Interview zu Atomkraft & Atomausstieg

Die Risiken der Atomkraft werden neu bewertet. Welche Argumente zählen für Sie und zu welchen Schlussfolgerungen gelangen Sie?

Zuerst ein Spendehinweis für die Erdbebenopfer des Seebebens vor Japan: mit einer SMS und dem Text „adh10“ an die Nummer 81190 spenden Sie 10 Euro an „Aktion Deutschland Hilft“

Die Ereignisse in Japan machen überdeutlich, was der Begriff „Restrisiko“ konkret meint. Die Katastrophe von Fukushima zeigt, dass kein Atomkraftwerke weltweit vor einer Kernschmelz geschützt ist, auch in Deutschland nicht. Die Kernschmelze ist kein erdbebentypisches Risiko, sie kann immer auftreten, wenn der Strom ausfällt und Notstromaggregate versagen. Fukushima lehrt uns: Das Risiko einer Kernschmelze darf nicht länger ignoriert werden. Hier hilft keine Nachrüstung. Hier hilft nur, dieses Risiko so schnell wie möglich durch Stilllegung zu mindern. Als Konsequenz aus der Atomkatastrophe in Japan müssen die sieben ältesten Reaktoren (Biblis A und B, Neckarwestheim 1, Brunsbüttel, Isar 1, Unterweser und Philippsburg 1) und das Pannenkraftwerk Krümmel sofort & dauerhaft stillgelegt werden.

Kritiker sagen, dass hinter mancher Kehrtwende in der Atomdebatte vor allem politisches Kalkül stehe, angesichts anstehender Wahlen…

Die 180-Grad-Wende der Bundesregierung vor den Wahlen zeigt, dass sie mit dem Thema Wahlkampf macht. CDU & FDP haben bisher auf dem Schoß der Atomkonzerne gesessen und nichts anderes vertreten als deren finanzielle Interessen. “Moratorium” ist nur ein Fremdwort für die Kunst des Vergessens.

Wie verlässlich sind Ihre aktuellen Standpunkte in der Frage der Kernenergie?

„Atomkraft? Nein Danke!“ powered by Bündnis 90 / DIE GRÜNEN since 1981.

Kann Deutschland alleine aussteigen oder muss Europa mitziehen?

Wem jetzt noch immer nicht klar ist, dass die Nutzung der Atomenergie ein Irrweg ist, dem ist nicht zu helfen. Unser Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein echter Exportschlager. Über 40 Staaten, viele in der EU, haben das EGG zum Vorbild für die eigene Fördergesetzgebung genommen. Auch beim Atomausstieg muss Deutschland Vorbild für Europa sein.

In welchem Zeitrahmen ist ein Ausstieg möglich?

In den nächsten Wochen können wir nicht alle Atomkraftwerke abschalten. Wir müssen klären, ob wir den Atomausstieg (Atomkonsens) von 2002 beschleunigen können. Der Anteil der erneuerbaren Energien ist stärker gestiegen, als gedacht. Das heisst: Wir können schneller raus aus der Atomkraft. Vor 2020!

Ist die Frage nach den Kosten für einen Ausstieg angesichts der Katastrophe in Japan noch legitim?

Bisher hat die Atomwirtschaft den Staat über 200 Milliarden Euro gekostet.Wir müssen auch aus Kostengründen aussteigen und mit einer echten Energiewende im Main-Kinzig-Kreis Ökonomie und Ökologie verbinden. So schaffen wir zukunftsfähige Arbeitsplätze vor Ort, schützen Klima & Umwelt & sparen Geld.

Interview mit dem Gelnhäuser Tageblatt (erschienen am 19.03.2011).

Ein Kommentar

  1. bhf says:

    Die Atomkraft in Hessen ist am Ende. Einfach so. Über Nacht. Da muss in Japan was passieren und schon gehts. Rund 37 Jahre nach seinem Start steht das älteste deutsche Kernkraftwerk Biblis A in Hessen womöglich vor dem endgültigen Aus. Das hessische Umweltministerium hat den Energiekonzern RWE angewiesen, das Atomkraftwerk Biblis A herunterzufahren. Die am Freitag zugestellte Verfügung umfasst auch den derzeit ohnehin stillstehenden Block B und wird mit einem Gefahrenverdacht begründet. Der Betreiber RWE will am Weiterbetrieb des Meilers nach dem dreimonatigen Atom-Moratorium der Regierung zwar festhalten. Die hessische Landesregierung geht aber von der dauerhaften Stilllegung aus. Mal schauen, was uns das alles kosten wird.

Kommentieren