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Jahresrückblick 2011: Politische Gewinner und Verlierer

von Daniel Mack | 9 Kommentare
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Auch in diesem Jahr gab es Gewinner und Verlierer in der Politik. Wer hätte zu Beginn des Jahres gedacht, dass Winfried Kretschmann Ministerpräsident in Baden-Württemberg Ministerpräsident wird, es in der CDU einen twitternden Peter Altmaier geben wird oder ein Landrat im Main-Kinzig-Kreis das Internet alleine ausbauen will? Wer hat wirklich an das Abrutschen der FDP in die Bedeutungslosigkeit, an bittere Abstiegskämpfe in der CDU oder an anhaltende Profillosigkeit in der Hessen-SPD geglaubt?

Gewinner

+ Winfried Kretschmann

Schwabe, 63 Jahre alt, Superstar. Während der fliegende Teppich der Grünen im Deutschlandtrend nach dem Anti-Atom-Hoch wieder gelandet ist, würde Kretschmann laut jüngster Umfrage mit seinen Südwest-Grünen acht Prozent mehr holen als bei den Landtagswahlen im März. Kein Wunder, dass der erste grüne Ministerpräsident als „Politiker des Jahres 2011“ geehrt wurde. Kretschmann ist weder Konservativer noch Alternativer und schon gar nicht radikal, aber ein Grüner zu 100 Prozent: „Die Menschen haben uns gewählt, damit das Land so erfolgreich bleibt, wie es ist“, sagt der Regierungschef und setzt sich für mehr Bürgerbeteiligung und eine ökologische Modernisierung der Wirtschaft ein. „Auch Regieren ist kein Reiten auf dem Ponyhof.“

+ Peter Altmaier

Saarländer, 53 Jahre alt, Internet-Star. Der Politstratege spielt im Gegensatz zu seinem Lieblingsverein 1. FC Saarbrücken nicht in der Dritten, sondern in der Twitter-Bundesliga. Er schaut, schreibt und siegt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU / CSU Bundestagsfraktion tauscht sich im Netz nicht nur mit seinen Freunden aus dem Ältestenrat des Bundestages, Volker Beck und Thomas Oppermann, sondern mit wildfremden Leuten über Gott und die Welt, Politik und das Internet aus. „Die Existenz des Netzes bedeutet eine enorme Beschleunigung. […] Die Reaktionszeiten für die Politik werden immer kürzer. […] Die Rückkopplung zwischen Wählern und Gewählten erfolgt in Echtzeit. […] Auch Politiker, die nicht twittern oder posten, können sich dem nicht entziehen“ formuliert das Mitglied der schwarz-grünen Pizza-Connection in der FAZ. Besser als jeder Pirat.

+ Erich Pipa

63 Jahre alt, Reformmotor, wohnt am Mittelpunkt der EU. Der Landrat des Main-Kinzig-Kreises setzt seit 15 Jahren konsequent auf Fördern und Fordern und hat bewiesen, dass Kommunen ihren Arbeitslosen besser helfen können als die Arbeitsagentur. Die niedrigste Arbeitslosenquote in Hessen für den Main-Kinzig-Kreis ist der Erfolg des Sozialdemokraten. 2011 ist das Jahr, in dem das Internet weltweit zum politischen Instrument wurde. Blogs, Twitter und Facebook wurden zum Brennpunkt der Protestbewegungen und Erich Pipa zieht getreu seinem Motto „gestalten statt verwalten“ den Ausbau des Highspeed-Internets dem eines Kohlekraftwerks vor und wartet dabei nicht auf Telekom und Co. 650 Kilometer Glasfaserkabel sollen in den kommenden vier Jahren im Landkreis verlegt werden um die Region zukunftsfähig zu machen“ und jedem Bürger einen 50-Megabit-Anschluss anbieten zu können. Großartig!

Verlierer

- Philipp Rösler

Der Niedersachse ist freundlich, harmlos und kein guter Politiker. Als neuer FDP-Parteichef wollte er „liefern“, hat aber 2011 neben zahlreichen verlorenen Wahlen auch die Chance verpasst, Deutschland und seine Partei von Guido Westerwelle zu befreien. Der Außenminister steht wie kein anderer für Steuersenkungen und die Unwählbarkeit der FDP. Auch inhaltlich konnte der vom Gesundheits – ins Wirtschaftsressort ins gewechselte Minister keine Akzente setzen. 2011 ist das Jahr der Restlaufzeiten. 2021 für deutsche Atomkraftwerke, 2013 für die FDP als Regierungspartei. Die „Liberalen“ balancieren am Abgrund. Warum soll es für Deutschland gut sein, dass Schwarz-Gelb weiter regiert? Angela Merkel wird auf die SPD oder die Grünen setzen.

- Ronald Pofalla

Angela Merkels Kanzleramtsminister ist ausgerastet. Weil Wolfgang Bosbach, Stellvertretender Fraktionsvorsitzenden der CDU / CSU Bundestagsfraktion, ankündigte gegen die Aufstockung des Euro-Rettungsschirms zu stimmen, hat er ihm mitgeteilt, dass er dessen „Fresse“ nicht mehr sehen könne, er mit „seiner Scheiße alle Leute verrückt“ mache und er ihn „mit so einer Scheiße in Ruhe“ lassen solle. Klare Worte. Auch Wochen nach dem Eklat in der Unionsfraktion ist Wolfgang Bosbach von der parteiinternen Kritik so getroffen, dass er überlegt, bei der nächsten Bundestagswahl nicht wieder zu kandidieren. In Parteien geht es zu wie in einem Haifischbecken. Freund, Feind, Parteifreund. Interessante Einblicke in den Abstiegskampf der CDU.

- Thorsten Schäfer-Gümbel

Schäfer-Wer? Thorsten Schäfer-Gümbel ist 42 Jahre alt, wohnt in Gießen und versucht die Rolle von Andrea Ypsilanti an der Spitze der hessischen SPD einzunehmen. Auch wenn die Sozialdemokraten den Landes- und Fraktionsvorsitzenden bereits im Sommer, also zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl, zum Spitzenkandidaten nominiert haben, hat der Herausforderer von Ministerpräsident Volker Bouffier einen anderen Namen: Tarek Al-Wazir. Der Grüne ist der beliebteste Politiker in Hessen. Schäfer-Gümbel fällt es auch im Jahr drei nach Ypsilanti äußerst schwer an Profil zu gewinnen. Dabei bietet die desolate schwarz-gelbe Landesregierung in Wiesbaden genügend Themen: schlechter Unterricht in den Schulen, zu langsamer Ausbau der erneuerbaren Energien und angestiegener Fluglärm in der Rhein-Main-Region.

9 Kommentare zu ‘Jahresrückblick 2011: Politische Gewinner und Verlierer’

  1. Ich verstehe nicht warum Mathias Zach als Dezernent der Grünen im Kreis da nicht auftaucht. Warum denn Erich Pipa? Das ist ein Affront gegenüber Mathias Zachs guter Arbeit als Bürgermeister in Ndf.

  2. Lisa Weber sagt:

    Eine echte Frechheit so etwas über Thorsten Schäfer-Gümbel zu schreiben. Herr Mack will sich wieder als Schwarz-Grüner Profilieren.

    Herrn Al-Wazir kennt doch einfach mal gar keiner.

    • Volker sagt:

      Die Einschätzung der Gewinner und Verlierer finde ich interessant; ich vermisse wie David den Freiherrn zu Guttenberg; der ist ja nun wirklich ein beispielhafter Verlierer.

      An die Adresse von Lisa Weber:
      Wer Tarek Al-Wazir nicht kennt, hat von Politik in Hessen keine Ahnung; er ist einer der profiliertesten Politiker in diesem Land, das man möglichst schnell von schwarz-gelb erlösen sollte. Dafür muss aber der Landesvorsitzende der SPD bekannter werden.

  3. Lukas Uhde sagt:

    Ich finde ja, dass es im MKK durchaus auch Verlierer gibt. Solche, die Transparenz und freie Meinungsäußerung im Internet nicht so groß schreiben. Aber man sollte ja nicht nachtreten..

  4. Anja Hausmann sagt:

    Warum sind die Piraten kein Gewinner? Folgen sie @Afelia nicht?

    Ist Thorsten Schäfer-Gümbel wirklich ein Verlierer? Ich dachte sie wollen rot-grün?

    • Daniel Mack sagt:

      Berechtigte Frage. Die Piraten sind ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen. Zu vielen Themen haben sie keine Position. Ich bin gespannt, ob ein Pirat / die Piraten vielleicht 2012 ein Gewinner ist / sind.

  5. David sagt:

    Du hast Guttenberg vergessen. Ansonsten gut aufgestellt und spannend geschrieben.

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