Bundesliga an Polizeikosten zu beteiligen ist falsch

Die Forderung nach einer Beteiligung von Vereinen oder Fans an den Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen ist ungerecht, politisch falsch und rechtlich nicht haltbar.

Für Sicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum, insbesondere bei größeren Menschenansammlungen zu sorgen, ist zentrale Aufgabe der Polizei und direkter, wichtiger Ausdruck des staatlichen Gewaltmonopols. Diese Leistung kann man nicht kaufen und sie darf auch nicht käuflich sein. Es ist weder eine Aufgabe, die privatisiert werden kann, noch kann sie abhängig gemacht werden von einem Beitrag von Vereinen oder Fans.

Und das ist auch richtig: Versammlungsfreiheit darf nicht davon abhängen, dass man Kosten trägt. Sonst könnten sich Demonstrationen nur noch Reiche leisten (es sei daran erinnert, dass auch schon abwegige Forderungen gab, Demonstranten an den Polizeieinsatzkosten zu beteiligen).

Bundesliga spült 850 Millionen Euro Steuern und Beiträge in öffentliche Kassen

Tatsächlich kosten Polizeieinsätze die Bundesländer ziemlich viel Geld. In Hessen sind es 6 Millionen Euro pro Jahr. Zugleich aber spült der Profifußball erhebliche Gelder in die öffentlichen Kassen: 850 Millionen Euro an Steuern und Beiträgen wurden im Vorjahr von den Clubs der 1. und 2. Bundesliga abgeführt, die Fußball bedingten Mehrwertsteuererlöse über Merchandising oder Bier- und Bretzelverkäufe nicht nur im Stadion sind enorm. Und allein Eintracht Frankfurt zahlt 7-10 Millionen Euro Stadionmiete pro Jahr, so dass nach 20 Jahren die Kosten für den Umbau des Waldstadions amortisiert sind, ohne das ein einziges Konzert, eine Veranstaltung oder ein Länderspiel dort stattfindet. Die sind zusätzlicher Gewinn.

Kollektivstrafen sind falsch, nutzlos und – verboten

Eine Beteiligung von Vereinen, die dann über den Ticketverkauf an Fans weitergegeben würde, ist zudem sozial ungerecht: 50.500 Menschen – Jugendliche, Familien, Rentner, Arme, Reiche, Eingeborene wie Migranten – besuchen die Heimspiele von Eintracht Frankfurt. Davon sind ca. 500 problematische, gewaltbereite Fans – also rund 1% der Besucher. Es ist nicht gerecht, ALLE für das Problem weniger haftbar zu manchen. Kollektivstrafen sind falsch, nutzlos und – verboten. Ganz zu schweigen davon, dass pauschale Aufschläge auch komplett unproblematische kleine Clubs treffen würden, etwa den FSV Mainz, den SC Freiburg oder auch den FSV Frankfurt.

Bundesliga ist die beliebteste Liga der Welt

Der deutsche Profifußball hat die höchsten Besucherzahlen der Welt, teilweise reisen sogar Fans aus England an, um sich hier attraktiven und im internationalen Vergleich preiswerten Fußball anzuschauen, den sie sich zu Hause nicht leisten können, weil eine teure Vereinsmitgliedschaft oftmals Vorraussetzung für den Ticketerwerb ist. Und doch ist auch in Deutschland für einen Normalverdiener Fußball schon teuer genug: eine dreiköpfige Familie, zahlt locker 100 Euro für den Besuch eines Bundesligaspiels. Macht man es noch teurer, trifft man die falschen.

Privatisierung von Polizeikosten ist populistisch

Tatsächlich ist der Ruf nach einer Privatisierung der Polizeikosten bei Fußballspielen populistisch. Er folgt dem öffentlichen Aufschrei, dass man „solche Umstände“ – insbesondere Normüberschreitungen durch Ultras, die Pyrotechnik abbrennen und Absperrungen übersteigen – nicht hinnehmen kann, dagegen etwas tun müsse. „Etwas dagegen tun“ bedeutet in diesem Verständnis Sanktion, entweder also Strafe oder Kostenübertragung, denn normabweichendem Verhalten muss begegnet werden. So etwas ist symbolisches Recht (um der öffentlichen Meinung zu gefallen) das zu unnötiger Überregulierung und so Normvertrauensverlust führt.

Prävention und Dialog

Dabei ist längst gesicherte Erkenntnis, das aus populistischer Motivation beruhende Sanktion, nicht nur überdurchschnittlich häufig wirkungslos ist, sondern zudem desintegrierend wirkt: Symbolisches Recht ändert nichts, sondern fördert vielmehr den Verlust des Normvertrauens.

Deshalb sollten die für die Polizei verantwortlichen Bundesländer nicht symbolische Sanktionen fordern, sondern Ursachen von Fangewalt bearbeiten. Das bedeutet:

  • Prävention durch Fanarbeit
  • Aufklärung (über Gefahren und Verbot der Pyrotechnik)
  • wirksame ÖPNV-Konzepte
  • Fandialog

Fans haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass Selbstregulierung greifen kann. Fans mehr Verantwortung entgegenbringen, statt permanent über weitere als Strafe empfundene Reglementierungen zu reden. Gegen Gewalttaten helfen weder teurere Tickets und erst recht keine Stehplatz-Verbote in deutschen Stadien. Gerade junge Leute und Ultras tragen durch ihre Fankultur zu dieser einzigartigen Atmosphäre in deutschen Stadien bei.

Statt sich für populistische aber nutzlose Maßnahmen wie eine Beteiligung an Polizeikosten durch Vereine auszusprechen, sollten die Bundesländer gemeinsam daran arbeiten, sinnvolle Maßnahmen zur Deeskalation umzusetzen.

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