Kreativität muss sich auszahlen können

Diese Woche hat die Erklärung “Wir sind die Urheber!” die Urheberrechtsdebatte weiter angefacht. Nach dem offenen Brief der 51 Tatort-Autoren melden sich nun auch andere bekannte Künstlerinnen und Künstler – von Mario Adorf über Michael Mittermaier bis Charlotte Roche – zu Wort. Sie sehen die Zukunft der künstlerischen Tätigkeit als Lebensgrundlage in Gefahr. Meine Antwort als Sprecher für Netzpolitik von Bündnis 90/DIE GRÜNEN im Hessischen Landtag auf Erklärung und das Bekenntnis, dass Kreativität sich auszahlen muss.

“Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass Sie sich mit ihrer Erklärung „Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ in der netzpolitischen Urheberrechtsdebatte zu Wort melden und sich deutlich positionieren. Schließlich kennt niemand die Lebenswirklichkeit und die Notwendigkeiten von Künstlerinnen und Künstlern so gut wie sie selbst.

Die Digitalisierung hat unsere Gesellschaft und die Art und Weise Produkte zu vertreiben grundlegend gewandelt. Diese Veränderung wird noch weiter fortschreiten. Zum einen bietet das eine enorme Chance für Sie als Urheber. Nie zuvor war es so einfach, in kurzer Zeit so viele Menschen zu erreichen, Bekanntheit zu erlangen und neue Vertriebswege für Kultur zu erschließen.

Auch im Internet haben Inhalte für uns also nicht nur einen Wert, sondern – wenn die Urheberin-nen und Urheber es wollen – auch einen Preis. Die berechtigten Anliegen der Urheber, den Schutz ihres geistigen Eigentums und ihrer Lebensgrundlage zu gewährleisten, nehmen wir sehr ernst und möchten Sie darin bestärken.

Wir stimmen Ihnen zu, dass deshalb auch die gesteigerte Gefahr von Urheberrechtsverletzungen verstärkt in den Blick genommen werden muss. Gerade in diesem Bereich darf sich die Politik nicht mehr von Ereignissen treiben lassen, sondern muss den Wandel aktiv gestalten.

Ein unverzichtbarer Bestandteil dafür ist die Modernisierung des Urheberrechts. Diese Novellierung darf allerdings nicht vorrangig aus einer Nutzerperspektive gedacht werden, sondern muss aus einer Gerechtigkeitsperspektive erfolgen. Ein fairer Ausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Nutzern ist unser Ziel. Wir wollen auf Basis des bisherigen Urheberrechts einen Weg finden, der die Situation für alle Beteiligten klarer und einfacher gestaltet, ohne den Schutz des geistigen Eigentums aufzuweichen.

Internet-Zugangssperren aufgrund von Urheberrechtsverletzungen und Überwachung durch den Provider gleich welcher Art lehnen wir ab. Diese Maßnahmen gefährden aus unserer Sicht den freien Austausch von Informationen und beschädigen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das kann nicht die Antwort auf die drängenden Fragen des Urheberrechts sein.

Gerne möchten wir mit Ihnen in den Dialog kommen, um mit Ihnen konkrete Vorschläge zur Veränderung des Urheberrechts zu diskutieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Daniel Mack”

Brief an “Wir sind die Urheber”

Pressemitteilung von Bündnis 90 / Die Grünen im Hessischen Landtag

4 Comments

  • Billcher

    Finde die Reaktion richtig!

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  • Schotenzähler

    Hallo Daniel,
    deinen Ansatz zum Urheberrecht finde ich richtig. Wir brauchen ein modernisiertes und robustes Urheberrecht, das die Rechte aller Teilnehmer regelt und schützt. Kreative wie Nutzer benötigen einen verlässlichen Rahmen inner- und außerhalb des Netzes.
    Wichtig dabei ist auch, dass Nutzer nicht in einer rechtlichen Grauzone operieren. Es muss klar, verständlich und eindeutig geregelt sein, was erlaubt ist und was nicht. Das fragwürdige Geschäftsmodell des unreflektierten Abmahnwesens muss ebenso bekämpft werden wie echte Urheberrechtsverletzungen. Sonst leidet die Meinungsvielfalt und -freiheit und damit die Freiheit der Gesellschaft an sich.
    Gruß
    Harald

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  • Michel

    Bei welchem Verlag stehst Du auf der Paywall?

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    • Sev

      Sony oder BMG oder Emi. Oder einfach geisteskrank!!!

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