stellen sie sich den Frauenfußball dann vor? Über die Spiele der Bundesliga wird ja nicht berichtet. Der positive Effekt der drei Wochen wird also ganz schnell verstummen.

  21. m_tweep says:

    Hallo Herr Mack,
    schön, wie sie mit Frau Hinz versuchen, eine nicht vorhandene WM-Stimmung in ein Anti-Deutsches-Fußballfest umzudeuten. Warum äußern sie sich zu jedem Sportevent und nicht zu den wichtigen Dingen im Leben?

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