Twitter ist Dialog, ist Vernetzung, ist Austausch

Politische Arbeit im 21. Jahrhundert ohne 140 Zeichen? Schwer vorstellbar. Das Spannende an Twitter ist der freie, ungefilterte Fluss von Informationen, die von Menschen gesendet werden, welche auf unterschiedlichste Weise in Geschehnisse involviert sind. Gerade wegen der Zeichenbegrenzung ist Twitter für mich der schnellste und einfachste Weg, um politisch zu kommunizieren und in den Dialog zu treten.

Nachrichtendienst

Diese Nachrichtendrehscheibe verbindet Menschen weltweit und übermittelt wichtige Informationen in Echtzeit, die von Millionen von Nutzerinnen und Nutzern täglich erzeugt und gelesen werden. Richtig genutzt ist Twitter ein individueller Nachrichtenticker, durch den der Puls der Zeit und die Geschnisse in der Welt in Echtzeit erfasst, kommentiert und bewertet werden, unabhängig von Zeit und Ort.


Informationen und Meinungen verbreiten sich über Twitter schneller als in den meisten klassischen Medien. Die Twitter-Kommunikation kann auch überhaupt erst zum Anlass für Berichterstattung werden. #Aufschrei ist das beste Beispiel und zeigt: Twitter ist ein Nachrichtendienst, kein soziales Netzwerk. Wann hat eine Debatte je derart schnell den Weg aus dem Netz in die etablierten Medien gefunden? Wann hat sich Twitter je erfolgreicher als Startpunkt einer Medienlawine erwiesen?

Multiplikation

Neben dem Dialog kommt es eben auf die direkte Ansprache von Multiplikatoren an, die Inhalte weitergeben und damit virale Effekte auslösen. Durch tausendfaches Retweeten, der direkten Weitergabe, werden Informationen viel schneller als durch die professionellen Medien verbreitet. Weltweite Großereignisse wie die arabische Revolution oder der im Hudson River notgelandete Airbus zeigen: Kein medialer Verbreitungsweg war bisher so geeignet, aus jeder Situation heraus schnell ein potentiell weltweites Publikum zu erreichen.

Relevant sind nicht die Anzahl meiner Follower, sondern das Erreichen meiner Zielgruppe und die Gesamtreichweite eines Tweets, auf Twitter und in den Medien. Viele Follower und häufiges Absenden von Tweets alleine reicht nicht, um das Potential des Kurznachrichtendienstes auszuschöpfen. Die Fähigkeit überlegte, prägnante und medial verwendbare Statements im richtigen Zeitpunkt zu formulieren, ist ebenso entscheidend. Vor allem für diejenigen, deren Erfolg auf Netzwerken und Verbindungen beruht.

Medienquelle

Kein Zufall, dass das Institut „Media Tenor“ feststellte, dass Stellungnahmen aus Twitter mittlerweile häufiger zitiert werden als Äußerungen aus traditionellen Printtiteln wie Stern, Welt am Sonntag oder dem Online-Portal Spiegel Online. Warum? Weil die 140 Twitter-Zeichen etwa dem Platz entsprechen, der für ein Fernseh-Statement oder ein Zeitungszitat zur Verfügung steht. Die Forderung nach kurzen Stellungnahmen sind, das kann man gut oder schlecht finden, in den Medien längst die Regel geworden. Entscheidend ist, ob ich mit einem Kommentar Resonanz finde, Tweets zu Meldungen werden oder mit Bürgerinnen und Bürgern Diskussionen im unkomplizierten und unverbindlichen Kurzdialog führen kann. Zudem bringt diese Form des Echtzeit-Internets ein Mehr an Nachvollziehbarkeit und persönlicher Nähe, die Politiker auch erreichbarer für Hass, Spott und Häme macht. Alles nicht schön, nicht neu und schon gar keine Erfindung des Internets. Es sollen auch schon Briefe diesen Inhalts Politiker erreicht haben.

Im Idealfall ist Twitter in der Politik ein fortlaufender Dialog vor Publikum im Netz. Mit anderen Politikern, mit Journalisten, mit Lobbygruppen, mit Bürgerinnen und Bürgern. Auch am Bahnsteig oder in der Kneipe kann dies geschehen. Macht man dort nicht auch zufällig die interessantesten Bekanntschaften, deren wirkliche Relevanz sich erst in der Folge herausstellt?

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