ali_krieger_ft1

Interview mit US-Soccer-Star Alex Krieger: „Ich mag Deutschland voll“

Zwei Tage vor dem Finale der Frauen-WM 2011 in Frankfurt habe ich US-Soccer-Star Alex Krieger getroffen und interviewt. Die 26-jährige Amerikanerin hat von 2007 bis 2011 beim 1. FFC Frankfurt in der Bundesliga gespielt, wird bei den US-Girls auf der rechten Verteidigerposition eingesetzt und will weiterhin in Deutschland spielen. Sie hat die Meisterschaft, den DFB-Pokal und den UEFA-Womenscup gewonnen. Am Sonntag spielt sie mit ihrem Team „zu Hause“ in Frankfurt gegen Japan. Mit dem entscheidenden Treffer im Elfmeterschießen gegen Brasilien im Viertelfinale hat Alex (Rückennummer 11) maßgeblich zum Erfolg der US-Girls beigetragen. Auf Twitter findet ihr sie unter @AlexBKrieger.

Hi Alex, willkommen in Frankfurt. Wie ist es für Dich ausgerechnet hier das Finale zu spielen?

Es ist etwas sehr besonderes dort das Finale zu spielen, wo ich die letzten dreieinhalb Jahre gewohnt habe. Einfach toll. Für mich wird ein Traum wahr. Ich bin sehr froh wieder hier zu sein. Gerade mit diesem Team und diesen Spielerinnen. Es wird hoffentlich ein gutes und erfolgreiches Spiel.

Was sagen Deine Team-Kolleginnen zu Deutschland als Gastgeberland der WM?

Deutschland ist ein Fußballland. Es ist sehr schön hier eine WM zu spielen. Das ist alles super gemacht. Super toll. Die Atmosphäre ist unglaublich. Steffi Jones und der DFB haben eine tolle Arbeit geleistet. Wir sind alle ganz und gar glücklich. Alles ist perfekt. Nur die Schiedsrichterinnen könnten ein bisschen besser sein (lacht).

Hast Du schon Fragen nach Sightseeingtouren bekommen?

Klar. Von den Spielerinnen und Betreuern. Die haben mich gefragt, was sie einen Tag in Frankfurt machen können. Was schön ist, wohin sie gehen können, und was sie sehen sollten. Ich freue mich, einfach in die Innenstadt zu gehen. Das ist für mich ein sehr schöner Ort.

Auch, wo man am Sonntagnacht hingehen kann?

(lacht) Vielleicht. Aber das kann ich doch nicht sagen. Wahrscheinlich in einen Club. Hoffentlich können wir dann ein oder zwei Getränke trinken.

Bist du schon nervös vor dem Spiel gegen Japan?

Natürlich. In einem WM-Finale zu spielen kommt nur einmal im Leben vor. Japan hat ein sehr gutes Passspiel. Wenn wir als Mannschaft auftreten, haben wir eine gute Chance auf den Titel. Wir spielen aus dem defensiven Mittelfeld heraus. Das ist unser Motor. Fast jeder Pass wird von dort aus gespielt. Deshalb sind wir auch so erfolgreich.

Wie bewertest Du die japanische Mannschaft? Welche Spielerinnen sind besonders gefährlich?

Die haben viele gute Spielerinnen, die auch in der Bundesliga aktiv sind. Ich denke wir müssen auf Sawa aufpassen. Saki Kumagai ist auch eine exzellente Spielerin. Sie kommt dann nach der WM nach Frankfurt. Aber auch Miyama, die auf der linken, also auf meiner Seite spielt, ist richtig gut. Ich denke, wir sind gut vorbereitet auf ein Spiel gegen einen starken Gegner.

Miyama schießt auch messerscharfe Freistöße. Habt ihr Euch darauf besonders vorbereitet?

Wir haben gestern in unserem Meeting darüber gesprochen. Ja, wir sind darauf vorbereitet und haben letztes Jahr schon drei Mal und auch dieses Jahr im Frühling gegen Japan gespielt. Ich denke, wir kommen mit ihrer Spielweise klar und ich hoffe sehr, dass wir unser Spiel umsetzen können.

Dein Tipp: Wie viele Tore wird die USA schießen?

Hoffentlich fünf (lacht). Mal schauen. Vielleicht auch drei.

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin, Petra Roth hat angeboten, die Weltmeisterinnen auf dem Römer zu empfangen. Gute Idee, oder?

Wenn wir gewinnen, würde ich das sehr gerne machen. Wir müssen allerdings nach Hause fliegen. Ich kann ja mal unseren Manager fragen, aber ich glaube es wollen dann wirklich alle zurück nach Hause und mit Freunden und Familien feiern.

Wie war die Berichterstattung in den USA über Eure Leistungen? Gerade nach dem Sieg im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Brasilien und nach dem Finaleinzug?

Das war unglaublich. Ich habe 4.000 E-Mails bekommen. Viele Fans, aber auch viele Celebrities, schreiben uns auf Twitter und Facebook. Das ist eine tolle Motivation. Wir lesen sehr viel davon. Wir Spielerinnen bekommen natürlich viel Support von Freunden und von der Familie. Wir sind ja auch überall in den Nachrichten und Zeitungen. Das ist wirklich etwas sehr Besonderes für uns. Unser Sport kommt ja in den USA erst an vierter oder fünfter Stelle. Wir sind sehr begeistert und die USA sind sehr stolz auf uns.

Du bist die einzige Spielerin im US-Team, die vor der WM nicht in den USA gespielt hat. War das ein Handicap?

Ja, ich konnte leider nicht zu jedem Lehrgang oder Trainingslager gehen und nicht zeigen was ich kann. Zum Glück hat es auch so geklappt. Auf der anderen Seite hat mir das Spiel in Frankfurt auch sehr geholfen. Ich bin hier noch besser geworden. Ich habe jetzt ein besseres Passspiel und spiele auch deutlich schneller. Es ist also nicht so schlimm gewesen, dass ich hier, beim 1. FFC Frankfurt, gespielt habe.

US Liga vs. Bundesliga. Wo sind die Unterschiede?

Die US-Liga ist etwas ganz anderes. Wir haben nur sechs Teams. Es gibt kein besser oder schlechter. Es ist nur anders. Ich finde die Bundesliga ist etwas stärker. Ist auch kein Wunder, ich hab ja seit 2007 hier gespielt und es war sehr schön (lacht). Hoffentlich bekommen wir jetzt ein bisschen mehr Aufschwung zu Hause, wenn wir das Finale gewinnen sollten.

Kannst Du dir auch vorstellen weiter in Frankfurt beim 1. FFC zu spielen?

Ja, klar. Ich kann mir das definitiv vorstellen. Die Frage ist nur, wann? Ich weiss nicht, ob das sofort nach der WM klappt. Ich muss das wegen der Olympiaqualifikation und unserer Victory Tour mit dem Trainerteam klären. Da haben wir ja dann noch mal 5 bis 10 zusätzliche Spiele. Vielleicht geht es ab Ende August. Hoffentlich kann ich dann wieder hier her kommen. Ich mag Deutschland voll und ich fühle mich hier sehr wohl. Ich würde dann sehr gerne wieder beim 1. FFC spielen. Der 1. FFC ist ja auch mein Lieblingsverein.

Deine Kolleginnen vom 1. FFC, Birgit Prinz & Co, sind ja schon mit Deutschland im Viertelfinale ausgeschieden. Schade, oder?

Das war leider sehr traurig und hat mir voll Leid getan. Ich hätte im Finale gerne gegen sie gespielt. Schade, dass sie nicht weiter gekommen sind. Aber ja, das ist das Spiel. Fußball ist manchmal ein komisches Spiel. Es ist egal, wer unser Gegner im Finale ist. Wir müssen immer noch gewinnen.

Kommen deine Familie und Freunde zum Finale am Sonntag?

Meine Eltern kommen. Mein Berater, der auch einer meiner besten Freunde ist, wird mit seiner Frau und Tochter im Stadion sein. Mein Bruder kommt auch extra zum Finale. Und noch zwei Freunde.

Konntest Du schon Zeit mit ihnen verbringen?

Nur wenig. Es ist nicht so einfach. Aber wir sind ja wegen Fußball hier. Es ist schön, dass sie auch hier sind, aber sie verstehen auch, dass das ein sehr hartes Turnier ist. Während den Meetings, den Trainings und der Massage ist dann doch etwas Zeit. Es tut auch mal gut aus dem Hotel zu gehen und mit den Gedanken nicht beim Fußball zu sein.

Was wirst Du am meisten vermissen, wenn Du von Deutschland in die USA zurückkehrst, zumindest für die nächste Zeit?

Das Brot. Das Essen ist sehr lecker. Zu Hause ist es nicht so gut wie hier. Ich bin ja auch ein bisschen Deutsch geworden. Ich vermisse auch die Leute, also meine Freunde aus Deutschland. Ich mag das Land und fühle mich hier sehr wohl. Hoffentlich kann ich hier bald wieder Fußball spielen und leben.

Warum hast Du Dich entschieden Fußball zu spielen?

Ich habe früher neben Fußball auch Volleyball und Baskettball gespielt. Irgendwann habe ich mich dann für Fußball entschieden, weil ich darin erfolgreicher war. Ich hatte dort auch mehr Freundinnen und mein Vater ist ein Fußballtrainer. Fußball hat immer Spaß gemacht.

Du hast dir „LIEBE“ auf den Arm tätowieren lassen. Warum „LIEBE“ und nicht „LOVE“?

Es gehört zu meiner Geschichte. Das ist die Geschichte von mir in Deutschland und hat nichts mit einer Person zu tun. Viele natürlich fragen mich nach der Bedeutung. Ich finde das cool. Ich kann dann erzählen, was ich in den letzten drei Jahren in Frankfurt gemacht habe.

Gibts noch ein neues Tattoo wenn ihr Weltmeister werdet?

(lacht). Vielleicht. Mal schauen.

Ich wünsche Dir alles Gute für Sonntag.

Vielen vielen Dank.


8 Kommentare

  1. Lyddy says:

    This has made my day. I wish all potnsgis were this good.

  2. Jennifer says:

    Super sympathisch und toll gemacht. Ein tolles Interview!

  3. Paul Wang says:

    Hallo Herr Mack, wie ist es ihnen denn gelungen eine amerikanische Spielerin zu interviewen? Sie sind doch gar keiner von der Presse.

  4. Nina says:

    Was eine geile Interview

  5. All Becks says:

    nice interview… can’t u derstand everything… you’ve got an english audio-file?

Kommentieren