Jahresrückblick: Wie Twitter, Facebook & Co die Welt des Sports verändern

Ein bewegtes Jahr 2011 geht in wenigen Tagen zu Ende. Ein Jahr, in welchem Social Media zu einem immer wichtigeren Thema für den Sport wurde. Twitter und Facebook haben im Profisport eine Dimension erreicht, mit denen die klassischen Medien nicht mithalten können. Sportstars, die sich sonst eher als Spielball der Medien sehen, können nun die Macht fester in den Händen halten. Begeisterte oder nachdenkliche Meldungen nach Sieg oder Niederlage können eine Nähe zwischen Spielern und Fans schaffen, auch wenn es nur 140 Zeichen sind.

Januar: Twitter-Rebell

Dass sich auch Fußball-Stars vertwittern können,zeigte Hoffenheim-Profi Ryan Babel, zu der Zeit noch in Diensten des FC Liverpool. Nach der Pokal-Pleite seines Teams bei Manchester United (0:1) fasste Babel seine Wut in eine 140-Zeichen-Botschaft. „Und das soll einer der besten Schiedsrichter sein? Das ist ein Scherz.“ schrieb der holländische Nationalspieler und veröffentlichte eine Foto-Montage von Schiedsrichter Webb im Manchester-Trikot, für die sich der Viel-Twitterer noch am gleichen Abend entschuldigte: „Ich entschuldige mich, falls das jemand in den falschen Hals bekommen hat. Das war nur eine emotionale Reaktion nach einer Niederlage in einem wichtigen Spiel. Sorry, Howard Webb!“

Februar: Trainer 2.0

Felix Magath, zu Beginn des Jahres in der Kritik stehender Trainer von Schalke 04, sucht den Schulterschluss mit den aufgebrachten Fans. Magath 2.0. Der erste Bundesliga-Trainer auf Facebook. Wer hätte das gedacht? Ein Trainer, der wie kein anderer für Old-School-Fußball steht. „Von den Reaktionen und der Geschwindigkeit, mit der die Zahl der Einträge auf diesem Account wächst, bin ich sehr beeindruckt. Dank der außerordentlich regen Kommentierungen – vielen Dank dafür! – können sich auch die Pressevertreter ein gutes Bild über die Stimmungslage unter den Schalker Fans machen“, schrieb Magath.

März: Petkorazi

Sie ist angetreten um das deutsche Tennis zu retten. Im März diesen Jahres wird Andrea Petkovic zum ersten Mal in den Top 20 der Weltrangliste geführt und US-Sportjournalisten wählen sie in die Rangliste der Top 100 Twitter – als einzige Tennisspielerin. Kein Wunder. Über Twitter können alle Fans an ihrem Leben teilhaben. „Die peinlichste Geschichte der Welt: Ein Pärchen nebenan macht – sagen wir mal – Liebe, und du teilst dir ein Zimmer mit deiner Mutter… Oh mein Gott.“ schrieb der Tennis-Star und erhielt sofort eine Antwort („Haha, das Gleiche ist uns in Italien passiert! Dachte die fliegen gleich durch die Wand zu uns ins Zimmer rein!“) von Sabine Lisicki, mit der sie die WTA-Tour ordentlich aufmischt. Twitter ist eben Teil der erfolgreichen Petkorazi-Show.

April: Vereinswechsel auf Facebook

Nationaltorwart Manuel Neuer wechselt vom FC Schalke 04 zum FC Bayern München. Zum ersten Mal gab ein prominenter Fußballer seinen Vereinswechsel zuerst auf Facebook bekannt. Während weniger vernetze Journalisten sich auf eine Pressekonferenz der Blau-Weißen am Nachmittag vorbereiteten, informierte Manuel Neuer Facebook-Fans (mittlerweile über 400.000) schon um kurz nach 10 Uhr: „Ich habe den Verantwortlichen auf Schalke mitgeteilt, dass ich meinen Vertrag nicht verlängern werde. Ich weiß, dass das bei Euch auf Unverständnis stößt. Ich habe Schalke und den Fans viel zu verdanken, möchte mir aber nach 20 Jahren Treue die Chance zur Veränderung offen halten. Ich habe die Entscheidung getroffen und wollte sie jetzt bekanntgeben. Jetzt gilt die volle Konzentration den Saisonzielen von Schalke 04!“

Mai: Sportbegeisterung 2.0

Sport, besonders Fußball, lebt von seinen Fans. Egal ob im Stadion, in der Eckkneipe, zu Hause mit Freunden oder im Internet. Sportbegeisterte leben ihre Leidenschaft auf allen erdenklichen Wegen aus. Über 600.000 Tweets wurden zum Champions-League-Finale abgesetzt. Der FC Barcelona wurde dabei am Final-Tag 575.000, Manchester United 252.000 Mal auf Twitter erwähnt. Auch im direkten Star-Vergleich zog Manchesters Wayne Rooney mit 52.000 gegenüber Lionel Messi mit 122.000 Erwähnungen den Kürzeren. 2:1 hat der FC Barcelona im Internet gegen Manchester United gewonnen, auf dem grünen Rasen war es ein 3:1 mit Toren von Rodríguez, Rooney, Messi und Villa.

Juni: Regierungssprecher zwischen Sportstar und Bürger

„We r world champs babyyy. Absolutely amazing. Tanks to all mavs fans across the world. This one is for you guys. Flyin bak home now. Cheers“, schrieb Basketball-Champ Dirk Nowitzki nach dem Sieg der NBA-Meisterschaft mit seinen Dallas Mavericks. Auf die Frage eines Fans, was die Kanzlerin zu Nowitzkis Titelgewinn sage, antwortete Regierungssprecher Steffen Seibert an den Fragesteller und Nowitzki „Die Kanzlerin hat Dirk Nowitzki während der ganzen Finalserie die Daumen gedrückt und gratuliert jetzt sehr herzlich.“, und zeigt einmal mehr, wie vielfältig, direkt, offen und schnell die Kommunikation via Twitter mit einem politikinteressierten Sportfan und einem frisch gebackenen NBA-Champion sein kann.

Juli: Frauen brechen Rekorde

7.196 Tweets pro Sekunde. Das ist die Zahl mit der während dem Finale der Frauen-WM zwischen Japan und den USA am 17. Juli 2011 der der Rekord für die meisten Twitter-Botschaften pro Sekunde (TPS) gebrochen wurde. Auch Präsident Barack Obama machte mit. Absolut vorbildlich in Sachen Informationsgehalt, Qualität und Quantität sind die Vize-Weltmeisterinnen der US-Girls. Sie schreiben mit Begeisterung, fassen Emotionen in Worte und suchen den Kontakt mit ihren Fans. Auch Monate nach der WM in Deutschland: @HopeSolo @AlexBKrieger @AlexMorgan13 – Einen sehr guten Job auf Twitter hat übrigens die ARD-Sportschau Twitter gemacht. Hier gehts zum Interview mit Dennis Horn und Thomas Klein.

August: 140-Zeichen-Brückenschläge

„Looks great“ twitterte Basketball-Superstar Dirk Nowitzki über seinen Account @swish41, nachdem sich die WTA-Top-20-Spielerin Sabine Lisicki im Trikot der Nowitzki-Mannschaft ablichtete und das Bild mit dem Text „Got the coolest shirt ever from a fan today! What do you think of it Dirk @swish41!? :D“ in die Weiten des Internets schickte. Die daraus entstandene dpa-Meldung wurde auf über 100 deutschen News-Seiten übernommen.

September: Der falsche Oenning

Im Namen des HSV-Trainers Michael Oenning textet ein Unbekannter zur Krise des Traditionsklubs. Selbst die eigenen Fans lachen über die bestechend echte Imitation. Der unbekannte User macht sich dabei auf seine ganz eigene Art über den „echten“ Michael Oenning lustig. „Nur 2 Gegentore, meine Defensivtaktik fruchtet und wird verinnerlicht. Ende Februar sollte der erste Punktgewinn durchaus realistisch sein“, twitterte der falsche Oenning nach dem Spiel gegen Werder Bremen. Spiegel Online, Frankfurter Rundschau, BILD und andere berichteten ausführlich. Der Account wurde mittlerweile gelöscht.

Oktober: 140-Zeichen-Politik-Sport

Nach der ersten Twitter-Meldung des Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier, starten allabendlich 30-minütige 140-Zeichen-Sport-Einlagen. Ein Rotationsprinzip gibt es nicht, die Aufstellung ist immer die gleiche: Altmaier und seine Kollegen aus dem Bundestag-Ältestenrat Volker Beck (Grüne) und Thomas Oppermann (SPD) streiten über tagespolitische Themen, setzten Tweets im Sekundentakt ab, gewinnen neue Follower, freuen sich über Retweets, Favs und Empfehlungen. Das Publikum sitzt halb auf der Zuschauertribüne und steht halb auf dem Platz. Es ist gut, dass die deutsche Politik die Bedeutung von Twitter erkannt hat, interne Dialoge öffentlich werden, Bürger – nicht anders als bei Petkovic oder Nowitzki – hautnah dabei sein können und auch mit Antworten auf ihre Fragen rechnen können. Weiter so, mit dem Twitter-Sport!

November 2011: Olympiasiegerin im Dialog

„Anfangs war ich selbst skeptisch. Inzwischen sehe ich aber die Vorteile.“ sagt Doppel-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch über ihre Facebook-Aktivitäten im Interview mit mir. „Auf diese Weise kann ich zum Beispiel viel leichter Kontakt zu meinen Fans halten – egal, wo ich gerade bin“, freut sich der Ski-Star über das Feedback der Fans. „Bei den meisten Kommentaren macht es richtig Spaß, sie zu lesen. Eine schöne zusätzliche Motivation.“ Auf ihrer neuen Homepage maria.com.de stellt sich die Garmisch-Partenkirchnerin als Mensch „Maria“ in den Vordergrund und gewährt ihren Fans einen einen exklusiven Blick hinter die Kulissen des Alpinen Ski-Rennsports.

Dezember: Mitschwimmen

Während die Medaillendichte im deutschen Schwimm-Team nach den Weltmeisterschaften in Shanghai im August eindeutig zu dünn war und vielleicht der ein oder andere Trend in der Trainingssteuerung verschlafen wurde, hat zumindest ein Teil der Schwimm-Mannschaft gegen Ende des Jahres 2011 den Trend der digitalen Sport-Kommunikation entdeckt. Auch wenn Paul Biedermann im direkten Follower-Vergleich mit dem 14-fachen-Olympiasieger Michael Phelps den Kürzeren (250 zu 155.000) zieht, sind seine Chancen auf Medaillen im Londoner Olympiawasser schlecht nicht. Weitere DSV-Twitterer: Yannick Lebherz, Marco di Carli, Steffen DeiblerDorothea Brandt.

18 Kommentare

  1. Maurice says:

    Das ist mal ein informativer Post, mein Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich diesen Blog leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

  2. Btry86 says:

    Hi Daniel,

    super Jahresrückblick!!!

  3. Dieter A. says:

    Hallo Herr Mack,
    ich hoffe ihre Fraktion liest das auch. Da können die mal sehen, wen sie da vor die Tür gesetzt haben. Und das auch noch ohne Angabe von Gründen.

    Machen Sie weiter auf dem Weg, es ist der richtige. Ich finde es sehr eindrücksvoll, wie sie mit einfachen Worten das Internet erklären und Wege aufzeigen.

    Ihr Platz ist nicht nur im Sport, auch in der Politik!

    Beste Grüße aus dem MKK-Forum!

  4. Klaus says:

    Daumen hoch auch von mir! Gibt es auch einen Mailnewsletter?

  5. Daniel says:

    Das ist wirklich ein toller Jahresrückblick. Daumen hoch und weiter so!

  6. Dennis says:

    Guter und spannender Jahresrückblick. Sie bewerben den Sport hier aber auf eine Art und Weise wie er so nur in Ausnahmemomenten existiert.

    Waren Sie mal vor Ort auf einem Sportplatz und haben sich schlau gemacht? Von Digitalität und Twitter oder Facebook hat dort noch keiner etwas gehört.

    Sie beschreiben den Spitzensport aber auch dort gibt es Defizite. Andere Länder in Europa sind da weiter!

  7. Ingrid says:

    Ich bin an diesen Themen nicht so richtig interessiert- eigentlich. Aber diesen Jahresrückblick zu lesen war vergnüglich. Jetzt weiss ich mehr! Übrigens auch Politiker und Politikerinnen treiben Sport….allerdings nur die Guten..

  8. Reinhard Seifert says:

    Hallo Herr Mack,
    schön, dass Sie nicht wie viele andere nur auf Fußball setzen und sich um einen schönen Mix bemühen. Ist ihnen sehr gut gelungen. Ich finde es beeindruckend, wie sie die Themen Kommunikation, Sport und die neuen Medien miteinander verbinden und darüber berichten.

    Schauen Sie sich doch mal http://www.sportsinmotion.de an.

    Besten Gruß
    Reinhard Seifert

  9. Leser says:

    Tolle Sache. Aber was suchen Beck und Altmaier darin?

    • Daniel Mack says:

      Ist die Jagd der MdB’s nach Followern, Faves, Tweets und das Starten von Dialogen nicht schon fast ein Sport?

      Ich finds klasse. Respekt an Altmaier, Beck, Oppermann und Co!

  10. Dennis Weber says:

    Hallo Daniel,
    nach welchen Kriterien hast Du das zusammengestellt? Finds echt cool. Hast Du schon mehr zu diesem Thema geschrieben?

    Gruß
    Dennis

  11. SPD-Leser says:

    Warum beschäftigt sich Mack mit solchen Dingen? Ich dachte er sei Politiker…

  12. Frank says:

    Sehr gute Zusammenstellung. Du hättest die Tour-de-France-Fahrer noch mit aufnehmen können oder wäre das für den August zu viel geworden?

  13. Melanie says:

    Nice. Tolle Zusammenstellung. Das Beispiel mit den Schwimmern am Ende ist echt gut. Da merkt man doch wie sehr einige es zwar nutzen aber nicht recht verstanden haben.

    Weiter so, Du Social-Media-Experte!

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