Ringen muss Teil der Olympischen Sommerspiele bleiben

Die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees hat beschlossen, die Traditionssportart Ringen aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele 2020 zu streichen.

Es ist für mich absolut unverständlich, wie eine der olympischen Sportarten überhaupt aus dem Programm fallen kann, ohne den Sinn der Olympischen Spiele insgesamt infrage zu stellen.

In einem Brief an den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes Dr. Bach bitte ich um Stellungnahmen.

Sehr geehrter Herr Dr. Bach,

wie heute in den Medien berichtet wurde, hat die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees beschlossen, die Traditionssportart Ringen aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele 2020 zu streichen.

Als einer der ältesten Sportarten überhaupt war Ringen schon in der Antike olympisch. Auch vom Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit an, zählte das Ringen zu den unumstrittenen Kernsportarten. Der traditionsreiche Sport wurde erst bei den Olympischen Spielen 2004 für Frauen zugelassen. Ringen ist ein taktischer, technischer Zweikampfsport, der es gerade nicht zum Ziel hat, den Gegner zu verletzen und hatte immer eine hohe Bedeutung für Olympia. Gerade in der Gewaltprävention ist diese Sportart wertvoll.

Es ist für mich unverständlich, wie eine der olympischen Kernsportarten überhaupt aus dem Programm fallen kann, ohne den Sinn dieses Sportereignisses insgesamt infrage zu stellen. Damit hat die IOC-Exekutive aus meiner Sicht die Tradition und den olympischen Gedanken verkauft.

Herr Dr. Bach, mit welcher Begründung hat die Exekutive des IOC beschlossen, Ringen von den Olympischen Spielen auszuschließen?

Wie haben Sie sich als persönliches Mitglied der IOC-Exekutive in der Frage des Ausschlusses von Ringen aus dem Programm der Olympischen Sommerspiele verhalten und welche Position werden Sie und nach dem beschlossenen Ausschluss einnehmen, auch gegenüber dem Deutschen Ringerbund?

Mit dem Ausschluss der Traditionssportart Ringen stirbt ein Stück olympischer Gedanke.

Ich bedanke mich für Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Daniel Mack

Download des Briefes an DOSB-Präsidenten Dr. Bach

6 Kommentare

  1. Ulrich Trosowski says:

    Daniel Mack hat Recht! Ringen muss olympisch bleiben, ansonsten verlieren die neuzeitlichen Spiele ihren Sinn. Warum? Der griechische Ringerverbandspräsident hatte kurz nach dem Bekanntwerden der Ausschlussabsicht die Verantwortlichen des Exekutivkomitees des IOC der „Tötung des Olympischen Geistes“ bezichtigt und die Umbenennung in Business Games gefordert. Dieser Vorwurf wurde von anderen Unterstützern der Ringerkampagne mehrfach als Argument wiederholt. In diesem Zusammenhang wurde auf die 2. Strophe der Olympischen Hymne verwiesen: „Beim Laufen, Ringen und beim Weitwurf erleuchte die Kraft, die den edlen Spielen innewohnt.“ Die angesprochene Kraft wird in der ersten Strophe näher erläutert. Es ist der uralte, unsterbliche Geist, der wahre Vater der Schönheit, der Größe und der Wahrheit, zu dessen Tempeln die Pilger aller Nationen eilen (3.Strophe). Wenn das von Coubertin –übrigens auf einem Erziehungskongress 1894 –gegründete IOC auch heute noch ihre Grundwerte in dieser Hymne verkörpert sieht, dann würde durch den Ausschluss des Ringens die Identität der Olympischen Bewegung zusammenbrechen, die Veranstaltung könnte man nicht mehr Olympia nennen. Man stelle sich vor, es käme von einigen Politikern der Vorschlag aus „Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand“ einen der 3 Pfeiler unseres Gemeinwesens herauszunehmen.
    Ich bin mir sicher, dass es deshalb zu einer „Selbstentweihung“ ( Evi Simeoni FAZ) durch die IOC-Verantwortlichen nicht kommen wird.
    Ulrich Trosowski (Präventionsbeauftragter der Ringergemeinschaft Lahr)

  2. Hermann Schmid says:

    Wir leben in einer Welt, in der alles verändert werden muss- so lautet der Tenor in vielen Bereichen. Aber warum ist dem so, nicht immer wird alles besser, ganz im Gegenteil. Alte Tugenden werden immer überleben und es gab schon immer ein auf und ab. Wenn ich sehe, was an Geldern im Sport fließt, wer den Sport lenkt, wer das Fernsehen beeinflußt- wer die Macht hat, der bestimmt. was ist Golf an olympisch?? es sind die Spiele der Neuzeit, aufgebaut auf Grundsportarten. Und eine wird nun eliminiert. Wo liegt der Auftrag unserer Fernsehanstalten im öffentlich rechtlichen Bereich? nur im Fußball und Handball. Es müsste, egal wie groß die Zuschauerzahlen sind, von jeder Sportart eine gewisse Anzahl Sendeminuten gezeigt werden. Und nicht nur eine kleine Erwähnung.Das würde schon viel bringen.

  3. Lieber Daniel,

    vielen Dank für Deinen Brief an den DOSB-Präsidenten. Unsere Stellungnahme findest Du hier: http://www.dosb.de/de/olympia/olympische-news/detail/news/olympia_aus_fuer_das_ringen/.

    Der DOSB ist der Dachverband für 62 Spitzenverbände in Deutschland, darunter 34 olympische und 28 nicht-olympische Verbänden. Während Ringen nun seinen Olympiastatus verlieren könnte, hoffen sieben andere Verbände, die dem DOSB ebenfalls angehören, auf Aufnahme.

    Um neue Sportarten bei Olympia teilnehmen lassen zu können, müssen andere Sportarten leider weichen. Sonst ist auch die von Dir schon sehr häufig aufgestellte Forderung einer Begrenzung der Spiele nicht umzusetzen.

    Die Entscheidung des EB des IOC basiert auf umfangreichen Analysen, die heute in Lausanne vorgestellt worden sind. Die dpa schreibt dazu: „Dabei hatte die Programm-Kommission des IOC insgesamt 39 Kriterien wie TV-Quoten, Zuschauerzahlen, Ticketverkäufe, Verbreitung, Mitgliederzahlen und Attraktivität für Jugendliche untersucht.“ Die Analysen haben offenbar ergeben, dass Ringen bei den oben genannten und weiteren Faktoren nicht gut abgeschnitten hat. Diese Datenlage führte u.a. zur Entscheidung des EB des IOC.

    Wohlgemerkt: Ich bewerte die Entscheidung der IOC-Exekutive an dieser Stelle nicht, sondern erkläre sie nur.

    Es ist schön, dass es Fans wie Dich gibt, die sich für das Ringen einsetzen. Andere kämpfen für Baseball/Softball, Sportklettern, Karate, Rollersport, Squah, Wakeboaard oder Wushu – die Sportarten, die nun auf Aufnahme hoffen. Das ist ist gut so.

    Der DOSB ist jedoch eine Solidargemeinschaft und so soll es auch zukünftig bleiben.

    Im Übrigen wundert mich ein wenig Deine Argumentation mit der Tradition. In dem Zusammenhang hast Du neulich einen interessanten Twitter-Dialog mit uns geführt (https://twitter.com/danielmack/status/250493896763797504), in dem Du gegen „exotische Sportarten“ wie Rodeln und Bob argumentiertest. Den Hinweis auf die Tradition und die Bedeutung der Bobbahn am Königssee z.B. hast Du damals nicht gelten lassen. Schön, dass Tradition nun für Dich auch einen Wert hat.

    Viele Grüße
    Christian Klaue, Pressesprecher DOSB

    • Daniel Mack says:

      Lieber Christian,

      vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Richtig ist, dass Olympia nachhaltiger werden muss und man an der Stelle dann auch darüber reden muss, welche Sportarten vielleicht aus dem Programm genommen werden müssen. Nun ist es ja so, dass Golf olympisch wird und die Traditionssportart Ringen weichen muss. Golf für Ringen? Ich weiss ja nicht…

      Olympia ist für mich eben keine Formel 1, die alle 2-3 Jahre ihre Regeln ändert und versucht sich neu zu erfinden, sondern eine Institution. Olympia steht für viele Menschen für Werte, für Tradition, für Demokratie, für Frieden und eben nicht für Traditionslosigkeit, maximale Vermarktung und kurzweiligen Eventsport. So wie der Ball rund ist und das Spiel 90 Minuten dauert, gehört Ringen zu Olympia.

      Der Vergleich des Bobsports mit dem Ringen ist extrem schwierig. Das fängt schon bei den Kosten für Material an und hört bei den Kosten für Infrastruktur auf. In einigen osteuropäischen Staaten ist Ringen Volkssport, das trifft auf den Bob- und Schlittensport in keinem Land zu. Richtig ist auch, dass eine Bobbahn eine Investition ist, die sich nie rechnen wird und immer nur für einige wenige Spitzenathleten gebaut wird. Bei Turnhallen (für Ringen) ist das anders. Der Bobsport ist durchaus exotisch, auch wenn Deutschland dort sehr erfolgreich ist. Ob die Materialschlacht im Eiskanal sein muss? Auch darüber kann man sich streiten (und ich finde man muss es auch).

      Vielen Dank für den Dialog, auch wenn ich es sehr schade und traurig finde, dass der DOSB keine Position zum Olympia-AUs für Ringen hat.

      Viele Grüße,
      Daniel

      • Noch kurz zur Richtigstellung: Die Entscheidung gegen Ringen ist noch nicht final. Es ist weiter möglich, dass Ringen 2020 olympisch bleibt. Welche der jetzt acht zur Auswahlt stehenden Sportarten der Vollversammlung für den einen zur Verfügung stehenden Platz vorgeschlagen werden, entscheidet die Exekutive im Mai in St. Petersburg. Und: Ringen musste nicht für Golf weichen. Golf und Rugby sind für 2016 und 2020 fix. Sie wurden 2009 ins Sportartenprogramm aufgenommen. Dafür mussten damals Softball und Baseball (zu der Zeit noch als zwei Sportarten repräsentiert durch zwei Verbände) weichen.

  4. Matti Merker says:

    Hallo Daniel,

    nachdem du in deiner ersten Stellungnahme abgelehnt hatest einen Brief/Pressemitteilung zu verfassen, da du dich ja nicht um jede Fehlentscheidung des DOSB kümmern könntest, sehe ich deine jetztige Stellungnahme/Brief als den besseren Schritt an.

    Der DOSB muss in den nächsten Tagen/Wochen alles daran setzten, dass das Ringen auch weiterhin olympisch bleibt und das Motto „Dabei sind alles“ nicht zur Farce wird. Das Ziel von Olympischen Spielen sollte nämlich nicht sein, einen möglichst großen Gewinn zu generieren, sondern die Jugend und die Sportarten unserer Welt alle vier Jahre zu vereinen.

    Viele Grüße Matti

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