Danke, Deutschland!

Wie lange dauert die temporäre Unfreiheit noch an? Wie sieht der Exit aus diesem Zustand aus? Kommt das bereitgestellte Geld von Bund und Ländern auch bei denen an, die es jetzt so dringend benötigen? Reichen die Milliarden?

Gibt es das Lieblings-Café um die Ecke in ein paar Wochen noch? Was ist mit dem Buchhändler, der immer noch einen Lesetipp hatte? Was ist mit der Tante oder dem Onkel und dem Job beim großen Mittelständler im Nachbarort? Wie wird das mit der auf Export ausgerichteten Wirtschaft, die über Jahrzehnte unseren Sozialstaat finanziert hat? Reichen die bislang getroffenen Maßnahmen aus, um die Pandemie in den Griff zu bekommen? Sind Oma und Opa im Altersheim sicher? Die Eltern? Freunde mit Vorerkrankungen?

Fragen, auf die es keine Antworten mit einer hundertprozentigen Sicherheit gibt. Und auch nicht geben kann. Unsere individualisierte Gesellschaft und weitverzweigte Volkswirtschaft lassen sich nicht zentral steuern. Zum Glück. Unser Grundverständnis ist die Soziale Marktwirtschaft. Freie Märkte mit freiem Wettbewerb sowie Aufsichtsräte, in denen die Mitarbeiter mitreden, als Teil des Unternehmens gesehen werden und mehr sind als Humankapital. Das unterscheidet uns nicht nur von anderen, es hat uns erfolgreich gemacht. Ökonomisch und persönlich. Wir können Unternehmen gründen, Sportwagen fahren und lieben wen wir wollen. Wir leben von der Mündigkeit aller. Und von der individuellen Verantwortung. Jede und jeder in unterschiedlichen Rollen an den unterschiedlichsten Orten.

Es macht Mut, wieviele Menschen für unsere Gesellschaft anpacken. Die einen nutzen den digitalen Raum, um Initiativen zu gründen, die denen schnell helfen, die in Notsituationen geraten sind. Andere engagieren sich im direkten Umfeld und übernehmen den Einkauf für ältere Nachbarn. Unternehmen überlegen, wie sie ihre Technik und ihr Knowhow nutzen können, um Medizinbedarf zu produzieren.

In Parteien, Ministerien und Fraktionen werden große Pakete geschnürt. So gestaltet, austariert und konzipiert, dass erhalten wird, was wir schätzen. Es ist unsere Politik, die uns in der Krise auch von anderen unterscheidet. Was hat man nicht alles gesagt, zu langsam, zu langwierig, zu viel Debatte, zu wenig Entscheidungen. Sie ist da, wenn man sie braucht. Seriös, klar, verständlich. Das komplexe System aus mehreren regierenden Parteien im Bund, den Ländern, es funktioniert. Der Föderalismus, viel gescholten, von manch einem gerne komplett infrage gestellt, beschleunigt, sorgt für Tempo in der Umsetzung der Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit. Und berücksichtigt bei der Rettung der Wirtschaft regionale Besonderheiten.

Deutschland ist nicht One-Size-fits-all sondern auch in der Krise Präzision, Genauigkeit, Augenmaß und Realismus. Und so gilt der Dank ganz besonders denen in unserem demokratischen System, die gerade keine große mediale Aufmerksamkeit bekommen. Den Landräten und Bürgermeistern, die mit lokalen Unternehmen Medizinbedarf unbürokratisch verteilen, den ehrenamtlichen Stadt- und Gemeinderäten, die vor Ort Initiativen gründen, um mit voller Kraft dort helfen zu können, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

Deutschland ist solidarisch und verantwortungsbewusst. Ich bin glücklich, hier zu leben.

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