dopingkontrolle

Nahrungsergänzungsmittel: für den Kopf oder den Körper?

Evi Sachenbacher-Stehle wollte nicht dopen. „Ich kann mir überhaupt nicht erklären, wie es zu der positiven Probe gekommen ist“, schrieb die bei den Olympischen Winterspielen in Sochi positiv-gestesteten Biathletin auf ihrer mittlerweile abgeschalteten Facebook-Seite. Die 33 Jahre alte Langlauf-Olympiasiegerin von 2002 und 2010 hatte eingeräumt, dass sie ein Nahrungsergänzungsmittel im Vertrauen auf Aussagen eines persönlichen Beraters vor der Einnahme nicht von offiziellen Stellen kontrollieren ließ.

Laut einer Studie der Sporthochschule Köln nehmen 96 Prozent der deutschen Olympia-Athleten Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Vitamine, Mineralien, Proteine. Nicht ganz ohne Risiko. Denn vor allem in Billigprodukten ist nicht immer nur drin, was draufsteht. 2013 gab es weltweit fast vierhundert positive Dopingtests auf das Mittel Methylhexanamin,  jene Substanz die bei Sachenbacher-Stehle in Sochi gefunden wurde.

Zum Schutz für  Sportler stellt der Olympiastützpunkt Rheinland eine Service-Plattform zur Verfügung. Die Kölner Liste ist eine Liste von Nahrungsergänzungsmitteln mit minimiertem Dopingrisiko. Aktuell umfasst die Kölner Liste 446 Produkte.

Michael Vesper, sieht den Fall Sachenbacher-Stehle als Beleg für die Warnungen seines Verbandes. „Wir haben immer wieder vor Nahrungsergänzungsmittel und den Gefahren, die davon ausgehen für aktive Leistungssportler gewarnt“, sagte der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes der Süddeutschen Zeitung. Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik Verbandes, geht noch weiter: „Wir haben die klare Empfehlung, von Nahrungsergänzungsmittel generell die Finger zu lassen. Die Risiken sind völlig unkalkulierbar“, erklärte er vergangenes Wochenende.

Um Sachlichkeit in die Debatte über Nahrungsergänzungsmittel zu bringen, habe mit Weitsprung-Europameister Christian Reif, den deutschen 100-Meter-Meister Julian Reus und Philipp Pflieger, Deutscher Meister 10.000 Meter 2012, drei deutsche Top-Athleten zum Einsatz und zu Gefahren dieser Produkte befragt.

Warum nimmst Du Nahrungsergänzungsmittel?

Julian Reus: Helfen Sie wirklich? Haben Sie den gewünschten Effekt? julian_reusGeht es auch ohne? Es sind vor allem psychologische Gründe, um am Ende nicht zu denken: hättest Du ein paar Eiweiße oder Aminosäuren genommen, wärst du nicht so platt oder hättest keine muskulären Probleme. Da man im Leistungssport an der Grenze der Belastung arbeitet, fühle ich mich damit sicherer!

Philipp Pflieger: Mit einer auf den Leistungssport ausgerichteten Ernährung ist es kaum möglich den körperlichen Bedarf zu decken. In der Vergangenheit hat sich feststellen lassen, dass gewisse Mangelerscheinungen, Anfälligkeit für Infekte oder Verletzungen im Blutbild nachweisbar waren. Daraufhin habe ich in Zusammenarbeit mit meinem medizinischen und ernährungswissenschaftlichen Betreuerteam nach Lösungen gesucht, dem entgegenzuwirken. Deshalb sehe ich Nahrungsergänzungsmittel als sinnvolle Ergänzung zu einer sportgerechten Ernährung an.

christian_reifChristian Reif: Durch die intensiven körperlichen Belastungen in Training und Wettkampf gibt es Phasen, in denen es sinnvoll sein kann den erhöhten Nährstoffbedarf durch Nahrungsergänzungsmittel auszugleichen, um besser zu regenerieren.

Welche Nahrungsergänzungsmittel nimmst Du?

J. Reus: Aminosäuren und Proteine von AMSPORT.

P. Pflieger: Produkte meiner Partner UltraSports und PureMed zurück. UltraSports deckt den Bereich Recovery- / Performance-Shakes, Energieriegel, Proteinshakes und Gels ab, während PureMed mein Partner in Sachen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente ist.

C. Reif: BCAA’s beziehungsweise Aminosäuren

Wie gehst Du sicher, dass sich in den Nahrungsergänzungsmitteln keine verbotenen Substanzen befinden?

J. Reus: Zum einen durch die Kölner Liste. Und darauf, dass es sich um ein deutsches Produkt (Mark Warnecke, Spitzensportler) handelt, bei dem die Herstellung unter der Reinheit dienenden Bedingungen erfolgt. Eine absolute Sicherheit gibt es aber nicht. Wenn man danach geht müsste ich einen eigenen Bauernhof haben!

phillip_pfliegerP. Pflieger: UltraSports unterstützt eine große Zahl international erfolgreicher deutscher Athleten und Mannschaften einer großen Bandbreite an Sportarten und ist in der Sportszene bekannt für seine Top-Produkte. PureMed produziert zwar in den USA, verfolgt aber eine ganz eigene Firmenphilosophie, die mich überzeugt hat. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, hypoallergene Präparate zu produzieren, die lediglich auf Reinstoffen beruhen, frei von jeglicher Art von versteckten Füllstoffen, Bindemitteln etc. und steht damit ganz im Gegensatz zu branchenüblichen Konkurrenten. Die Produktion unterliegt außerdem strengsten Qualitätskontrollen und jedes Produkt wird auch mit eigenen Seriennummern versehen, die somit die Transparenz erhöhen

C. Reif: Ich nehme ausschließlich Präparate, die auf der Kölner Liste stehen und somit ständig geprüft und analysiert werden.

21 Kommentare

  1. Franz says:

    Gibt ja auch Sportler wie Olympiasieger Felix Loch, die sagen, dass man sowas gar nicht braucht. Er isst eine Banane nach dem Training… und ist Olympiasieger!!

    • sascha says:

      Aber er hat noch seinen Schlitten, der den Großteil seiner Arbeit ausmacht ;)
      Sprinte mal 100 Meter und rutsche 100 Meter einen Berg auf einem Schlitten runter. Was strengt mehr an?
      :D

  2. Anna says:

    Danke Daniel, dass Du Dir immer die Mühe machst. Echt gut geschrieben, ich lese auch immer gerne mit.

    Manche Kommentare wundern mich aber echt. Wer war denn schon mal krank und hat dann eine Vitamin-C-Tablette genommen? Die meisten doch wohl. Das ist ja dann auch ein „Nahrungsergänzungsmittel“ oder?

    Abgesehen davon, darf jeder nehmen was er will. Auch wie Rolf sagt, darf ein Boxer doch mal Marihuana rauchen. Absurd, wie sich die bezahlten Sportmanager äußern!!

  3. dennis says:

    Christian Reif sagt, dass die Produkte der Kölner Liste ständig geprüft werden. Kann man das irgendwo nachlesen?
    Meines Wissens wird das Produkt nur einmalig bei Aufnahme in die Liste geprüft. Und dann auch nicht eine zufällig gekaufte Probe, sondern eine vom Hersteller zugeschickte Probe.
    Zahlt der Hersteller dann jährlich eine Gebühr, bleibt das Produkt auf der Liste.

  4. Andreas says:

    Liebe Herrn!

    Von Herrn Mack hätte ich mir eine Einführung in das Thema gewünscht und mal eine Beschreibung, was eigentlich Nahrungsergänzungsmittel sind und wo die Gefahren liegen. Mit Gefahren meine ich Schäden für Geist und Körper, nicht die positiven Tests.

    Mir konnte bisher keiner erklären, wieso es legale und verbotene Dopingmittel gibt. Warum stellen die Sportler ihre Ernährung nicht entsprechend um? Wäre gesunder und wohl auch sicherer.

    Ich frage mich auch, wie Jens, warum die Produkte im Text auch noch verlinkt werden. Das sind schließlich Materialien, die von den Experten in den Verbänden absolut nicht befürwortet werden.

    • Julian Reus says:

      Gibt es „legales Doping“ Was verstehen Sie darunter?

      Natürlich kann die Ernährung bedarfsorientiert umgestellt werden und viele Sportler die ich persönlich kennen machen das. Nur ist es nicht immer möglich im Sportlertag. Nach dem Training steht das passende Essen leider meistens nicht auf dem Tisch. Kommen dann noch Verpflichtungen wie Uni oder Arbeit hinzu gibt es schnell mal ein zeitliches Problem!

  5. Alexandra says:

    Mich würde auch Deine Meinung interessieren, Daniel. Wie findest Du Nahrungsergänzungen? BVist Du dafür, dass Sportler Kreatin und andere Dinge nehmen oder ist das nicht schon der Einstieg zum Doping?

    Zwischen den Aussagen von Julian Reus und Philipp Pflieger liegen ja Welten. Es muss doch Untersuchungen geben, ob es überhaupt Sinn macht. Oder sind die dann, also wenn es sie gibt, nicht jedem Sportler bekannt?

    • Julian Reus says:

      Untersuchungen gibt es immer ;) Meist ist die Frage wer die Untersuchung in Auftrag gegeben hat :)

      • Steve says:

        Ich finds okay, dass Sportler Proteine nehmen. Würde man das verbieten, dann wären wir international wahrscheinlich noch weiter hinten dran und hätten gar keine Chancen mehr auf Siege oder gute Platzierungen.

        Es sollte aber den Profis überlassen werden, ob sie Mittel nehmen oder nicht. Die Funktionäre haben ja oftmals gar keine Ahnung mehr vom Leben es Sportlers. Das erlebe ich schon bei mir im Verein im beschaulichen Bayern.

  6. Cornelius says:

    Es Wird ja auch Gründe haben, warum Leute wie Herr Vesper und auch Herr Prokop davor warnen.

    Für mich ist das eine Form von legalem Doping und hat mit dem Sport einig gar nichts zu tun.

    Herr Reus sagt ja selbst, dass es igentlich gar nichts bringt!

    • Julian Reus says:

      Ich habe nicht gesagt, dass es nichts bringt, nur ist es schwer zu bemessen, ob und was es in Wirklichkeit für Auswirkungen hat. Genau kann ich das leider nicht beantworten, außer das es eine psychologische Wirkung hat.

      Der Grund „Nein“ zusagen, ist für mich der, dass es der einfachste Weg ist!

      • Cornelius says:

        Der Präsident Ihres Verbandes sagt ja selbst, man solle die Finger davon lassen. Warum entscheiden Sie dann anders?

        • Julian Reus says:

          Weil ich finde das ein generelles Nein nicht die richtige Antwort und Lösung ist. Da müsste man als Athlet seinen eigenen Bauernhof habe um ganz sicher zu gehen. Es gab ja auch schon Fälle von verunreinigten Nahrungsmitteln wie beispielsweise Clenbuterol (http://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/clenbuterol-gefahr-in-mexiko-11495721.html)

          Zudem kommt, wie bereits erwähnt, der psychologische Effekt hinzu, dass ich mich mit der bewussten Einnahme sicherer fühle. In den hohen Belastungszeiten im Training verlangt man seinem Körper viel ab und daher nehme ich prophylaktisch Aminosäuren und Proteine um den hohen verbrauch zu decken!

        • Daniela says:

          Die Funktionäre machen es sich einfach. Sie sagen: lasst die Finger davon. So sind sie fein raus.

  7. Rolf says:

    Doping: Dont believe the Hype!

    Bei der Gelegenheit möchte ich mal an Willie de Ox Fischer erinnern, der wegen Cannabis-Konsum gesperrt wurde.
    Also ob Cannabis leistungssteigernd wäre – bei einem Boxer.
    Lachhaft!

  8. Jens says:

    Warum haben Sie diesen Beitrag verfasst?

  9. Steffi says:

    Hallo Daniel,

    wo kauft man denn am besten diese Mittel? Bringt das wirklich so viel oder ist es nicht alles mehr oder weniger Hokuspokus?

    Liebe Grüße
    Steffi

  10. Severin says:

    Würde gerne mal von einem der Sportler wissen, wo NEMs aufhören und Doping anfängt. Wäre es nicht sicherer, man verbietet auch diese Ergänzungsmittel?

    Gruß Severin

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