Recycling statt Tonne

Bild: nike.com

Sportkleidung und -schuhe sind weit verbreitet. Nicht nur bei der Ausübung von Sport, sondern auch als Lifestyle-Produkte werden sie mittlerweile generationsübergreifend getragen. Doch Sportartikel, insbesondere Schuhe, haben aufgrund hoher Belastungen, denen sie ausgesetzt sind, einen relativ kurzen Tragezyklus: Während andere Kleidungsstücke oft erst nach vielen Jahren aussortiert werden, weil sie nicht mehr passen oder gefallen, ist Sportkleidung recht schnell nicht weitertragbar. Sportschuhe landen daher auch nicht beim Schuster, sondern regelmäßig in der Mülltonne und anschließend in der Verbrennungsanlage.

Im Bereich der ökologischen und nachhaltigen Produktion von Sportartikeln gibt es inzwischen einige innovative Ideen. So kann etwa Sportkleidung (insbesondere Fußballtrikots) aus recycleten PET-Flaschen hergestellt werden. Und es gibt gestrickte Hochleistungs-Schuhe aus Garn bei deren Produktion keine Verschnitte, die zu vielen Resten und somit Müll führen würden, anfallen. Dabei handelt es sich nicht um schwere Öko-Schuhe, die an Leistungseigenschaften einbüßen. Im Gegenteil: Sportartikelhersteller arbeiten gezielt an einer Symbiose aus high-tec und Nachhaltigkeit.

Begonnen beim Design der Schuhe, über die Produktion, bis hin zum Vertrieb wird der ökologische Fußabdruck bedacht.

Herkömmliche Sportbekleidung, auch Schuhe, bestehen zu großen Teilen aus Kunstfasern, die aus Rohöl gewonnen werden und bei deren Verarbeitung viel Energie verbraucht und enorme Mengen an CO2 ausgestoßen werden. Angesichts des riesigen Produktumsatzes der Sportartikelbranche ist es daher ein großer Fortschritt, wenn bei Entwicklung und Produktion Nachhaltigkeitskriterien miteinbezogen werden. Landen jedoch eigentlich ökologisch produzierte Schuhe im Müll, bleibt ein großer Teil des Potenzials ungenutzt.

Die hohe Anzahl der Sportschuhe und die damit verbundenen großen Abfallmengen benötigen eine flächendeckende Kreislaufwirtschaft. Und erfreulicherweise sind die Unternehmen dieser Überlegung gegenüber aufgeschlossen.

Im Wege einer freiwilligen Selbstverpflichtung haben die Sportartikelhersteller bereits erste Rücknahmesysteme installiert. Puma hat unter dem Motto „bring me back“ in diesem Jahr eine Aktion gestartet, mit der alte Sportbekleidung in Containern, die im Handel aufgestellt werden, gesammelt werden.

Nike hat sein „REUSE-A-SHOE“ –Programm und in den USA bereits 1993 und in Deutschland 2007 gestartet. Bei diesem werden nicht nur ausgetragene Schuhe sondern auch Fälschungen wiederverwendet und unter dem Name „Nike Grind“ zu verschiedenen Werkstoffen verarbeitet aus denen Sportbeläge, beispielsweise Indoor-Tennisplätze und Kunstrasen entstehen. Damit wurden weltweit auch zahlreiche soziale Projekte durch das Stiften von Sportplätzen unterstützt. Ein Beitrag zur Erhaltung einer lebenswerten Umwelt mit sozialem Charakter.

Während 2003 in einer Studie im Auftrag des Umweltministeriums noch ein erheblicher Mangel an ökologischen Sportartikeln und ein hohes Defizit an Recyclingmöglichkeiten festgestellt wurde, haben sich gerade die Anbieter großer Sportmarken in diesen Bereichen positiv entwickelt. Ob aus Imagegründen oder Umweltliebe wird sich noch zeigen müssen, die guten Ansätze müssen jedenfalls weiter verfolgt und ausgebaut werden. Green-Washing bringt es nicht.

Das Rücknahmesystem von Puma ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jedoch hat sich dieses Konzept bisher nicht weit verbreitet, ist nur in geringem Maße verankert und noch nicht bekannt genug. Es braucht ein flächendeckendes System analog anderer Recyclingsysteme.

Gut vorstellbar ist auch die Erhebung einer Pfandabgabe von beispielsweise 10 € pro verkauften Paar Sportschuhen, bei Retoure wird das cash ausgezahlt oder mit dem Neukauf verrechnet. Dies würde die Rückgabequote erheblich steigern. Ein hoher Recyclinganteil ist nicht nur aus Umweltaspekten von Vorteil, sondern senkt die Kosten für die Neubeschaffung der Rohstoffe und Güter.

Sportschuhe eignen sich hervorragend für eine Pfandabgabe, da sie die Besitzerin bzw. den Besitzer nicht wechseln, sondern entsorgt werden müssen. Außerdem sind Sportschuhe im Gegensatz zu anderen Kleidungsstücken zwar nicht erneuerungs- aber gut recyclingfähig.

Ein organisiertes (selbstverständlich markenübergreifendes) Pfandsystem für Sportschuhe müsste gemeinsam mit Herstellern und Handel entwickelt werden. Grundsätzlich ist Recycling nur sinnvoll, wenn Nachfrage besteht, die Rohstoffe weiterzuverarbeiten. Die Beispiele der Markenhersteller lassen dafür ein hohes Potenzial erkennen und vereinfachen die ökologische Produktion ebenso wie die anschließende Wiederverwendung. Gleichzeitig muss das Bewusstsein in der Gesellschaft erhöht werden, dass ein Sportschuh in der Tonne ein schlechter Wurf ist.

14 Kommentare

  1. Patrick Ranft says:

    Ich selbst kaufe viele Sportschuhe, bevorzugt von den oben genannten Marken, habe aber noch nie etwas von diesen Recycling Aktionen gehört.

    Wenn die Anbieter der Schuhe selbst schon diese Kampagnen fahren, wieso sollen dann Pfandsysteme eingeführt werden? Ich gebe gerne die Schuhe ab, muss (und vor allem MÖCHTE) aber nicht von staatlicher Seite dazu gezwungen werden.

    Meinen Sie nicht, dass Werbung und Aufklärung für solche Aktionen der Anbieter eine große Wirkung hätten? Beispielsweise in Sportvereinen oder an Schulen? Aber bitte ohne Zwang!

    Schuhanbieter, die nicht solche Aktionen anbieten, müssen mittelfrisitig mitziehen, wenn sie nicht an Kundschaft verlieren wollen. Der aufgeklärte Konsument ist clever und vergleicht die Hersteller.

    Aufklärung statt weitere Regularien!

    PS: Wie soll das ganze den Funktionieren?Jeder Schuh wird einzeln zurück zum Hersteller verschickt? Dann zieht das Ökoargument nicht mehr…

  2. A. Wagner says:

    Haben Sie mal überlegt, wie das logistisch funktionieren soll? Ich stelle es mir gerade vor: Hunderte Menschen haben ihre alten Schuhe im Einkaufswagen. Wie ekelhaft!!

    • Marion N. says:

      Was ist daran denn ekelhaft? Sie sitzen doch auch mit hunderten von Menschen im Bus oder Zug, nur dass die Leute die Schuhe dann an den Füßen haben…..

  3. Benedikt Maier says:

    Das mag im Moment noch ungewohnt klingen. Aber ich finde ein umfassendes Pfandsystem vom Turnschuh- bis zum Handypfand ein probates Mittel zur Ressourcenschonung.

    Es braucht eben eine standhafte Initiative, denn Gegner von Pfandsystemen sind immer schnell auf den Plan gerufen.

  4. Lydia says:

    Schöner Text der Skeptiker überzeugt. Mich würde aber schon interessieren wie hoch die Chancen auf so ein System wären?

  5. No Name says:

    Haben sie mal überlegt, wie teuer ein Schuh dann ist? Es ist kein Wunder, diesen Vorschlag von einem Grünen lesen zu müssen.

  6. Dirk says:

    Guter Vorschlag. Aber: Was machen sie nun konkret dazu?

  7. Sylvia says:

    Das Dosenpfand ist okay. Das Turnschuhpfand kann es auch werden. Warum kommen Sie jetzt erst auf diese Idee? Wie könnte ein Pfandsystem für alle Kleidungsstücke funktionieren? Haben sie auch darauf eine Antwort und könnten diese Idee weiter Antreiben?

    • Daniel Mack says:

      Das Sportschuhpfand ist deshalb besonders spannend, da Sportschuhe einen besonders kurzen Lebenszyklus haben. Andere Kleidungsstücke (Shorts, Shirts) haben wesentlich längere Lebenszyklen und werden nicht schon nach einem Jahr (das ist bei Sportschuhen oft der Fall) ausgetauscht.

  8. Wetterau-Pirat says:

    Wurde dieser Text von Nike gesponsert oder steht er im Zusammenhang mit ihrem Besuch bei Nike?

    • Daniel Mack says:

      Die Idee eines Schuhpfandes ist mein persönliches Ergebnis meines Besuches bei Nike im Rahmen meiner Sommertour. Aufgrund der Produktionsweise und der Materialbeschaffung wäre es für Nike möglich, aus Abfällen neue Produkte zu erstellen. Meine Gespräche und Recherchen mit anderen Sportartikelherstellern haben diese These bestätigt.

      Bezahlte Texte gibt es auf dieser Seite nicht.

    • Daniel Mack says:

      Die Forderung eines Schuhpfandes habe ich nach meinem Besuch bei Nike im Rahmen meiner Sommertour aufgestellt. Aufgrund der Diskussion in FNP und FAS habe ich mich entschieden, einen ausführlicheren Text dazu zu verfassen. Sowohl Nike als auch andere Sportartikelhersteller setzen schon heute Abfälle ein, um neue Schuhe oder Shirts zu produzieren. Mein Ziel ist eine möglichst einfache Vervollständigung dieses Kreislaufes.

  9. Lisa says:

    Schöner Innovativer Vorschlag. Bin zwar ein Gegner von Pfandsystemen, aber offensichtlich gibt es ja niemanden, der etwas gegen so eine Idee haben könnte.

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