WM-Finale: Hope dies last

Sie sieht gut aus und ihr Lebenslauf ist der vielleicht interessanteste aller WM-Teilnehmerinnen. Ihr Vater ist ein Vietnam-Veteran. In den Knochen ihrer Schulter waren knapp 11 Monate vor der Weltmeisterschaft noch 10 Schrauben. Nach viel Geduld und mit starkem Willen kehrte US-Goalkeeper Hope Solo Anfang April ins US-Team zurück. Sie ist ein Mensch mit viel positiver Ausstrahlung. In ihren Worten schwingen Emotionen. Von 10.000 auf fast 200.000 Twitter-Follower in drei Wochen. Kein Wunder, spätestens mit den beiden gehaltenen Elfmetern im Viertelfinale gegen Brasilien wurde Hope Solo zu einem Superstar der Frauenfußballweltmeisterschaft 2011.

„Dieses Spiel bedeutet alles für mich. Ich träume von diesem Titel seit ich ein kleines Mädchen bin. Ich wollte immer eine WM-Goldmedaille und eine Olympia-Goldmedaille.“ (zeit.de) Das Finale war wie gemacht für Hope Solo. 15 Millionen vor den TV-Geräten, 48.000 Menschen, davon mindestens 100 mit „Hope you‘re Solo“ oder „Hey Hope, I‘m Solo“ Plakaten, sorgten im Frankfurter Waldstadion. Eine grandiose Atmosphäre für ein Fußballfinale der Extraklasse. Es war ein Spiel, das einen höheren Dramatik-Faktor nicht hätte haben können. Ein Glücksfall für den Sport und den Frauenfußball insbesondere.

Die kombinationssicheren Japanerinnen blieben in der ersten Halbzeit harmlos. Auf der Gegenseite vergaben die US-Girls in einem munteren Spiel Chancen en Masse. „Wenn sich das nicht rächt…“ war der Halbzeit-Kommentar eines Freundes per SMS. Er sollte recht behalten. Dabei lief in der zweiten Halbzeit und in der Verlängerung zunächst alles nach Plan. Die US-Girls gingen in der 69. Minute erst durch Alex Morgan und dann in der 104. Durch Abby Wambach in Führung. Unachtsamkeiten im Aufbauspiel und Fehler in der Abwehr sorgten dafür, dass die Japanerinnen zwei Mal zurück kommen konnten. Das Schlimme daran: Hope Solo hatte keine Chance. Zuerst schob Aya Miyama den Ball aus kurzer Distanz über die Linie, dann erzielte Homare Sawa nach einem Eckball das 2:2, wobei ihr Schuss auch noch von einer Amerikanerin abgefälscht wurde.

2:2 nach 120 Minuten gegen Japan nach einem Mega-Spiel. Wieder Elfmeterschießen. Wer anders als Hope Solo sollte dieses Finale also entscheiden? Sie parierte zwar gekonnt gegen Yuki Nagasato, doch ihre Mitspielerinnen ließen sie im Stich. Die USA verloren das Finale 3:5 nach Elfmeterschießen. „Es war ein hartes und umkämpftes Spiel. Die japanische Mannschaft spielte mit so viel Leidenschaft und kämpfte so sehr – ich sage das nicht zu allen Mannschaften, aber vor dieser japanischen Auswahl habe ich den größten Respekt. Sie haben um viel mehr als nur den sportlichen Erfolg gekämpft. Es gab für sie so viele andere wichtige Gründe“, sagte Solo nach dem Spiel und schüttelte jeder einzelnen Spielerin Japans die Hand. Aye Miyama, mit der sie zusammenspielte, umarmte sie: „Aye und ich sind uns sehr nahe. Ich habe sie das ganze Turnier lang angefeuert. Einige von meiner Familie hatten ihr Trikot an, als sie spielte und einiger ihrer Freunde trugen mein Trikot, als wir spielten.“ Nach der Tsunami-Katastrophe hatte sie sich große Sorgen gemacht. „Sie brauchte zweieinhalb Tage um eine Internetverbindung zu finden und jedem zu sagen, dass es ihr gut geht. Sie war völlig fertig. Ihre Familie hat ihr Geschäft verloren, es gab keinen Strom mehr in ihrem Haus. Wir haben für sie Geld gesammelt und es ihr geschickt.“ (zeit.de)

Hope Solo hat mit ihren US-Girls ein Spiel verloren, bei dieser WM jedoch viel mehr gewonnen.

6 Kommentare

  1. Stefan says:

    Schöner Bericht zum Finale, vielen Dank dafür :)
    Es war wirklich ein großartiges Spiel, das Werbung für den Frauenfußball gemacht hat.

    @Kritiker: Zwingt dich jemand das hier zu lesen? Dann such dir was anderes, mit weniger „Kacke“. Ich glaubs ja nicht…

  2. Kritiker says:

    Wie lange muss ich hier die Kacke über den Frauenfußball lesen? Ich dachte hier gehts um Politik?

  3. daniel mack says:

    danke :)
    vorbei? das war doch erst der startschuß! am 21.08. geht sie los, die frauenbundesliga mit einem heimspiel des 1. ffc frankfurt gegen essen-schönebeck! :)

  4. Jennifer says:

    Du hast die gesamte WM echt toll kommentiert. Auf Twitter war man immer ganz dicht dran. Schade, dass es vorbei ist…

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