Urteil des DFB-Sportgerichts hätte Champions-League-Sieg für FC Bayern bedeuten können

Ich nehme mit Verwunderung zur Kenntnis, dass das Gericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den Einspruch von Hertha BSC Berlin gegen die Wertung des Relegationsrückspiels bei Fortuna Düsseldorf (2:2) als unbegründet abgewiesen hat.

Hätte das DFB-Sportgericht bereits am Freitag entschieden, hätten die Fans des FC Bayern in der 83. Minute nach dem Tor von Thomas Müller den Platz stürmen müssen. Die Konsequenz des Sportgerichts-Urteils ist ein Freifahrtschein für alle Fußballfans: Im entscheidenden Moment darf man ungestraft kollektiv den Platz stürmen. Das kann niemand wollen.

Das DFB-Sportgericht hatte entschieden, dass trotz des Platzsturms der Fortuna-Fans in der Endphase des entscheidenden Relegationsspiels gegen Hertha BSC, der Düsseldorfer Aufstieg bestand habe.

9 Kommentare

  1. Gabriel says:

    Würde man das Urteil mal weiter denken: der DFB würde wirklich sagen, ein Platzsturm ist okay. Was hätte das in Zukunft für Auswirkungen auf Relegationsspiele oder Spiele um die Meisterschaft? Hat der DFB vielleicht auch Angst vor einem Urteil?

    Oder liegt das Fazit des Urteils am Relegationsspiel, weil es um zu viele Millionen geht?

  2. Hannah says:

    Lieber Daniel,
    Du schreibst hier folgendes:
    “Absperrungen haben während der Spielzeit ihren Sinn, gibt es Ausschreitungen (es ist unstrittig, dass es sie gab), müssen die Vereine mit Konsequenzen rechnen.”

    Über diese Äußerung bin ich sehr überrascht!

    Es ist unstrittig, dass es Ausschreitungen gab? Bitte definiere “Ausschreitungen”. Ich habe nämlich keine “Ausschreitungen” von Seiten der Fortuna-Fans feststellen können. Laut meiner Definition von “Ausschreitugen” fand nur folgendes statt: 1.Hertha-Fans warfen Bengalos und Raketen aufs Spielfeld. 2.Hertha-Spieler attakierten verbal und physisch Schiedsrichter Stark. 3.Hertha-Fans zerlegten den Sonderzug auf dem Heimweg nach Berlin.

  3. Hannah says:

    Lieber Daniel,
    Mit Bedauern muss ich feststellen, dass Du das Urteil des DFB-Sportgerichts nicht verstanden hast. Genau aus dem Grund, den Du anführst – mögliche Mittel der Spielbeeinflussung durch Fans – wurde der Hertha-Einspruch abgelehnt. Wenn der Hertha-Einspruch Erfolg gehabt hätte, dann hätte dies die deutschen Fußball-Fans darin bestärkt, dass sie selbst direkt Einfluss auf den Verlauf von Fußballspielen nehmen können. So aber hat das DFB-Sportgericht (zurecht) für den Sport entschieden: 1.Das Spiel ist regelkonform beendet worden. 2.Es konnte nicht nachgewiesen werden, dass die Hertha-Spieler durch den vorzeitigen Platzsturm entscheidend geschwächt waren. Stattdessen legten sie eine “Hetzjagd” (Zitat von Schiedsrichter Stark) gegen den Schiedsrichter hin und wandten sowohl verbale als auch physische Gewalt ihm gegenüber an. Die offensichtlich auswendig gelernten und sehr unglaubwürdigen Zeugenaussagen der Hertha-Spieler haben den Richter zudem in seinem Glauben, dass von “Todesangst” überhaupt keine Rede sein konnte, nur bestätigt. 3.Das Spiel wurde insgesamt 3 mal abgebrochen, 2 mal durch das Werfen von Bengalos und Raketen von Hertha-Fans aufs Spielfeld. Während man deshalb bei dem Verhalten von Hertha-Fans durchaus von “Gewalt” sprechen kann, handelte es sich bei den Fortuna-Fans um pure Freude über den zu diesem Zeitpunkt vermeintlichen Aufstieg. Von dem Vorsatz das Spiel vorzeitig beenden zu wollen kann daher keine Rede sein (im Gegensatz zu den Hertha-Fans, die nach dem 2:1 für Fortuna mit allen Mitteln versuchten, einen Spielabbruch herbeizuführen). Dass die auf den Platz gestürmten Fans von Spielern und Offiziellen erfolgreich wieder vom Platz verscheucht werden konnten (die Polizei wurde hierfür nicht benötigt!) ist ein Indiz dafür, dass sie eben nicht vorsätzlich das Spiel beenden wollten. In diesem Zusammenhang muss auch erwähnt werden, dass es nicht – wie in den Medien berichtet – 21 Minuten dauerte, ehe die Fans das Spielfeld verlassen hatten. Vielmehr hatten die Fans bereits nach wenigen Minuten den Platz verlassen und nur weil Hertha seinerseits versuchte, einen Spielabbruch herbeizuführen, indem sich die Spieler viele Minuten weigerten, das Spiel fortzusetzen, während sich die Mannschaft von Fortuna schon lange wieder spielbereit auf dem Platz befand, dauerte es 21 Minuten, bis das Spiel wieder angepfiffen werden konnte.
    Hätte das DFB-Sportgericht dem Hertha-Einspruch zugestimmt, dann wäre die Position des Schiedsrichters signifikant geschwächt worden. Zudem hätte eine solche Entscheidung die Tür für eine Flut von Klagen geöffnet, denn jedes Mal, wenn durch irgendwelche äußeren Einflüsse sich ein Spieler vermeintlich in seiner Konzentration geschwächt sehen würde (z.B. Bierbecherwurf, Kassenrollenwurf, Geldstückwurf, Äußerung von fremdenfeindlichen Hasstiraden, Laserpointer, persönliche Beschimpfungen, etc.), würde ihn bzw. seinen Verein dies legitimieren, ein Ergebnis anzufechten. Das Urteil vermeidet daher genau die Schlussfolgerung, die Du fälschlicherweise ziehst, nämlich dass Fans direkten Einfluss auf ein Fußballspiel nehmen können.
    (Gleichzeitig veröffentlicht als offener Brief auf http://politischundparteilos.wordpress.com)

    • Daniel Mack says:

      Hallo Hannah,
      es geht einzig und allein um den Platzsturm der Fortuna-Fans. Absperrungen haben während der Spielzeit ihren Sinn, gibt es Ausschreitungen (es ist unstrittig, dass es sie gab), müssen die Vereine mit Konsequenzen rechnen.

      Es kann nicht sein, dass ein Fußballspiel in den letzten Spielminuten von hunderten Polizisten abgesichert werden muss. Eine Neuansetzung hätte klar und deutlich gesagt: So wie in Düsseldorf geht es nicht.

      Viele Grüße,
      Daniel

  4. Willi says:

    So schlecht wie sie waren hätten sie auch so verloren.

  5. Michel says:

    Das Urteil ist absurd. Aber ob der FCB dann gewonnen hätte? Naja, stimmt schon. Die Chance wäre auf jeden Fall da gewesen.

    Warum der DFB kein Signal gegen Ausschreitungen setzt? Komisch!

  6. Lennard says:

    Wobei dann beim Finale trotzdem hätte wiederangepfiffen werden müssen, wurde in der Relegation ja auch. Sprich Bayern hätte trotzdem nicht mit 100%iger Sicherheit gewonnen.

    Ein Fehler hat sich eingeschlichen: Du schreibst, dass der Düsseldorfer Sieg bestand habe, hat er nicht. Der Düsseldorfer Aufstieg hat bestand. Das Spiel ging ja schließlich 2:2 aus.

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