Warum der Handball jetzt in Social Media investieren sollte

Nach der erfolgreichen Heim-WM 2007 blieb der langfristige Handball-Hype in Deutschland aus. Wird es im Anschluss an den deutschen Titelgewinn bei der EM in Polen anders sein? Helfen könnten unter anderem Social Media.

zuerst erschienen bei SPONSORs.de

Deutschland ist Handball-Europameister 2016. 13 Millionen sahen in der ARD, wie das DHB-Team die spanische Mannschaft im Finale sensationell an die Wand spielte. Die erreichten 42 Prozent Marktanteil (siehe Grafik unten) sind eine Zahl, die selbst das ZDF mit dem FC Bayern München in der UEFA Champions League nicht regelmäßig erreicht hat.

Die Handball-Helden wurden in der Woche nach ihrem sensationellen Triumph von TV-Sendung zu TV-Talk gereicht. Sie posierten auf dem roten Teppich beim „Ball des Sports“ mit Bundespräsident Joachim Gauck und besuchten direkt im Anschluss in Mannschaftsstärke das ZDF-„Sportstudio“. Und trotzdem müssen sie doch eines erkennen: Der erste sportliche Auftritt der Europameister, das „All-Star-Game“ zwischen der Nationalmannschaft und einer Weltauswahl der DKB Handball-Bundesliga, lockte zwar fünf Tage nach dem EM-Triumph 7622 Zuschauer in die Arena Nürnberger Versicherung. Allerdings lag die TV-Quote des Spiels bei Sport1 weit hinter den Top-20-TV-Quoten des vergangenen Freitags.

Facebook: Handball interessanter als Schweinsteiger

Selbstverständlich bilden die TV-Einschaltquoten auch künftig eine wichtige Grundlage für die Vermarktung der Sportart Handball. Jedoch gewinnen auch andere Plattformen immer mehr an Bedeutung – insbesondere die sozialen Medien.

Auch wenn die Facebook-Seite des Deutschen Handballbunds (DHB) nach dem Triumph keine 100 000 und die der DKB Handball-Bundesliga (HBL) nur 224 000 Fans hat, zeigen Facebook-Insights-Statistiken ein enormes Grundinteresse an der Sportart Handball.

Der folgende Vergleich mag gewagt scheinen, aber wir ziehen ihn trotzdem: Aktuell interessieren sich auf Facebook in Deutschland mehr Erwachsene für Handball (2,5 Millionen) als für die Fußballstars Bastian Schweinsteiger (2 Millionen) und Lionel Messi (2 Millionen). Diese Gruppe der Handball-Interessierten ist wesentlich weiblicher (47 Prozent) als die von Fußball-Weltmeister Schweinsteiger (28 Prozent), sie abonniert im Schnitt doppelt so viele Fanseiten, kommentiert dreimal mehr als der Facebook-Durchschnitt und klickt viermal häufiger auf Werbeanzeigen. Werte, die deutlich machen, dass sich auch für Sponsoren ein Engagement in Verbindung mit dem DHB explizit auf Social-Media-Plattformen auszahlen kann.

Dem deutschen Handball mangelt es nicht an Image. Mit seinem unterhaltsamen, actionreichen und schnellen Spiel sowie Sympathieträgern (DHB-Profi Kai Häfner: „Geld ist für uns keine Motivation“) besitzt er definierte Werte.

Dem Handball fehlt es vielmehr an digitaler Präsenz. Und diese muss intelligent gesteuert werden.

Welche Themen möchte ich besetzen und regelmäßig bespielen? Wie spreche ich mit der jungen und sympathischen Mannschaft unabhängig von TV-Präsenzen neben Fans auch Interessierte in sozialen Netzwerken an? Wie führe ich den Dialog auf Kanälen wie Facebook, Twitter und Instagram, um den ständigen Kontakt zur Fangemeinde weiter zu steigern?

Neue Formate und noch mehr Dialog

Für den Handball gilt es jetzt, eine kanalübergreifende digitale Plattform zu schaffen. Eine fortlaufende Erzählung, die neben den Spielern auch die Vielfältigkeit der Sportart von der Nationalmannschaft, über die Bundesliga bis hin zu Jugendmannschaften vorstellt und den Dialog und Austausch mit Fans und Interessierten sucht. Das können zum Beispiel 24-Stunden-Aktionen auf Facebook und Twitter oder Trainingstipps und Insights auf Instagram sein, aber auch Periscope-Übertragungen aus der Kabine.

Zusätzlich kann eine individuelle Social-Media-Beratung für Spieler dafür sorgen, dass einzelne aus dem Schatten des Teams heraustreten können. Die rund 3300 Follower (Stand: 11.Februar) von EM-Held Andreas Wolff können nicht alles sein. Jede Sportart braucht Vorbilder, heute ganz besonders solche mit digitalen Reichweiten.

Der DHB und die HBL dürfen bei aller Euphorie das Fenster der Aufmerksamkeit nicht verschlafen. Für den Handball muss es jetzt darum gehen, den Fokus in der Kommunikation nicht nur auf die Fans, sondern vor allem auf die Interessierten zu legen und diese direkt zu erreichen. Das kann auch kurz- und mittelfristig dafür sorgen, dass sich Sponsoren in der Bundesliga und im Jugendsport vor Ort stärker engagieren. Diese tolle Sportart braucht guten Nachwuchs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.