Foto: AudioguideMe

Startup audioguidMe: „Hürden gab und gibt es mehr als genug zu meistern“

Foto: AudioguideMe

Die Welt steckt voller Geschichten. Geschichten, die erzählt und gehört werden wollen. Durch audioguideMe soll das Smartphone zum akustischen Wegbegleiter werden. 

Hannes WirtzPaul Bekedorf und Christoph Tank beschreiben im Interview mit mir den Weg von der Idee zur App, beschreiben warum innovativ Dinge oft außerhalb der Landesgrenzen entstehen und erklären, warum es zu jedem Ort gibt es eine Geschichte gibt.

audioguidMe! Erzählt doch mal, was kann die App?

Durch audioguideMe wird das Smartphone zum akustischen Wegbegleiter – auf zwei Arten: Jeder Nutzer der Anwendung hat die Möglichkeit sich Beiträge („Audios“) anzuhören, die sich in seiner direkten Umgebung befinden, darüber hinaus kann er eigene Inhalte direkt über sein Smartphone aufnehmen, diese an seinem Standort platzieren und veröffentlichen.

Team AudioguideMe

Diese Beiträge können alles sein: Erzählungen, Geschichten, akustische Erinnerungen wie bspw. Straßenmusik, oder eine öffentliche Rede – alles ist möglich. Angereichert wird diese akustische Vielfalt hierbei schon jetzt z.B. durch Hörbuchverlage, die Auszüge aktueller Titel an den Orten der Handlung als Hörprobe anbieten, Informationen über Kunst im öffentlichen Raum, fiktive Geschichten sowie ganz klassische Audioguides zu verschiedenen Themenfeldern.

Den Nutzern sind also keine Grenzen gesetzt?

Ob Empfehlungsplattform mit dem Charme der mündlichen Überlieferung oder neues Instrument zur Partizipation von Bürgern bei unterschiedlichsten Entscheidungs- und Willenbildungsprozessen wie bspw. städtebaulicher Planungs- und Entwicklungsarbeit: Wir sind in alle erdenklichen Richtungen offen und bestrebt unseren Nutzern die Möglichkeiten an die Hand zu geben, die sie brauchen, um Ihre Vorstellungen umsetzen zu können.

Und wie waren die Reaktioen zum Start der App?

Erfreulicherweise überwiegend gut. Unser Ansatz, mal etwas abseits von den omnipräsenten Bild und Videoanwendungen, neue akustische Wege auszukundschaften stieß vielerorts auf Interesse und wohlwollende Beachtung.

Mobiltelefone wurden ursprünglich zum Hören und Sprechen entwickelt. Die Stimme transportiert weitaus mehr als nur Inhalte. Im Gegensatz zu Ansätzen visueller „augmented reality“, die das Display in den Vordergrund stellen, liefert unser Ansatz eine alternative Tonspur.

Interessanterweise zeigen sich schon jetzt spannende regionale Entwicklungen, die zum Teil vollkommen unterschiedliche Szenarien der Anwendung abbilden. Wir beobachten das sehr gespannt und erfreut.

Wie lange habt ihr gebraucht, bis eure App den Weg von der Idee in den AppStore gefunden hat?

Die Idee entstand während unseres Studiums. Richtig konkret wurde es vor ca. einem Jahr. Die Konzeption und Umsetzung dauerte dann ungefähr 9 Monate, dieser Prozess ist natürlich auch jetzt, nach Beendigung der geschlossenen Betaphase und dem offiziellen Launch nicht abgeschlossen. Auf unserer Plattform sollen die Nutzer entscheiden, wofür sie audioguideMe letztlich verwenden möchten, daher sind alle herzlich eingeladen den weiteren Entwicklungsprozess aktiv mitzugestalten.

audioguideMe Logo

Hürden gab und gibt es mehr als genug zu meistern. Angefangen bei Fragen der Finanzierung und technischen Machbarkeit, bis hinzu rechtlichen Aspekten und dem nicht zu vernachlässigenden bürokratischen Aufwand, den ein solches Projekt mit sich bringt.

Habt ihr an Gründerwettbewerben o.ä. teilgenommen, um Mittel für euer Projekt einzuwerben? Wenn ja, an wie vielen und hattet ihr Erfolg?

Wir haben bereits in einer frühen Phase der Konzeption angefangen, an Wettbewerben teilzunehmen. Die Möglichkeit Expertenmeinungen einzuholen und ein erstes Lebenszeichen auszusenden, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen, bzw. zu weit hinauszögern.

Ganz gleich, ob man zu den Gewinnern eines Wettbewerbs zählt oder bereits in der Vorrunde rausfliegt, hilft es die eigene Idee immer weiter zu präzisieren und vor allem lernt man recht schnell diese entsprechend knackig zu präsentieren.

Habt ihr sonst irgendwelche Hilfestellungen bekommen, oder habt ihr das ganze Projekt alleine geschultert

Finanziell gab es keinerlei Hilfestellungen. Erwähnens- und empfehlenswert wäre aber zum Beispiel das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. Diese Kompetenzzentren gibt es unseres Wissens nach in jedem Bundesland und die Beratung ist kostenlos. In Hamburg gibt es noch eine weitere, städtische Einrichtung zur Förderung der Kreativwirtschaft. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft ist eine Einrichtung, die ebenfalls ein relativ weitgefächertes Beratungsangebot für Gründungswillige bereithält. Darüber hinaus sollte man schauen, welche Einrichtungen zum eigenen Vorhaben passen. Wir machen zum Beispiel immer wieder hervorragende Erfahrungen im Austausch mit Fachhochschulen und Universitäten.

Nach den Erfahrungen, die ihr gemacht habt. Würdet ihr so ein Projekt in Zukunft noch mal beginnen?

Auf jeden Fall! Es sind gerade diese Erfahrungen, die es eigentlich geradezu bedingen vergleichbare Vorhaben erneut anzugehen und umzusetzen. In vielerlei Hinsicht absolviert man eine Lernkurve, von der man als „Wiederholungstäter“ sicherlich ebenso in erheblichem Umfang profitiert, wie durch die wertvollen Kontakte, die man inzwischen knüpfen konnte. Ob man hierbei immer an vorderster Stelle agiert, oder ein anderes Projekt vielleicht beratend betreut, wird sich zeigen.

App-Screenshot

Diese frühe Phase ist ein ganz entscheidender Streckenabschnitt, da sie einen wichtigen, ersten Filterprozess beinhaltet und daher so intensiv wie möglich durchlebt werden sollte.

Je nach Art des Projektes empfiehlt sich evtl. auch die Suche nach entsprechenden Fördermitteln. Hier wäre zum Beispiel das EXIST-Gründerstipendium zu nennen. Die Vorbereitung einer Antragsstellung ist auf der einen Seite zwar extrem zeitintensiv, kann jedoch im Falle einer Bewilligung ein wichtiger Faktor bei dem geplanten Gründungsvorhaben sein.

Was müsste sich ändern, damit es junge und innovative Gründer in Zukunft leichter haben, aus ihren Ideen Projekte und schließlich Produkte zu entwickeln?

Zu diesem Thema könnte man ein ganzes Buch schreiben, da es wirklich sehr vielschichtig ist. Der Erhalt und Ausbau kostenloser Beratungsangebote ist sicherlich ein wichtiger Faktor. Auch beim Austausch und der Zusammenarbeit zwischen digitaler Wirtschaft und den eher klassischen Branchen ließen sich gewiss noch stärkere Synergien erzeugen, im Sinne genreübergreifender Netzwerkarbeit zum Beispiel.

Ihr seid jetzt ein Teil dessen, was als Kreativwirtschaft bezeichnet wird. Politiker, und ich kann mich da nicht ganz ausschließen, verweisen immer gerne auf die vielen positiven Fakten zur Kreativwirtschaft. Viele neue Jobs, gute Wachstumsquoten, flexible Arbeitsbedingungen. Da ist dann oft von wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit die Rede und Städteplaner werben öffentlich um die „jungen Kreativen“. Wie seht ihr die Branche? Fühlt ihr euch umworben?

Unser Projekt ist nicht nur ein Produkt der modernen Kultur- und Kreativwirtschaft, sondern dient schon jetzt als Plattform für andere Akteure dieser Branche. Diese Zusammenarbeit ist extrem spannend und man erhält einen guten Überblick über das beeindruckende Potenzial und die Kreativität, die in diesem Bereich anzutreffen ist. Die Gründerszene, so weit wir uns denn schon dazu zählen dürfen, erleben wir einerseits als sehr offen und unglaublich dynamisch, auf der anderen Seite dominiert in Deutschland doch sehr stark eine Vorliebe für unmittelbare Wirtschaftlichkeit und etablierte Geschäftsmodelle. Dies ist evtl. einer der Gründe, warum die wirklich innovativen Impulse und Produkte in diesem Sektor bislang eher außerhalb unserer Landesgrenzen entstehen.

Wie geht es jetzt weiter mit audioguidMe?

Ähnlich wie in der Politik geht es bei unserem Projekt, im wahrsten Sinne des Wortes, um jede Stimme. Wir möchten organisch wachsen, ohne den offenen Charakter der Plattform zu verfremden. Die Vorstellung, künftig überall sprechende Orte entstehen zu sehen, ist ein Gedanke der uns wirklich fasziniert: Ein kollektives, akustisches Archiv, komponiert aus den Stimmen der Stadt und hochwertig produzierten Beiträgen unserer Kooperationspartner.

Einige Features unserer Plattform bieten schon jetzt interessante Möglichkeiten für den Dialog und Austausch zwischen Institutionen und Bürgerinnen und Bürgern. Eine Android-Version ist ebenfalls in Planung, um die Reichweite der Anwendung weiter zu vergrößern.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit der App.

Ein Kommentar

  1. Karl says:

    Schönes Interview!

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