Stehplätze in Bundesliga-Stadien: Verbot löst nicht das Gewalt-Problem

Die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sieht ein mögliches Stehplatz-Verbot in Fußball-Stadien kritisch. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Fan-Gewalt im deutschen Fußball spekuliert DFB-Präsident Wolfgang Niersbach im Interview mit dem Kicker über ein mögliches Stehplatz-Verbot. In englischen Stadien würden aus Sicherheitsgründen nur noch Sitzplätze angeboten. Der sportpolitische Sprecher der GRÜNEN, Daniel Mack, erwidert „das Problem der Gewalt in und vor allem um deutsche Stadien wird nicht gelöst, in dem ein paar Sitzschalen aufgestellt werden.“

„Die Situation im Stadion ist nicht das Problem. Außerhalb der Spielstätten kommt es häufig zu Gewalt, vor allem wenn große Gruppen aufeinander treffen“, erläutert Mack. Daher müssten „die Fans für einen gewaltfreien Ablauf von Fußballspielen stärker in die Verantwortung genommen werden. Eine Mischung aus harter Kante und Prävention.“ Die GRÜNEN fordern die Vereine und organisierten Fan-Clubs auf, im Vorfeld von Spielen noch stärker deeskalierend tätig zu werden. „Ziel von Clubs, Fans und der Politik sollte es sein, die seit Jahrzehnten gelebte Fankultur unter Einbeziehung der Stehplätze zu erhalten.“

„Jeder muss sich einen Besuch im Stadion leisten können. Fußball war und ist auch das Spiel der breiten Gesellschaft, und das muss es bleiben“, fährt Mack fort. Die Atmosphäre in deutschen Stadien sei in ganz Europa bekannt. Die Stehplätze wären für viele Fans ein besonderer Teil der deutschen Fußballkultur. „Für eine große Zahl der friedlichen Zuschauer sind Stehplätze eine Art letzte Bastion des Fan-Seins.“ Die GRÜNEN sehen das ausschließliche Verhängen von Geldstrafen für Vereine und den Ausschluss von Zuschauern als unzureichende Maßnahmen gegen Gewalteskalation an. „Es wäre wichtig die Täter individuell noch stärker zur Verantwortung zu ziehen“, schlägt Mack vor.

4 Comments

  • Tobias C

    Die Politik darf nicht den Fehler machen und das Problem der Gewalt auf den Fussball zu schieben!
    Der DfB und die DFL müssen aufräumen. Und was auf den Staßen passiert ist muss das Problem der Politik sein und nicht das Problem des Fussballs!!!
    Ich hoffe, Sie sehen das nach den jüngsten Vorfällen v.a. auch gegenüber den Polizisten anders!

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  • Felix Barth

    „Es wäre wichtig die Täter individuell noch stärker zur Verantwortung zu ziehen“

    Bis zu diesem letzten Satz stimme ich 100%ig zu. Ohne Stehplätze würde ein großer Teil der deutschen Fußballkultur verloren gehen. In dieser Hinsicht ist die Bundesliga keineswegs mit der Premier League vergleichbar. Die härtere Bestrafung der Täter sehe ich jedoch äußerst kritisch. Zwar ist der Grundgedanke, stärker nach dem Verursacherprinzip zu handeln im Kern richtig. Doch de facto sieht es in der Realität derzeit so aus, dass diese Personen von Vereinen, die von der DFL verurteilt wurden, horende Schadenersatzforderungen sowie ein juristisches Verfahren zu erwarten haben.

    So geschehen z.B. im Fall des Becherwerfers von St. Pauli. Neben den 12.000 EUR, zu denen er verurteilt wurde, fordert der Club von ihm Schadenersatz in Höhe der Einnahmeausfälle, die durch das Bundesligaspiel verursacht wurden, das der FC St. Pauli zur Strafe 50km entfernt austragen musste. Darunter fallen zwar nicht die Tickets als Haupteinnahmequelle, aber insgesamt dennoch ein fünfstelliger Betrag u.a. durch Nachforderungen von Sponsoren. Lange Rede kurzer Sinn: Da fehlt jede Verhältnismäßigkeit. So sehr das Verhalten des “Fans” zu verurteilen ist: Der Mann ist finanziell praktisch ruiniert und wird sich jahrelang in zivilrechtlichen Verfahren verantworten müssen.

    Man müsste diese Strafen also zwingend auf Ebene des DFB institutionalisieren. Das Sportgericht hat de juren meines Wissens jedoch keine Zuständigkeit bzw. Befugnis gegen Privatpersonen vorzugehen, die weder Spieler noch Funktionär des Verbands sind, sondern durch ihren Ticketkauf lediglich einen Vertrag mit dem Verein geschlossen haben.

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    • Tobias C

      Der Mann war wahrscheinlich schon vorher finanziell ruiniert – da wird bei Ticketpreisen von 8 €, die er sich vom Hartz IV abgestottert hat ohnehin nichts zu holen sein!

      Wer den Vereinsfussball in Deutschland retten will muss handeln wie England oder Spanien.
      Ansonsten kann er in Italien sehen, was mit Vereinsfussball passiert!

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      • Carsten B

        Wenn ich lese was dieser Tobias C da schreibt, muß ich kotzen, der ist doch kein Fussball Fan,voll der Spinner.

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