Twitta! Wos is des?

“Es ist nicht so, dass ich über das B-Team von Bayern schlecht rede, aber ich gehe zum B-Team, um ein Freundschaftsspiel zu machen. Was für eine Phase ich durchmache, Bayern macht ein krummes Ding mit mir!” twitterte Bayern-Spieler Breno über seinen Account @Breshow02.

Der Verteidiger, der die medizinische Abteilung des FC Bayern alleine beschäftigt und bislang auf dem Platz nicht großartig in Erscheinung getreten ist, kritisierte Trainer Jupp Heynkes, weil er am Sonntag nicht zum Kader im Testspiel gegen Rot-Weiß Erfurt zählte, sondern bereits am Samstag in der zweiten Mannschaft zum Einsatz gekommen ist.

Der FC Bayern München wollte die Twitter-Attacke zunächst nicht kommentieren. Es müsse geprüft werden, ob der Account @Breshow02 tatsächlich Breno gehöre und der Spieler die Nachricht selbst verfasst habe, erklärte Mediendirektor Markus Hörwick.

Der Rekordmeister hat es bisher nicht für nötig gehalten sich intensiver mit Twitter zu beschäftigen und seine Fans in 140 Zeichen zu informieren. “Ich habe keine E-Mail-Adresse, bekomme Anfragen per Fax und habe in meinem Handy keine Nummern gespeichert.”, ist dann halt doch zu viel Steinzeit, Herr Hoeneß. Über @fcbayern_news wird lediglich auf neue Artikel auf der Homepage aufmerksam gemacht. Dialoge und Interaktion mit den Fans findet nicht statt. Twittern mit Konzept? Fehlanzeige.

Ein Mediendirektor, der die Social-Media-Profile seiner Spieler nicht kennt? Markus Hörwick kann froh sein, dass Hoeneß, Nerlinger und Co den holländischen Nationalspieler Ryan Babel nicht von Hoffenheim nach München transferiert haben. Der twittert nämlich bis zu 50 Mal am Tag und hat auch keine Scheu seine Kritik an Schiedsrichtern in 140 Zeichen auf den Punkt zu bringen.

Update 16.01.2012 22.00 Uhr: Breno hat seinen Tweet gelöscht.

Update 17.01.2011 13:30 Uhr: ”Es war nur ein Missverständnis, mehr möchte ich dazu nicht sagen”, sagte Breno SPIEGEL ONLINE. Und auch der FC Bayern hat sich nun seine Meinung gebildet. Twitta? Des is nix. ”Ich würde ihm zumindest mal die leicht Gelbe Karte geben.”, lässt Club-Chef Karlheinz Rummenigge erklären und bittet Breno nicht mehr zu twittern. “Er sollte es in Zukunft lassen zu twittern.”, sagte er WELT ONLINE. Ein Twitterverbot beim FC Bayern? Und was ist mit Facebook? Das wäre ein Novum im Weltfußball.

Fakt ist: Spieler haben schon immer ihren Unmut geäußert, Internas wurden schon immer aus der Kabine hinausgeplaudert. Lothar Matthäus hatte Redakteure jahrelang versorgt und Gespräche aus der DFB- und FCB-Kabine verraten. Die neue Dimension ist, dass man nicht einen Journalisten “privat” informiert, sondern direkt Millionen von Menschen. Zumindest theoretisch.

Dem FC Bayern fehlen, wie der ein oder anderen Fraktion in der Politik, klare Kommunikationsrichtlinien, wie sie auch in Unternehmen gelten. Darin kann geregelt werden, wie Spieler mit den neuen Dialog-Möglichkeitenn umgehen sollten. Keine Detailregen, sondern ein abgesteckter Rahmen, in dem sich die Fußballprofis bewegen können. Darin kann es dann auch heißen: Die Mannschaftsführung wird für ihre Entscheidungen nicht öffentlich kritisiert.

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Der deutsche Fußball auf Twitter: Einbahnstraße und Maulkorb?


11 Kommentare

  1. Lukas Uhde says:

    Heute hat sich der FC Bayern aus einer ernst zu nehmenden Social Media Kompetenz wohl endgültig verabschiedet..

  2. Kris says:

    Ich bin nicht besonders überrascht, dass man von Brenos Twitteraccount nichts wusste, denn dann hätte man ihm sicherlich *empfohlen*, etwas zurückhaltender über seine Aktivitäten nach Mitternacht (inkl. Bilder) zu tweeten oder aber seine Wünsche nach Brasilien zurückzukehren.

    Angesprochen auf diesen Vorfall, ist für den Vorstand dann sicher wieder das böse Internet schuld.

  3. Stefen says:

    Diesen Artikel über das kommende FCB eigene Facebook kennst Du aber schon?
    http://www.tz-online.de/sport/fussball/fc-bayern/das-internet-geschenk-uns-1563490.html
    Wir dürfen gespannt sein, was die Bayern da in Sachen Social Media auf die Beine stellen…

    Seinen Tweet hat Breno inzwischen gelöscht – was dafür sprechen dürfte, daß der Account authentisch ist. Hat er sich also heute beim Trainer entschuldigt? “Entschuldige bitte, war angetrunken, wollte ein bißchen Feuer machen, aber es sollte nicht so heiß werden. Will Deine Hand nehmen.”

    • Daniel Mack says:

      Ja, den tz-Artikel habe ich gelesen. Da hätte ich mir aber kritischere Nachfragen gewünscht. “Das FCB eigene Facebook” – besser sie stecken ihre Energie in Facebook & Twitter und engagieren ein paar ordentliche Blogger. Zu Pseudonymität und dem Datenschutz will ich gar nichts sagen.

      Na dann sollte Breno sich mal selbst dazu erklären. Es spricht ja nichts dagegen einen Tweet zu löschen, irgendwas muss er sich ja dabei aber gedacht haben…

      • Stefen says:

        Beim Löschen des Tweets hat er sich ganz bestimmt was gedacht ;)

        Das ist eine der offenen Fragen, was gemeint ist mit: “die Bayern-Fans aus der Anonymität herauszuholen”. Ich glaube nicht, dass es einen Klarnamenzwang geben wird.

        Und wie ein richtiger Dialog aussehen soll und wie dort die Spieler eingebunden werden. Kann man was richtig Schönes draus machen. Aber weitere Infos habe ich dazu leider nicht.

        • Kilian says:

          Am Ende hat dann jeder Verein sein eigenes Network? Wo kommen wir denn da hin? Die Bayern sind ja wirklich super. Die Vermarktung im Netz bekommen sie aber wirklich nicht hin. Da läuft einiges, trotz des hohen Aufwandes, schief.

          @Daniel: Du kannst doch mal alle Vereine im Netz vergleichen?

          • Stefen says:

            Das wird einer der Knackpunkte sein: Wollen sich genügend Leute neu anmelden? Kann man sich z.B. auch mit seinem Facebook- oder Twitteraccount anmelden? Wir werden sehen.

            Was wird aus den anderen Neztwerken? Ziehen die Nutzer in Scharen von Spox und anderen weg?
            Dass “jeder Verein sein eigenes Netzwerk” macht – äh, ja, die haben ja auch alle eine eigene Website mit allem drum und dran – warum sollte alles einheitlich und unter einem Dach sein müssen? Ich bin kein Freund von Monopolen. Aber _vor_ dem Start schon von “nicht hinkriegen” sprechen – verstehe ich nicht.

  4. Gabriel says:

    Nun ja, das ist eben der FC Bayern. Es gibt ja mit Dortmund und dem HSV echt bessere Beispiele.

    Hat der FC Bayern Twitter nicht nötig?

  5. Benedikt says:

    Gut kommentiert. NBA ist eben keine Bundesliga. Deutschland liegt halt echt mal krass zurück….

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