Kein Mitleid für Michael Ballack

Der DFB-Kapitän liegt mit seiner Familie, am Ende einer nicht einfachen Saison, im Urlaub am Strand. Mit den Füßen im Sand erfährt er, der Vizeweltmeister, Vizeeuropameister, WM-Dritte und langjährige DFB-Kapitän, nichtsahnend per SMS, dass seine 12-jährige Nationalmannschaftskarriere ein baldiges Ende – ohne Titel – hat. Klingt  schön einfach und dramatisch!

So leicht, wie es sich Ballack macht mit seinem Feldzug gegen Joachim Löw macht, ist es aber nicht. Fremdgesteuert von seinem profilierungssüchtigen Berater wirft er dem DFB sein Abschiedsspiel vor die Füße, feuert eine Presseerklärung nach der nächsten heraus – und schießt sich dabei jedes Mal ein Stückchen mehr ins Aus. Die Art wie er versucht den Bundestrainer zu beschädigen, indem er ihm Lügen unterstellt, ist Beweis dafür, dass es Ballack nur um eine Sache geht: um sich. Wahrscheinlich war er schon deshalb nie ein guter Kapitän.

Der „Capitano“ hat zu spät erkannt, wann es Zeit zum Abtreten ist. Nach der WM 2010. In Südafrika hat sich das Team vom einstigen Anführer emanzipiert. Özil, Khedria, Müller sind dynamischere Spielertypen und Philipp Lahm ein erfolgreicher Kapitän der flachen Hierarchie mit einer klaren Ansage: „Ich behalte die Binde auch der der WM“. Der verletzte Ballack war vor Ort und konnte sich selbst eindrucksvoll davon überzeugen. Seine Zeit war damals schon zu Ende. Geschickterweise hätte Bundestrainer Löw den Zeitpunkt nutzen können, um sich vom alten Leitwolf zu lösen. Hat er aber nicht. Aus Rücksicht auf Ballack, um ihm die Möglichkeit zu geben den Schlussstrich selbst zu ziehen. Eine faire Sache.

Der DFB spielt nicht Foul, wenn er sich gegen Ballacks Nachtreten wehrt. Das ist vielmehr ein Beleg dafür, dass Ballack nie der Teamplayer war, den er vorgab zu sein. Schließlich hat er selbst über seinen Berater die unverhältnismäßige Schlammschlacht mit unpassenden Worten eröffnet, weil er nicht verstanden hat, wie Löw von Beginn an einen modernen von Harmonie und flachen Hierarchien geprägten Führungsstil bevorzugte und Ballack den männlich harten, dominanten Kapitän gab. Einzig das gemeinsame Ziel, der sportliche Erfolg, hat die beiden vereint. Als Ballack wegen seiner Verletzung dazu nicht mehr beitragen konnte, war der Konflikt vorprogrammiert.

Sein Versuch als moralischer Sieger aus der Geschichte hervorzugehen ist gescheitert. Dass seine Karriere ein so schlechtes Ende nimmt, hat Ballack selbst zu verantworten. Als Spieler mit Erfahrung hätte er begreifen müssen, wie der Mannschaftssport funktioniert: Früher oder später werden die etablierten Kräfte in jedem Team der Welt von hungrigen Nachrückern verdrängt. Mitleid ist nicht angebracht.

2 Kommentare

  1. dummfrager says:

    Warum äußert sich Daniel Mack zu Ballack? Spielt der im MKK?

  2. severin says:

    wir haben ohne ballack besser gespielt als mit dem. außerdem hat er das spiel ziemlich verlangsamt.

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